Cañón de Autisha Canyon Autisha Peru

Cañón de Autisha – Unser ultimativer Geheimtipp!

Cañón de Autisha? Bitte was? Was soll das denn sein?

Der Tourismus in Peru boomt – und das stark. Während vor 10 Jahren noch rund 2,2 Millionen internationale Gäste das Land im Westen Südamerikas besuchten, waren es 2018 4,4 Millionen. Innerhalb von einer Dekade hat sich das Touristenaufkommen demnach verdoppelt. Grund dafür mögen, unter anderem, trendige Hotspots wie der Machu Picchu, der Titicacasee, der Rainbow Mountain oder der Nationalpark Huarascarán sein. Wir finden den Peru-Hype berechtigt – wir lieben dieses Land. Auch wenn wir die Entwicklung und die damit einhergehende Überfüllung mit einem weinenden Auge sehen. Du willst Orte in Peru erleben, die frei von Menschenmassen sind und von denen nicht tagein tagaus tausende Fotos auf Instagram gepostet werden? Wir haben einen ultimativen Geheimtipp! Wenn man kein absoluter Peru-Experte oder Local ist, hat man von diesem Ort garantiert wenig bis gar nichts gehört. Wir wollen dir diesen Ort trotzdem oder gerade deshalb vorstellen. Natur und Adrenalin pur – die Rede ist vom Cañón de Autisha! Angst vor Fledermäusen solltest du hier übrigens nicht haben.

Was ist der Cañón de Autisha? – Allgemeine Informationen

Wir geben es zu – wir haben diesen Ort nicht selbst entdeckt. Den Ruhm eines Indiana Jones werden wir wohl hiermit nicht erreichen. Während unseres Aufenthaltes bei Henriks früherer Gastfamilie in Chosica nahe Lima nahmen uns unsere „Gastbrüder“ und Freunde mit auf einen Ausflug dorthin.

Beim Cañón de Autisha handelt es sich um einen Canyon im peruanischen Hochland, der zum einen durch eine große Bogenbrücke und zum anderen einem tiefliegenden Wasserfall charakterisiert wird. Dieser befindet sich rund 55m unter der Erde und mündet innerhalb des Canyons in einen kleinen Teich und von dort aus hinaus in einen Bach. Die ganz Harten haben hier die Möglichkeit zu Baden. Das unter der Erde entspringende Wasser ist nicht nur unfassbar kalt, man sollte ebenso auf den nicht zu unterschätzenden Sog Acht geben.

Cañón de Autisha Wasserfall
Wie komme ich zum Cañón de Autisha? – Lage und Anfahrt

Ein Wasserfall unter der Erde! Wie soll man denn da bitte hinkommen?

Generell befindet sich der Cañón de Autisha im Valle de Santa Eulalia, in der Provinz Huarochirí. Wenn du in Lima verweilst, bietet sich ein Ganztagesausflug an, denn von dort aus liegt der Canyon rund 73 km in Richtung Osten (in Richtung Anden). Die letzten Kilometer fuhren wir nicht auf asphaltierten Straßen, sondern ziemlich langwierig enge Serpentinen hinauf und hinunter. Deshalb würden wir dir nicht empfehlen selbst zu fahren, wenn du damit keinerlei Erfahrung hast. Ohne Hupen als Warnzeichen vor der Einfahrt in eine enge Kurve riskiert man sein Leben! Ob du dies nun als hilfreichen Tipp für dich selbst oder einfach als Fun Fact am Rande verstehst, ist dir überlassen ;-).

Uns sind während der Fahrt keinerlei Schilder aufgefallen, die den richtigen Weg in Richtung Cañón de Autisha weisen. Eventuell ist das mittlerweile anders. Ist man nicht innerhalb einer geführten Tour unterwegs, ist man vermutlich auf Nachfragen in der auf dem Weg liegenden Dörfer angewiesen.

Wir parkten das Auto auf einer Plattform einer Serpentine und bestritten den Rest des Weges zu Fuß. Marschierend im Gänsemarsch schlängelten wir uns auf sehr schmalen Pfaden inmitten der Anden entlang. Auch hier sollte man schon vorsichtig sein und sich voll und ganz auf sich selbst konzentrieren. Trekking-Schuhwerk und enganliegende Kleidung im Zwiebellook ist äußerst empfehlenswert! Warum Zwiebellook? Beim Wandern in der Sonne kann es ganz schön warm werden, aber spätestens im schattigen Canyon und unter der Erde wird es frisch.

Cañón de Autisha
Und dann…? – Abenteuer und Adrenalin!

Offiziell kostet der Eintritt zum Cañón de Autisha wohl 5 peruanische Soles. Ehrlich gesagt haben wir persönlich nicht mal einen richtigen Eingang wahrgenommen und bis auf ein älterer Herr mit Hund, der uns intensiv gemustert hat, verlangte niemand auch nur annähernd 1 Sol von uns. Wir wanderten also weiter, die Wege wurden immer schmaler…bis zu einem Abgrund. Dort war Klettern angesagt, wofür einige Sprossen in den Felsen angebracht waren. Einer nach dem anderen – einer für alle und alle für einen.

