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Länderspezifische Reiseberichte

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    Lissabon – Highlights für einen Tagesausflug

    Von der Algarve ging ein weiterer größerer Tagesausflug nach Lissabon, der Hauptstadt und größten Stadt Portugals. In hügeliger Lage, ziemlich direkt an der Atlantikküste, erlebten wir Lissabon als eine offene, lebensfrohe Metropole voller verschiedener Einflüsse, voller Kultur und Kunst. Wir nahmen lediglich für den Transfer hin und zurück einen Bus in Anspruch. Dieser brauchte von unserer Unterkunft in Alporchinhos  2 ½ bis 3 Stunden nach Lissabon, weshalb es sehr früh losging…
    Wir entschieden uns aber gegen jegliche geführten Touren. Doch diesmal hatten wir uns vorher keinen so exakten Plan bezüglich der Aktivitäten vor Ort zurechtgelegt und hätten im Nachhinein, bei effizienterer Nutzung der Zeit, bestimmt noch einiges mehr erleben können.

    Aber auch so haben wir einiges sehen können und vor allen Dingen die Zeit vor Ort genossen. In diesem Beitrag erfährst du, was an einem Tag in Lissabon möglich ist. Lass dich inspirieren von unseren persönlichen, sehenswerten und einfach erreichbaren Highlights im Zentrum Lissabons:

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    1. Belém

    In die Stadt hinein ging es über die Ponte 25 de Abril. Gleich links davon, bevor es in die Innenstadt ging, war der Praça do Imperio, der Reichsplatz unser erster Halt. Dieser ist zwar sehr ordentlich geometrisch angeordnet, aber durchaus einladend mit seinen Grünflachen, wunderschönen Pflanzen und Blumen. Viele Bänke bieten an sich niederzulassen, um sich nach der langen, beschwerlichen Busfahrt, etwas mit der Energie der aufsteigenden Sonne aufzuladen. Am besten kann man sich dort mit einem kleinen süßen Snack stärken. Prädestiniert dafür sind die berühmten, im Original aus diesem Viertel stammenden Pastéis de Belém oder auch Pastel del Nata genannt.

    Lissabon - Praca do Imperio

    Pastéis de Belem sind Blätterteigtörtchen mit Pudding gefüllt und meist mit Puderzucker oder Zimt bestreut. Uns läuft heute noch das Wasser im Mund zusammen, wenn wir an diese regional charakteristische Spezialität denken. Nicht nur direkt vor Ort sind sie DAS süße Gebäck des Landes und der Verkaufsschlager schlechthin. Das Originalrezept stammt direkt aus dem Stadtteil Belém und wurde angeblich bereits im 18. Jahrhundert im anliegenden Kloster Mosteiro dos Jeronimos von Mönchen kreiert und nach Schließung des Klosters an eine Zuckerraffinerie verkauft. Quasi seitdem werden sie von der Patisseria Casa Pastéis de Belem in die ganze Welt geliefert, aber auch vor Ort an ursprünglichster Stätte im betriebseigenen Café dargeboten. Wir ließen uns diese Chance nicht nehmen, genossen das Ambiente und natürlich die Pastéis. Allerdings muss man auch sagen, der Andrang ist enorm. Als wir es endlich geschafft hatten, das ein oder andere Exemplar zu ergattern, haben wir uns lieber wieder in Ruhe auf den Praça do Imperio zurückgezogen und das dichte Treiben hinter uns gelassen.

    Lissabon - Pasteis de Belem

    Ebenso liegt in Belém, direkt an der Mündung des Flusses Tejo, der berühmte Turm von Belém. Er ist eines DER architektonischen Wahrzeichen Lissabons. Das Weltkulturerbe der UNESCO ist nämlich eines der wenigen Bauwerke, die das schwere Erdbeben 1755 nahezu unbeschadet überstanden haben und wurde bereits im 16. Jahrhundert als Leuchtturm und Orientierung für Schiffe genutzt. Der Turm von Belém strotzt also nur so von Historie und ist einfach ein prächtiges Bauwerk mit besonderer Lage. An ihm fuhren wir lediglich vorbei, doch wir hätten die Freizeit vorher bestimmt auch dafür nutzen können, ihm einen kurzen Besuch abzustatten. Allerdings hatten die Pastéis bei uns einfach eine höhere Priorität 😉

    2. Bairro Alto & Baixa

    Als wir dann nach ein paar Minuten mit dem Bus in der Innenstadt hielten und für die kommenden 4 Stunden erstmal in die Freiheit entlassen wurden, landeten wir direkt in einem der extravagantesten und wohl schönsten Viertel Lissabons. Das Bairro Alto ist eines der Szeneviertel Lissabons und wohl insbesondere aufgrund seiner Kneipen und Bars alles andere als ein Geheimtipp für Nachtschwärmer.  Da diese urtypische Atmosphäre bei Nacht an uns vorbeigehen würde, erfreuten wir uns an dem, was uns geboten wurde. Und das ist auch absolut erwähnenswert.

    Lissabon - Bairro Alto

    Denn auch wenn sich das Bairro Alto tagsüber still und unscheinbar zeigt, so offenbaren sich darin die charakteristischen, teils steilen gepflasterten Straßen zwischen alten, gelben teilweise auch mit moderner Street-Art verzierten Häusern. Im Bairro Alto zeigt sich viel von dem historischen Lissabon und es lässt sich gut erahnen, wie es hier einmal ausgesehen hat. Pittoresk zeigt sich auch eine gelb-weiße altertümlich anmutende Standseilbahn, der Elevador da Bica. Sie bringt sowohl Einheimische, wie auch Touristen, verlässlich von A nach B.

    Nur scheinbar etwas moderner geht es im angrenzenden Stadtviertel Baixa zu. Hier ermöglicht einem der Elevador de Santa Justa einen fantastischen Ausblick direkt aus der Innenstadt über die Innenstadt. Der Elevador de Santa Justa ist ein schon 1901 gebauter Personenaufzug.  Mit seiner Stahlkonstruktion erinnert er ein wenig an den Eifelturm, nur dass er nicht spitz zuläuft, sondern sich als Turm mitten ins Stadtbild drängt. Oben, auf 45m Höhe, befindet sich nicht nur eine Aussichtsplattform, sondern auch die Verbindung zu den höher gelegenen Stadtteilen Chiado und Bairro Alto.

    Nicht umsonst wird Bairro Alto mit Oberstadt und Baixa mit Unterstadt übersetzt. Hauptsächlich aufgrund der Touristenmassen vor Ort entschieden wir uns allerdings weiter zu schlendern und landeten schnell im moderneren Lissabon mit seinen zig mehr oder weniger bekannten Boutiquen und Stores.  Hier findet man definitiv alles was das Shopping-Herz begehrt, unsere Intention war dies eher nicht. Wir wollten mehr sehen von der Stadt und den Leuten.

    Lissabon - Bairro Alto Elevador Bica
    Elevador da Bica
    3. Praça do Comercio

    Etwas weiter Richtung Flussufer des Tejos, am Ende der Rua Augusta, ging es dann durch einen riesigen, prachtvollen Torbogen auf den Praça do Comercio, dem Platz des Handels. Bis 1755, dem großen Erdbeben, befand sich hier, direkt am Lissabonner Hafen, das Königsschloss. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Doch neben dem pompösen Triumphbogen bildet eine berühmte Reiterstatue, welche den ehemaligen König Portugals Joseph I zeigt, ein weiteres prunkvolles Kunstwerk des Gedenkens. Sie bildet das Zentrum des Platzes, der heutzutage aufgrund seiner großen Fläche und des drastischen Parkverbots sehr frei und offen daliegt.

    Oft wird der Praça do Comercio für Veranstaltungen oder Märkte genutzt, insbesondere an Wochenenden. Hat man ihn einmal überquert und sich nicht von den vielen Vögeln attackieren lassen, erreicht man das Flussufer des Tejos. Nicht zuletzt aufgrund dieser flussnahen Lage in der Nähe des Hafens, wo der Handel floriert, trägt der Praça do Comercio seinen Namen. Auf dem Platz hat man zwar einerseits Ruhe gegenüber dem geschäftigen Treiben in den engen Gässchen und Verkaufsstraßen, andererseits aber auch entsprechend teure Cafés. Also entscheide selber, ob du dich nicht lieber mit einem Getränk oder einem Snack auf der Hand an die Uferpromenade setzt.

    Lissabon - Praca do Comercio
    4. Uferpromenade

    So nutzten wir die Gelegenheit an der Uferpromenade Lissabons etwas zu verschnaufen und in ruhiger Atmosphäre den Ausblick zu genießen. Nicht nur auf die vorbeifließenden Wassermassen des Tejos, sondern auch mit Blick auf die berühmte Ponte Vasco da Gama, einem der Sinnbilder Lissabons. Diese Autobahnbrücke ist mit ihren über 17km die längste Brücke Europas und mit ihrer charakteristischen Schrägseilkonstruktion wahrlich besonders. Unser Bus fuhr leider einen anderen Weg, daher blieb uns auch hier nur der Anblick aus der Ferne. Bei einer Brücke ist dieser aber ohnehin meistens der vielversprechendere, insbesondere wenn diese eher für ihre Länge als für ihre Höhe steht.

    Wir erliefen uns Lissabon weiter, der langen Uferpromenade entlang gen Westen. Hier ist es spürbar ruhiger und so bietet die Promenade Spaziergängern ordentlich Strecke. Wir kamen ungefähr bis auf Höhe des Museo Nacional de Arte Antiga bevor wir umdrehten, da wir die Strecke ja auch wieder zurückmussten. Dabei wollten wir allerdings wieder etwas weg vom Ufer, durch die kleinen Gässchen. So verließen wir das Ufer nicht ohne einen weiteren Blick auf den Tejo und die hier befindliche Ponte de 25 April zu werfen, auf welcher wir in die Stadt hineinfuhren. Von hier aus war auch ein weiteres Wahrzeichen der Stadt gut und deutlich zu sehen, der Cristo Rei.

    Lissabon - Tejo - Ponte Vasca da Gama
    Im Hintergrund die Ponte Vasco da Gama sowie der Cristo Rei
    5. Cristo Rei

    Über der Stadt Lissabon wacht der Cristo Rei. Von der Uferpromenade aus erblickten wir ihn abermals. Ähnlich wie sein größeres, berühmteres Pendant in Rio de Janeiro hebt er von hoch oben symbolisch seine Arme schützend über die Stadt. Die eigentliche Statue ist nur 28m hoch und damit lediglich die siebthöchste der Welt.

    Die für Touristen zugängliche Plattform auf dem 75m hohen Sockel bietet eine wohl fantastische Aussicht über ganz Lissabon. Obwohl wir eigentlich immer den Berg einer Stadt erklimmen, war es uns hier leider nicht möglich den Cristo Rei näher zu begutachten und Lissabon einmal aus dieser besonderen Vogel-Perspektive zu erleben. Auch wenn überall Ausflüge angeboten werden, hierfür brauch man Minimum einen halben Tag. So sahen wir den Cristo Rei lediglich von unten aus der Ferne. Aber wir haben ihn auf der Liste und wenn wir zurückkehren, dann nehmen wir uns die Zeit.

    6. Fado

    Mit der untergehenden Sonne erwacht Lissabon. Mehr und mehr Klänge ertönen,  vermischen sich mit den lauten Stimmen und beginnenden Tänzen zu einer kulturellen Melange. Fado heißt ein portugiesischer Musikstil, eine Vortragsart, eine Philosophie, ja ein Lebensgefühl, welches hier insbesondere in den Barrios Alfama, Bairro Alto und Mouraria beheimatet ist. Kneipen, Bars und öffentliche Plätze werden zu Tanzflächen und Lissabon zeigt sich in all seiner Pracht, wenngleich es sich meist eher um traurige Werke und Lieder voller Sehnsucht und Schmerz handelt. Wir bekamen davon leider nicht mehr viel mit und können nur erahnen wie schön es sein mag. Um nicht völlig in die Nacht hineinzugeraten, mussten wir uns frühzeitig mit dem Bus auf den langen Rückweg nach Alporchinhos machen. Nicht ohne uns zu schwören, einmal wieder zu kommen und einige Nächte hier zu verbringen!

    Und jetzt du! Wenn du schon einmal in Portugal an der Algarve bist, dann schau definitiv in Lissabon vorbei! Allerdings muss dir klar sein, dass du in ein paar Stunden nicht annähernd einen umfassenden Eindruck dieser auf so viele Arten eindrucksvollen Metropole bekommst. Du kannst bestenfalls schon  einmal reinschnuppern, ein paar ausgewählte Spots auf dich wirken lassen um dich anzufixen bald mit mehr Zeit zurückzukehren. Auf jeden Fall kann ein Tagestrip nach Lissabon eine mehr als gelungene Abwechslung während deines Urlaubs an der Algarve sein.

    Ach ja, kulinarisch haben wir uns leider auch etwas verrannt… Daher der abschließende Tipp, wenn du nicht grade viel Geld für wenig und vor allen Dingen langweiliges Essen ausgeben möchtest, meide die großen Prachtboulevards und informiere dich am besten vorher (online), falls du nach was Bestimmten suchst.

    Reisedaten

    Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

    Portugal:
    Reisezeit: September 2016
    Reisedauer: 10 Tage
    Unterkunftsart: Appartement

    geschrieben von Henrik

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  • Thumbnail - Roadtrip an der Algarve

    Roadtrip an der Algarve – 7 Stopps für einen Tag

    Einer der größten Ausflüge und prägendsten Erlebnisse in Portugal war unser Roadtrip an der Algarve. Wir haben uns vor Ort aufgrund der Länge der Strecke und des nur minimalen Preisunterschiedes gegen einen Roller bzw. ein Motorrad und für einen günstigen Kleinwagen, einen Nissan Micra, entschieden. Als Spontanentschlossene landeten wir direkt vor unserem Hotel-Komplex bei einer Europcar-Filiale. Das Angebot schien soweit okay. Erst später stellten wir fest, dass knapp 90€ für den einen Tag doch recht happig waren. Wir hatten einfach keinen Vergleich und wollten uns das in diesem Augenblick einfach mal gönnen. Die zu hinterlegende, enorm hohe Kaution von 1500€ erforderte im ersten Augenblick ein wenig Organisation unsererseits. Doch auch das klappte irgendwie, es war einfach das erste Mal eine Kreditkarte so zu nutzen. Wir waren noch jung und ungeübt…

    So machten wir uns eines Morgens nach dem Frühstück früh von unserer Basis in Alporchinhos auf, denn wir hatten einiges an Strecke vor uns. Zwar de facto nur mindestens 80km je Strecke bis an unser Ziel Cabo de São Vicente, aber je nach Weg und Stopps konnte das durchaus deutlich mehr werden. Einiges würden wir spontan entscheiden, wann wir wo wie lange bleiben und so weiter. Doch ein wenig hatten wir uns natürlich vorbereitet. Wir wollten unseren schönsten, einzigartigsten, atemberaubendsten Strand der Algarve küren, aber auch andere Punkte kamen auf unsere Liste. Folgende 7 Stopps haben wir uns unter anderem markiert, die wir dabei gezielt ansteuern wollten:

    Roadtrip an der Algarve - Karte Route

    1. Praia da Marinha

    Vormittags hatten wir uns, auch bedingt durch die Reihenfolge der Strecke, einige Strände rausgepickt, die uns lohnenswert erschienen. Der erste Halt auf unserer Strandtour war die nicht weit entfernte Praia da Marinha. Dort hielten wir schon nach 15min Fahrt, etwas mehr als eine Bucht von unserem Heimstrand Praia de Nossa Senhora da Rocha entfernt. Die Praia da Marinha ist circa 5km vom nächsten größeren Ort (Carvoeira) entfernt und inmitten der sogenannten Felsalgarve. So wird der Küstenabschnitt von Faro bis Sagres, also exakt dort, wo wir entlanggefahren sind, nämlich auch genannt. Genau wegen der felsigen Küste mit so schönen Buchten und Stränden, wie die Praia da Marinha. Dieser gehört zwar schon fast zu den etwas größeren Stränden, ist aber wirklich gleich ein ganz besonderer. Die von Erosion zerklüfteten Felsformationen in und um den Strand herum und das sagenhaft grün-türkis-blaue Wasser bilden eine einzigartige Kulisse.

    Kurz überlegten wir einfach den Tag hier zu chillen, aber wir hatten ja das Auto gemietet und noch einiges vor uns. Daher machten wir uns nach einem Erkundungsrundgang und einer ausgiebigen Fotosession relativ schnell wieder auf den Weg. Gleich der erste Strand war ein absoluter Volltreffer, welch ein Auftakt!

    Roadtrip an der Algarve - Praia da Marinha
    Roadtrip an der Algarve - Praia da Marinha2

    2. Benagil

    Benagil ist eines dieser typischen kleinen verschlafenen Fischerdörfchen, wie man sie in Portugal häufiger findet. Hier hat mittlerweile der Tourismus die Fischerei als Haupteinnahmequelle abgelöst und der Strand ist die berühmte Hauptattraktion des Dorfes. So war auch bei uns klar, es wurde nicht viel weiter gefahren, denn als nächstes war die Praia de Benagil an der Reihe. Hier erwartete uns ein absolutes Highlight, die sogenannte Benagil Cave. Unweit der Praia de Benagil legt die Ebbe eine Art Höhle, Grotte frei, mit einem kleinen Sandstrand zum Meer ohne sonstigen Zugang. Die Benagil Cave ist also nur über das Meer oder mit Abseilen von den Felsen zu erreichen. Mittlerweile ist sie ein bekanntes Ziel zahlreicher Algarve-Touristen sowie der Instagram Hotspot der Region. Heutzutage würden wir wahrscheinlich einfach alles in unseren wasserdichten Beutel packen und rüber schwimmen, aber damals gab es sowas noch nicht oder wir waren einfach noch nicht richtig vorbereitet für solche Aktionen. Auch ein Kanu zu mieten wäre eine Option gewesen, aber der Zeitfaktor hat auch mitgespielt. Einige Tage später würden wir diesen Spot auf einer Bootstour durch die Höhlen und Grotten der anliegenden Strände nachholen.

    Ansonsten lädt die Praia de Benagil absolut auch zum längeren Entspannen und Sonnenbaden ein. Hier waren wir kurz im Wasser, immer mit einem Auge auf unsere Sachen die herrenlos am Ufer lagen. Doch für den Moment blieb es ein kurzer Zwischenstopp und schon machten wir uns wieder auf zum nächsten Strand.

    Roadtrip an der Algarve - Benagil

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    3. Praia da Rocha

    An der Praia da Rocha erlebten wir dann ein kleines Abenteuer. Die Praia da Rocha steht schon dem Namen (rocha = Felsen) nach für die in der gesamten Region charakteristischen Felsen, welche die kleine Bucht mit ihrem feinen Sandstrand umschließen. Auf der rechten Seite entdeckten wir direkt am Felsen einen kleinen Pfad, kaum einen Meter breit, auf dem sich einige Mutige hinaus auf die Klippe wagten. Unten schlugen teils heftig die Wellen dagegen, doch je weiter man ging, schlängelte sich der Weg höher und höher an der Klippe entlang. Wirklich nicht ohne…Aufgrund des durchaus rutschigen Gesteins auch absolut nicht mit Flipflops zu empfehlen! Ein falscher Tritt, ein Abrutschen und es ginge 6-7m in die Tiefe – mit Glück ins Wasser, mit Pech auf Felsen. Dazu machte Hannah in so einer heiklen Situation auch ihre Höhenangst zu schaffen, weswegen der Spaßfaktor dann doch schnell kippte und wir uns sehr vorsichtig auf den Rückweg machten. Nach diesem Nervenkitzel legten wir uns in die mittlerweile pralle Mittagssonne, relaxten und ließen diese wirklich phänomenale Kulisse auf uns wirken. Der große Vorteil dieser kleinen Buchten, so von den felsigen Klippen umschlossen, ist nämlich auch, dass sie sehr windgeschützt sind. Das ist einerseits angenehm, aber andererseits ist dadurch Sonnenbaden hier schnell spürbar intensiver. Die Praia da Rocha ist absolut mehr als nur ein weiterer wunderbarer Strand. Hier sieht man die Felsalgarve wie aus dem Bilderbuch!

    Roadtrip an der Algarve - Praia da Rocha2
    Roadtrip an der Algarve - Praia da Rocha

    4. Alvor

    Der Roadtrip ging weiter…
    Alvor bietete uns nach den ganzen Stränden einen etwas anderen Flair. Hier spazierten wir durch das Städtchen, machten entspannt Mittagspause und gönnten uns in einem Café an der gepflasterten Flusspromenade kühle Erfrischungsgetränke. In Alvor mündet der gleichnamige Fluss ins Meer und so kann man wunderschön an einem der zahlreichen Cafés oder Restaurants am Flussufer speisen. Die Auswahl derer ist, durch den Tourismus bedingt, wirklich groß. Früher war Alvor ebenfalls ein Fischerdorf, aber heutzutage lebt dieses kleine dezente Städtchen mit lediglich 6000 Einwohnern hauptsächlich vom Tourismus. Nichtsdestotrotz sieht man noch die Überbleibsel aus anderen Zeiten und kann durch die typischen Gässchen mit Kopfsteinpflaster an den weiß getünchten Häuserfassaden vorbeischlendern.

    Alte Fischerboote liegen auch heute noch im Hafen, wenngleich sie kaum noch im großen Stile kommerziell genutzt werden. Auf einer Anhöhe können architektonisch oder historisch Interessierte hier auch die Pfarrkirche Igreja Martiz de Alvor aus dem 16. Jahrhundert begutachten. Wegen dieser Attraktionen und im Speziellen der zentralen Lage in der Mitte der Algarve ist Alvor eine beliebte Basis von der viele Touren und Ausflüge starten. Alvor ist mindestens ein Zwischenstopp wert, kann aber auch ideal als Basis und Haupturlaubsstätte deines Algarve-Urlaubs ausgewählt werden.

    Roadtrip an der Algarve - Alvor
    Roadtrip an der Algarve - Alvor2

    5. Ponta da Piedade

    Die „Spitze des Erbarmens“ oder der „Punkt der Frömmigkeit“ der steilen Landzunge unweit von Lagos bietet die wohl faszinierendsten Felsformationen der Algarve. Auf dem Plateau angekommen wirkt die Landschaft erstmal karg und öde, doch von hoch oben kann man hier herrlich umherwandern und hinunterblicken in die tiefen, zerklüfteten Schluchten. Rund 20m hoch bzw. aus unserer Perspektive eher tief, türmt sich diese Felsklippenlandschaft auf. Sie ist komplett natürlich über die Jahrhunderte gewachsen, ohne jegliche Baumaßnahmen durch Menschenhand entstanden. Wirklich verblüffend welch kunstvolle, teilweise sehr akkurate und doch fragil wirkende Felsgebilde von Mutter Erde hier kreiert wurden. Beeindruckend waren auch die verschiedenen Farben der Gesteinsschichten, umspielt von den Wellen des herrlich türkisblauen Wassers. Abermals konnten wir uns nicht satt sehen auf unserer kleinen Runde, die wir drehten.

    Wachsam solltest du trotzdem bleiben! Touristen, so sagt man hier, seien oftmals so fasziniert und vertieft in ihre Fotoaufnahmen, dass sie unachtsam werden und hinabstürzen. Einigen soll dies wohl schon das Leben gekostet haben. Auch gefährliche Felsrutsche kommen hier immer mal wieder vor. Bei uns in Deutschland wäre solch ein Ort definitiv ganz anders gesichert und nicht so frei zu erleben. So ist bei aller Vorsicht die Ponta da Piedade ein absolutes Muss und Highlight unseres Algarve-Urlaubs gewesen.

    Roadtrip an der Algarve - Ponta da Piedade

    6. Sagres

    Kurz vor dem Ziel unseres Roadtrips angekommen, stellt Sagres nicht nur das damals von uns liebgewonnene populärste Bier Portugals, sondern auch eine ansehnliche alte See-Festung aus dem 15. Jahrhundert auf einer steilen Klippe. Von hier aus hat man eine grandiose Aussicht und kann bereits herüber blicken auf den Cabo de São Vicente und seinen Leuchtturm. Auch die Festung an sich hat ihren Charme. Sie besteht aus einer massiven Festungsmauer und einigen mehr oder weniger gut erhaltenen Gebäuden im Inneren. Eine kleine Kirche, Ingreja de Nossa Senhora de Graca, ist noch mit am besten erhalten und auch begehbar. Generell kostet der Eintritt in die gesamte Festung, die ein Nationaldenkmal Portugals darstellt, überschaubare 5€. Innerhalb der Mauern erwartet dich auch ein Mysterium. Ein Steinkreis mit 43m Durchmesser, 1928 entdeckt, sorgt bis heute für Rätselraten unter den Historikern. Vielleicht eine Art Sonnenuhr? Für uns war es hier nach auf jeden Fall mal an der Zeit im Ort Sagres noch verspätet zu essen, bevor wir uns aufmachten zum letzten Abschnitt und Ziel unseres Roadtrips, dem Cabo de São Vicente.

    7. Cabo de São Vicente

    Und da war es, das Ende der Welt! Der Endpunkt unserer Tour war der südwestlichste Punkt Europas mit Ausblick auf Amerika. Gleichzeitig endet hier auch die Südküste Portugals und damit die Felsalgarve. Schroffe Klippen und karge Vegetation stellen sich an dieser steilen Küste den oftmals heranstürmenden Wassermassen des Atlantiks. Auch an Land stürmt es oft stark, aber dies unterstreicht nur das prägende Erlebnis, wenn man den weiten Horizont entlang schaut, an die Entdecker vergangener Tage und die geschlagenen Seeschlachten denkt. Ein Ort zum Wegträumen, Fernweh garantiert!

    In der Anlage vor Ort mit ihrem 24m hohen Leuchtturm, der das stärkste Leuchtfeuer Europas haben soll, gibt es unserer Meinung nach nicht so viel zu sehen. Zumindest nichts was unsere Aufmerksamkeit von diesem Ausblick hat ablenken können. Wir beobachteten noch einige Zeit die unendliche Weite und das Treiben der Wassermassen, bis es spät wurde und wir uns auf den langen Rückweg machen mussten. Anfangs quatschten wir und erzählten uns von den vielen Eindrücken des Tages, aber schnell übermannte uns auch die Erschöpfung und es wurde stiller. Nur ich am Steuer blieb natürlich aufmerksam, um uns sicher zurück zu bringen.

    Roadtrip an der Algarve - Cabo Sao Vicente2
    Und wieder zurück…

    Die etwas längere Rückfahrt ohne weitere Stopps verlief problemlos. Am Ende kamen wir zwar erschöpft, von den vielen Eindrücken des Tages, aber auch glücklich und zufrieden wieder in unserem Appartement an. Nicht ohne den Mietwagen, wie vereinbart, vorher wieder vollgetankt zu haben.

    Ein wohltuendes Gefühl von Stolz kam auf, was wir beide alleine zusammen auf die Beine gestellt hatten, ohne dass etwas schieflief. Und so ging ein einmaliger Tag bei einer Flasche Wein auf unserem Balkon zu Ende. Wir hatten echt viel gesehen, insbesondere die vielen schönen kleinen Buchten und feinen Strände umzäunt von harten, kantigen Felsen und schroffen Klippen, haben sich in unser Gedächtnis gebrannt. Auch die unendliche Weite des Atlantiks am Horizonts des Cabo de São Vicente, dem Ende der Welt, war sehr beeindruckend. Selbst geschossene, traumhafte Postkartenmotive in unserem Fotoalbum, die passenden Erinnerungen und das Gefühl eingebrannt in Herz und Hirn.

    Ach ja, zu unserem absoluten Lieblingsstrand der Felsalgarve wurde nach einhergehender Rekapitulation des Tages übrigens die PRAIA DA MARINHA gekürt.

    Roadtrip an der Algarve - Praia da Marinha4

    Unser Roadtrip entlang der Algarve war ein wirklich besonderes Erlebnis und ist bis heute in bester Erinnerung.  Und jetzt bist du dran, lerne aus unseren Fehlern und trau dich! Eine Tagestour mit dem Mietwagen ist ein guter erster Schritt um sich heranzutasten. Es muss nicht gleich die komplette Reise als Tour von Standort zu Standort zurückgelegt werden, auch wenn wir es heute vielleicht eher so machen würden…

    Reisedaten

    Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

    Portugal:
    Reisezeit: September 2016
    Reisedauer: 10 Tage
    Unterkunftsart: Appartement

    geschrieben von Henrik

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  • Thumbnail - Algarve - Schroffe Klippen an der Südküste Portugals

    Algarve – Schroffe Klippen an der Südküste Portugals

    Unsere Zeit an der Algarve in Portugal 2016 war unser erster eigener, frei geplanter und organisierter Urlaub. Ok, wir sind die 10 Tage in Armação de Pera an einem Standort geblieben und haben „lediglich“ Tagesausflüge geplant. Dabei haben wir aber Einiges auf eigene Faust unternommen sowie uns bis auf das Frühstück komplett selbstversorgt. Und das nicht schlecht! Tauche mit diesen Kurzbeiträgen in unsere Erinnerungen an Portugal 2016 ein, unsere jungen Reiseanfänge, was gut lief, was schlecht lief und außerdem wie uns Land, Leute, Kultur gefallen haben. Vielleicht geht ja dann dein nächster Trip nach Portugal!

    Algarve - Henrik Klippen
    Die Algarve – Im Süden Portugals

    Algarve wird die südliche Region Portugals rund um Faro genannt. Sie ist eine von sieben Regionen Portugals. Aufgrund ihres milden Klimas, der teils üppigen Vegetation, der wilden Landschaften und vor allen Dingen der kleinen Buchten und Strände zwischen den felsigen, schroffen Klippen der langen Küste, ist sie eine sehr beliebte Touristenregion geworden. Ob Natur, Kultur oder Partyurlaub – mittlerweile findet dort wohl jeder das für sich passende Angebot. Nichtsdestotrotz findet man hier auch immer noch kleine, einsame Spots: Ob in typischen Fischerdörfchen, in der weitläufigen Natur oder an den unendlich vielen kleinen und feinsandigen Stränden der Region. So wollten auch wir dort die gemeinsame Zeit, die uns damals noch nicht so alltäglich und selbstverständlich war, entsprechend für uns eher ruhig und erholsam genießen.

    Algarve - Sonnenuntergang
    Unsere Base in Armação de Pera

    Als Ort für unser Basislager wählten wir mit Armação de Pera, bewusst einen kleinen, beschaulichen Ort fern der touristischen Hochburgen der Algarve. Fernab von Partytrubel und Menschenmassen sollte uns dies Ruhe und Erholung bieten, um die gemeinsame Zeit bestmöglich zu genießen. Armação de Pera befindet sich geographisch zwischen den größeren, bekannteren Städten Albufeira und Portimão, circa eine ¾ Stunde vom Flughafen in Faro entfernt.

    Genauer gesagt in Alporchinhos (offiziell Porches) wählten wir für uns ein kleines Appartement, quasi eine kleine Wohnung mit eigener Küche, in einem größeren Hotelkomplex, dem Terrace Club (heute Be Smart Terrace Algarve). An unserem Appartement war absolut nichts auszusetzen, doch insgesamt wirkte das ganze Gelände schon etwas verlassen und verwahrlost. Wahrscheinlich in dem Fall die Ruhe nach dem Sturm, da wir doch deutlich nach der Hauptsaison vor Ort waren. Diesmal entschieden wir uns, entgegen bisheriger gemeinsamer Urlaube, bis auf das tägliche Frühstücksbuffet, uns komplett selber zu versorgen. Wir hatten ja eine Küche! Da vor Ort das Frühstück dann leider auch absolut nicht mit dem vielfältigen und reichhaltigen Frühstücksbuffet aus unserem Ägypten-Urlaub des Vorjahres mithalten konnte (es gab wirklich kaum Früchte oder Joghurt, Käse war auch rar und sogar das Rührei war aus Instantpulver…) mussten wir zur ordentlichen Versorgung umso mehr auf die umliegenden Supermärkte zurückgreifen.

    Algarve - Hannah am Strand
    Praia de Nossa Senhora da Rocha
    Praia de Nossa Senhora da Rocha
    Selbstversorgung und Umgebung

    Die günstige Selbstversorgung vor Ort war allerdings glücklicherweise kein Problem. Ob im großen Intermarché oder in den zahlreichen Mini-Mercados, die Auswahl an Lebensmitteln zu meist auch günstigeren oder zumindest gleichwertigen Preisen im Vergleich zu Deutschland ist definitiv ausreichend gegeben.

    Nur Käse, Milch und Joghurtprodukte sind wie in den meisten südeuropäischen Ländern schon deutlich teurer und nicht so vielfältig im Angebot. So kauften wir ein und bereiten uns unsere eigenen Snacks und Mahlzeiten in unserer Küche im Appartement zu.

    Ab und an gingen wir natürlich auch in eines der zahlreichen Restaurants lecker (und meist sehr günstig) essen. Vor Ort gibt es neben den landestypischen Restaurants, auch absolute kulinarische Vielfalt. Uns hat es zur Abwechslung beispielsweise ein authentisches indisches Restaurant angetan (New Delhi India). Außerdem ließen wir uns im Laufe der Tage natürlich insbesondere den einen oder anderen Wein schmecken.  Dringend zu empfehlen und gar nicht mal so teuer, wie man denken könnte! Wirklich guten portugiesischen Wein bekommt man in Restaurants ohne Probleme schon ab 8 bis 10€ die Flasche, im Supermarkt gar ab 3 bis 4€! Da der Wein dort als essentiell für das Leben angesehen ist, wird er lediglich mit einer Mehrwertsteuer von 13% statt der für Alkoholika üblichen 23% belastet.

    Im Speziellen, wenn du viel unterwegs sein wirst und nicht 24/7 im Hotel das All-Inclusive nutzt, trau dich und spare Geld mittels Selbstversorgung! Aber achte darauf, dich trotzdem ausreichend und abwechslungsreich zu versorgen und auch ausreichend zu trinken. Dies bedarf ein bisschen Übung und Anpassung, aber es lohnt sich, da du auch dir bis dato fremde Lebensmittel kennen und dir bekannte mehr schätzen lernst.

    Algarve - Hannah & Henrik am Strand
    Geschichten des Urlaubs – Von Sonnenbaden bis Tretbootfahren

    An vielen der wilden, kleinen Strände der Algarve waren wir fast für uns alleine. Dies mag damit zu tun haben, dass wir uns nicht unbedingt in den Touristenzentren aufhielten und es auch im September dort auch schon mal etwas frischer werden kann. Bei uns war es übrigens noch knackig warm und unseren Ansprüchen absolut genügend, wenn auch abends schnell recht kühl. Also sogar nach der Hauptsaison bis in den September ist die Algarve eine naheliegende Option. Definitiv war es in unserem Fall alles andere als überfüllt. Herrliche Ruhe und Idylle hat absolut einen Vorteil, aber die Action-Junkies in uns haben trotzdem nicht geschlafen. An den größeren Badestränden gibt es entsprechend Aktivitäten, die die Lust auf etwas Abenteuer befriedigen können.

    Wir mieteten uns ein Tretboot, um allein die stürmische See zu erobern und an einem anderen Tag machten wir eine geführte Bootstour um umliegende Strände, Grotten und felsige Klippen vom Wasser aus zu erkunden. Dazu badeten wir natürlich ausgiebig in der doch noch ganz schön warmen Sonne Portugals. Insbesondere unser „Hausstrand“ der Praia de Nossa Senhora da Rocha hatte es uns dabei wirklich angetan. Eine wunderschöne kleine Bucht, links und rechts von Felsen und Klippen umsäumt und ein feiner, kleiner Sandabschnitt mittig. Die Algarve wie aus dem Bilderbuch! Nichtsdestotrotz haben wir uns natürlich noch aufgemacht, um weitere schöne, idyllische Strände zu entdecken. Dafür buchten wir uns einen Mietwagen und machten uns auf den Weg entlang der Küste der Algarve…

    Algarve - Strand Senhora da Rocha
    Praia de Nossa Senhora da Rocha
    Algarve - Strand Senhora da Rocha1
    Praia de Nossa Senhora da Rocha
    Herrlich! Ehrlich?

    Natürlich ist auch in Portugal nicht alles Gold was glänzt, aber an diesem Urlaub gab es wirklich wenig auszusetzen. Es war teilweise noch richtig heiß und daher auch ein wunderschöner Badeurlaub an den beschrieben, wirklich besonderen Stränden entlang der Algarve. Aber eben nicht nur!

    Ein zu nennender Kritikpunkt war, wie schon erwähnt, die etwas karge Auswahl am Frühstücksbuffet. Insbesondere das Rührei (Instantpulver) war leider eine Enttäuschung. Aber wir waren ja im Urlaub und konnten uns durch die Selbstversorgung im Supermarkt einigermaßen Ersatz besorgen.

    Was unsere Ausflüge betrifft, hätte die Planung unsererseits besser sein können. Beispielsweise auf dem Tagesausflug nach Lissabon, wo wir deutlich mehr hätten mitnehmen können. Aber aus solchen Kinderkrankheiten haben wir gelernt und seitdem erkundigen wir uns im Vorhinein zielgerichteter auf unsere Wünsche und Vorstellungen. Zusammen evaluieren wir dann was realistisch und planbar ist in der Zeit, so dass wir nicht völlig plan- und ziellos durch die Stadt spazieren. Am schönsten ist es aber, wenn auch dafür mal Zeit bleibt!

    Übrigens ist in Portugal (wie in der Regel, wie wir nachher feststellten) ein Auto zu mieten als junge(r) Reisende(r) unter 23 Jahren, spontan vor Ort meistens gar nicht möglich. Diese grundsätzliche Regelung sorgte dafür, dass Hannah pro forma im Vorhinein zum Beifahrer degradiert wurde und ich alleinverantwortlich für den Wagen war. Seitdem schauen wir aber meist im Vorhinein, was für Angebote es vor Ort gibt und buchen online. Nicht nur bessere Preise, sondern individuelle Sondertarife oder benötigte Versicherungen für deine Tour im Urlaubsland stellen dich dann vor Ort nicht vor böse Überraschungen.

    Reisedaten

    Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

    Portugal:
    Reisezeit: September 2016
    Reisedauer: 10 Tage
    Unterkunftsart: Appartement

    geschrieben von Henrik

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  • Thumbnail - Fahrradtour durchs Rheinland

    Heimat-Safari – Eine Fahrradtour durchs Rheinland

    „Mein Arsch tut weh! Niemals mache ich so einen Triathlon, also Fahrradfahren ist echt nichts für mich“.

    (Hannah, 07.05.2020, irgendwann ab 85km)

    Hannah sah man die Schmerzen an auf diesen letzten Kilometern Kampf, einer Tour, die locker schien, aber durch ihre schiere Länge uns schließlich doch ungewohnte Belastungen bescherte.

    An diesen Tagen läuft alles anders als ursprünglich geplant. Eigentlich würden wir aus Südafrika grüßen und die Safari unseres Lebens erleben. Doch Covid-19 hat auch uns einen Strich durch die Rechnung gemacht und so berichten wir an dieser Stelle nicht von Kapstadt, der Garden Route oder einem der Nationalparks, die wir uns ausgeguckt hatten, sondern von einem ganz anderen Abenteuer: Eine Fahrradtour aus dem Westen von Köln den Rhein entlang bis nach Bonn – unsere Heimat-Safari! Das ganze hin und zurück natürlich, an einem Tag. Die Mittagspause war bei meinen Eltern in Bonn angedacht. Alles in allem rechneten wir insgesamt mit rund 75-80 km, je nach gefahrener Strecke.

    Hört sich erstmal nicht so spektakulär an, aber lies selbst warum diese recht spontane Tour für uns trotzdem zu einem besonders prägenden Erlebnis wurde.

    Fahrradtour durchs Rheinland - Rheinufer2
    Ausrüstung – Bikes, Equipment & Proviant
    Unsere Fahrräder

    Am Tag zuvor hatten wir schon einmal grob geguckt, ob unsere Räder fit waren und eine kleine Testrunde zum Einkaufen gedreht. Ansonsten sind wir recht spontan (im Nachhinein vielleicht etwas naiv) an die Sache herangegangen. Hannah besitzt ein stabiles Trekking-Rad, mit dem sie normalerweise jeden Tag zur Arbeit düst und ich habe ein recht großes, robustes, aber auch schweres Mountainbike. Generell natürlich nicht die schnellsten Räder für so eine Tour, aber wir hatten uns auch bewusst gesagt, es solle eine schöne Tour werden und wir wollten kein Wettrennen daraus machen. Also ein paar Schrauben angezogen, Reifendruck gecheckt und die Räder waren bereit. Mussten wir nur noch unseren Rucksack packen…

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    Equipment

    Hannah war dabei für Kamera und dazugehöriges Equipment verantwortlich, denn sie wollte im Laufe der Tour ein paar Foto-Stopps einstreuen, um einige neue Sachen mit ihrer Kamera auszuprobieren. Unter anderem ein neues Stativ und mehrere Filter (UV-Filter, ND-Filter und ein Polfilter) wanderten dazu in ihr Gepäck. Dafür nutzte sie die folgenden Produkte, die wir an dieser Stelle gerne weiterempfehlen würden.

    Blieb noch die Frage nach der Kleidung. Speziell morgens beim Start gegen 10 Uhr war es gerade im Schatten doch recht frisch. Daher entschieden wir uns spontan noch dafür, ein leichtes Jäckchen drüber zu werfen. Eine gute Wahl, gerade für die erste Stunde, da es zwischen den Bäumen auf der Strecke recht oft schattig war. Ansonsten haben wir uns den Temperaturen entsprechend für kurze Hose und später dann auch T-Shirt sowie feste, sportliche, aber auch gemütliche Schuhe entschieden. Wir waren/sind leider weder in Besitz von speziellen Radlerhosen noch sonstigem besonderen Equipment. Und dies sollten wir später auch noch zu spüren bekommen…

    Verpflegung

    Ich kümmerte mich um Proviant. Insbesondere genügend Wasser, Obst und Riegel für die Aufrechterhaltung der notwendigen Power im Sattel. Aber auch nicht zu viel, denn Mittagessen war schließlich in Bonn geplant und Wasser würden wir dort selbstverständlich auch wieder auffüllen können.

    Start & Ziel – Die Route

    Startpunkt war unsere gemeinsame Wohnung im äußersten Westen Kölns. Von dort sind es alleine schon gut 10km bis ans Kölner Rheinufer. Am Rhein angelangt, wollten wir dann einfach am Ufer entlang bis nach Bonn – Beuel zum Haus meiner Eltern. Wir kalkulierten grob mit weiteren 25 bis 30km. Aber es gab natürlich eine Vielzahl an verschiedenen Möglichkeiten: Rechts- oder linksrheinisch am Ufer entlang, möglichst direkt und gerade gen Süden oder jeden Schlenker des Rheins mitnehmen?

    Wir ließen ganz bewusst, durch einige Unklarheiten, Platz für Spontanität und planten die Strecke nicht bis ins letzte Detail. Wichtig war uns eher, dass es nicht einfach nur am Rhein entlang nach Bonn, sondern wirklich auch hauptsächlich durch die Natur, durchs Grüne ging. Um es vorwegzunehmen, dies ist uns echt gut gelungen, auch wenn die Fahrradtour dadurch ein ganz klein wenig ausartete. Hier findest du die Route, die sich im Nachhinein so ergab:

    Fahrradtour durchs Rheinland - Karte

    Ach ja, kurz vor dem Start fiel uns noch ein, dass wir gar kein Flickzeug parat hatten. Also bei einem kaputten Reifen, einem Platten wären wir komplett aufgeschmissen gewesen. Na ja, wird schon nichts passieren. Auf geht’s!

    On the road – Der Hinweg

    So machten wir uns auf den Weg aus dem Kölner Westen, hin zum Geißbockheim, rein in den äußeren Grüngürtel um dann irgendwo am Rheinufer rauszukommen. Wir starteten schwungvoll, es war aber auch durch unzählige Laufrunden bekanntes Terrain. Und als wir das Geißbockheim, die Trainingsstätte vom 1.FC Köln, hinter uns ließen, haben wir uns prompt einmal vom abbiegenden Weg falsch leiten lassen.  Fast wären wir jenseits der Autobahn in Hürth gelandet. Daher mussten wir knapp 1km korrigieren und richtig zurückfinden, parallel dem Militärring folgen bis zum Südkreisel. Solche Kleinigkeiten sollten uns noch 1-2 Mal auf der langen Strecke passieren, aber das war nun wirklich nicht der Rede wert.

    Raus kamen wir am Südkreisel, dem Endpunkt der AB555. Dort mussten wir einmal rüber Richtung Rheinufer; das war es dann aber auch schon wieder mit Autoverkehr und großen Straßen. Wir blieben hauptsächlich bei echt schönen Radwegen im Grünen. So erreichten wir in Rodenkirchen, kurz vor der Autobahnbrücke, das Rheinufer und standen vor der ersten schwierigen Entscheidung. Sollten wir auf dieser, der linken Seite vom Rheinufer bleiben oder die Brücke nutzen und anschließend komplett rechtsrheinisch den Rhein entlang bis Bonn-Beuel? …

    1. Stopp: Rheinufer Poll

    Wir entschieden uns für die rechtsrheinische Seite und machten am Ufer des Rheines eine erste Trink- und insbesondere Fotopause. Hannah wollte mit längeren Verschlusszeiten experimentieren, wofür sich das fließende Wasser des Rheins anbot. Nach einer guten halben Stunde machten wir uns wieder auf, im Glauben schon fast die Hälfte des Hinweges geschafft zu haben.

    Fahrradtour durchs Rheinland - Rheinufer
    Rheinufer Poll - Fotografiert mit ND-Filter

    Die Strecke sollte uns über Porz, Zündorf, Ranzel, Niederkassel und Mondorf bis nach Bonn-Beuel führen. Eine wirklich herrliche Strecke am Rhein entlang, schön grün und bis auf ganz wenige Ausnahmen auch super Radwege. Nur einen Punkt hatten wir unterschätzt. Doch nah am Rhein nahmen wir so ziemlich jede Biegung mit und auf diese Weise wurden aus geplanten maximal 40km doch schlappe 48km. Und das war ja erst der Hinweg. Würden wir das auch nochmal schaffen?

    Ankunft in Bonn – Die Halbzeitpause

    In Bonn angekommen erfreuten wir uns daran, vom Sattel aufstehen zu können und erstmal nicht sitzen zu müssen. Das Mittagessen und die Ruhe gaben uns die Möglichkeit um für den Rückweg zu regenerieren. Auch wenn dein Elternhaus nicht in Bonn steht, bietet die ehemalige Hauptstadt natürlich diverse Möglichkeiten für einen längeren Halt. Mein Vater bot uns noch an, er könne uns auch wieder nach Hause fahren, wenn es zu viel wird. „Das ist doch Quatsch!“, dachten wir uns. Das konnten wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen. Wir machten uns nach ca. 2 Stunden Pause wieder höchst motiviert auf den Rückweg. Aber der Popo schmerzte schon ein wenig, als wir uns wieder auf den Sattel schwangen…

    Back on the road – Der Rückweg

    Voller Elan ging es dann, weil wir uns jetzt auskannten und die Strecke wirklich herrlich war, möglichst exakt denselben Weg zurück. Doch wie auf dem Hinweg auch schon, nur an anderer Stelle, verpassten wir auch auf dieser Strecke wieder eine kleine Ausfahrt und mussten einen guten Kilometer doppelt fahren. Generell wussten wir diesmal auch immer wie viel noch vor uns lag. Entsprechend wurden die Kräfte eingeteilt und die Pausen geplant. Nichtsdestotrotz entdeckte ich bereits ziemlich am Anfang des Rückweges diesen Spot, wo wir quasi eine spontane Fotopause einlegen mussten:

    2. Stopp: Rheidter Werdt 
    Fahrradtour durchs Rheinland - See1
    Rheidter Werdt - Fotografiert mit Gegenlichtblende und hoher Blendenöffnung
    Rheidter Werdt - Fotografiert mit Gegenlichtblende und geringerer Blendenöffnung
    3. Stopp: Zündorf

    Anschließend zogen wir dann zügig durch. 16 Uhr…17 Uhr…es würde doch später werden als gedacht. Es war warmes, sonniges Wetter und so belohnten wir uns am Zündorfer Rheinufer, wo wir bereits deutlich mehr als die Hälfte der Rückfahrt geschafft hatten, mit einem kühlen Bierchen in der Sonne. Hier war es auch schon wieder richtiggehend voll. Die aktuellen Umstände der Corona Pandemie hatten wohl nicht nur wir für den Moment vergessen können. Ja, die Menschen genossen das wahrlich schöne Wetter. Und alles, wirklich alles war voll von herumfliegenden Pollen.

    Na ja, nicht lange aufgehalten, bisschen Strecke hatten wir ja noch vor uns. Also wieder aufs Bike geschwungen, die letzten Kilometer abreißen. Und die wurden hart, also spätestens ab Kilometer 90 war dann auch der letzte Spaß vergangen.  Es wurde unangenehm. Wir sind als Läufer zwar durchaus solche Einheiten gewöhnt, aber das Fahrrad war dann doch nochmal eine neue, ungewohnte Belastung. Auf diesen letzten Metern, auch die Stimmung war mittlerweile etwas strapaziert, kam es dann zum eingangs erwähnten Zitat von Hannah. Doch wir fuhren weiter und weiter…

    Endlich am Ziel „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt“

    Siehe da, ohne weitere Vorkommnisse kämpften wir uns bis nach Hause. Wir hatten es wirklich geschafft, aber es war doch deutlich mehr als gedacht. Ganze 96km waren es am Ende. Erst langsam kippte die Stimmung um. Wir empfanden Glück und Stolz, doch unsere Macken würden wir bestimmt noch ein paar Tage spüren. Ein außergewöhnlicher Tag ging zu Ende. Ein Tag, den wir gemeinsam in dieser Art wahrscheinlich sonst niemals erlebt hätten. Ein Abenteuer vor der eigenen Haustür! Unsere Heimat-Safari!

    Herrlich! Ehrlich?

    Auch an dieser Stelle müssen wir ehrlich sein. Es war tatsächlich kein Zuckerschlecken, aus dem Stegreif mal eben gleich eine solche Strecke zurückzulegen. Als Läufer sind wir ja trainiert, aber auf dem Fahrrad? … Ja, wir haben es natürlich gleich etwas übertrieben, irgendwann gab es halt kein Zurück mehr. Aus ursprünglich angedachten 36km pro Strecke wurden 40km, wurden 48km. Hin und zurück! Ohne professionelle Ausrüstung und ohne Gewohnheit tut da automatisch irgendwann der Popo weh. Insbesondere die Druckstellen am Gesäß hatten durchaus das Niveau kleinerer Hämatome! Aber so war das Erlebte, die gemachte gemeinsame Erfahrung doch umso prägender.

    Fahrradtour durchs Rheinland - Bike
    Fazit

    Hat es wirklich diese Umstände gebraucht, damit wir an freien Tagen mal nicht aus unserem direkten Umfeld flüchten, sondern direkt vor der Haustür in ein Abenteuer starten? Auf jeden Fall haben wir so einen ganz besonderen, wirklich schönen gemeinsamen Tag erlebt. Mal wieder ganz neue Wege betreten, sich selber und als Team mehr kennengelernt und schließlich gemeinsam etwas geschafft, auf das wir immer zurückblicken können. Lern du doch auch einfach mal auf einer Fahrradtour deine unmittelbare Umgebung kennen. Erkunde unbekannte Ecken und power dich dabei so richtig aus. Wir können es nur empfehlen!

    Ablenkung von der Corona-Pandemie

    Mit diesem Beitrag nehmen wir an der Blogparade von Lisa-Marie-Travel teil!

    Reisedaten

    Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

    Rheinland:

    Reisezeit: Mai 2020
    Reisedauer: 1 Tag

    geschrieben von Henrik

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  • Thumbnail - 7 Reisetipps für Kenia

    Into the Wild – Unsere 7 Reisetipps für Kenia

    Du wolltest schon immer mal die afrikanische Wildnis erkunden? Löwen, Elefanten und Zebras auf einer Safari hautnah erleben? Du träumst von malerischen Traumständen, türkisblauem Wasser und herrlicher Entspannung? Dann auf nach Kenia! Das Land an der Ostküste Afrikas eignet sich perfekt für eine einzigartige Kombinationsreise. Selten haben wir eine derart vielseitige Reise erlebt. In diesem Beitrag haben wir dir einige Anregungen und Ratschläge zusammengestellt, wie auch du deiner Traumreise nach Kenia näherkommen kannst. Hier sind unsere 7 Reisetipps für Kenia