Erst mal wieder in Sicherheit auf einer weitläufigen Ebene erstreckt sich eine riesige Bogenbrücke von der einen Felswand zur anderen. Wer Bock hat, kann sogar drüber gehen oder für einen Moment sitzend und Beine baumelnd verweilen.

Der Abstieg geht weiter. Jetzt wird es dunkel, eng und rutschig. Gefühlte Ewigkeiten geht es schmale nasse Treppen, und zwischenzeitlich sogar nur Leitern, hinunter in die Erde. Einige Fledermäuse haben hier offensichtlich (und verständlicherweise) ihr Zuhause. Anschließend wartet nur noch eine letzte Hürde bis zum langersehnten Ziel: Zwei Seile! Eines für die Hände und das zweite zum Fortbewegen mit den Füßen. Hast du das geschafft, wird sich vor dir ein unvergessliches und atemberaubendes Bild eröffnen. Ein Wasserfall mitten in einem Canyon!

Cañón de Autisha Brücke
Tagebuchausschnitt Peru (Henrik, 03.09.):

„Am darauffolgenden Morgen ging es zügig los zu unserem ersten großen, unverhofft sehr abenteuerlichen und gewagten Ausflug zum Cañón de Autisha. Nach über 2 Stunden Buckelpiste in den Andenausläufern mit der Cousine meines Gastbruders als wohl geübte Rallye Pilotin kamen wir gegen 11 Uhr am Zielort an, wo uns lediglich noch ein kurzer Fußmarsch von 10 Minuten erwartete. Anschließend ging es dann gleich recht heikel los. Ohne professionelle Tour, ohne Guide, ohne Sicherung hangelten wir uns an den angebrachten Seilen 2-3m herab. Puhh, das war nicht ganz ungefährlich. Der Weg, an den breiteren Stellen vielleicht 1,5m breit, grenzte an tiefen Abgrund.

Nach dieser überwundenen Etappe ging es dann in einen dunklen Schacht, Leiter für Leiter schätzungsweise um die 30m runter. Während Hannah ihre Angst oben am schmalen Bergpfad überwinden musste, war mir nicht ganz wohl in den dunklen, schmalen Schächten und Gängen. Aber glücklicherweise schafften wir es auch über die letzte wackelige Holzkonstruktion, zur erwarteten Wasserfontäne, welche mit schierer Urgewalt aus dem Berg geschossen kam. Darunter bildete sich eine kleine, wahrlich eiskalte Lagune.

Ein wirklich atemberaubender Anblick und kurz reingetaucht ins kühle Nass! Aber Achtung, weit weg vom Ufer oder gar unter den Wasserfall sollte man sich nicht wagen, die Kräfte, die wirken sind enorm! So ging es nach einigen wunderbaren Momenten und wunderschönen Fotos den Abenteuer-Track wieder hinauf. Und ja wir gelangten unverletzt wieder zurück zum Auto. Auch die Murcielagos, die Fledermäuse, haben sich in den dunklen Katakomben von uns ferngehalten. Und so waren wir letztendlich alle erschöpft, aber froh diese Herausforderung, diese Konfrontation mit Ängsten, gemeistert zu haben und dafür belohnt worden zu sein…“

Cañón de Autisha Brücke
Herrlich! Ehrlich?

Ohne die Jungs unserer Gastfamilie hätten wir vom Cañón Autisha vermutlich bei diesem Aufenthalt niemals erfahren. Wir hatten demnach auch keinen blassen Schimmer, was auf uns zukommen wird und schenkten ihnen vollkommenes Vertrauen. Mit eigener Vorbereitung

Im Nachhinein betrachtet war die Aktion zugegebenermaßen ohne jegliche Sicherheitsausrüstung oder Guide ziemlich waghalsig und hätte mit Pech vielleicht auch anders ausgehen können. Auf sämtlichen Bildern und Videos im Internet tragen die Menschen Kletterausrüstung, wohingegen wir lediglich festes Schuhwerk besaßen. Aber unser Zusammenhalt war offenbar stärker als die Gefahr und so werden wir diesen Tag „mit Sicherheit“ alle ewig in Erinnerung behalten. Außerdem sind wir in der ganzen Zeit keinem anderen Menschen begegnet. Einmalig!

Wenn du den Weg zum Cañón Autisha auf dich nehmen willst und ohne ortskundigen Reisebegleiter unterwegs bist, buche lieber eine Tour mit Guide und geh den offiziellen Weg. Das wird selbstverständlich nicht zum Nulltarif gehen, aber das sollte es dir auf jeden Fall wert sein. Auch so wirst du begeistert sein!

Reisedaten

Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

Lateinamerika:
Reisezeit: August - Oktober 2017
Reisedauer: 50 Tage
Peru:
Reisezeit: August/September 2017
Reisedauer: 11 Tage
Unterkunftsart: Gastfamilien

geschrieben von Henrik

Wie hat dir der Beitrag gefallen? Gib uns doch hier unten Feedback oder stelle eine Frage.

Deine Meinung ist unser Gepäck!

Zeige mit Smilies, wie dir dieser Beitrag gefallen hat.

Durchschnittsbewertung 0 / 5. Anzahl der Bewertungen 0

Keine Bewertungen. Sei der/die Erste!

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Kommentare
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare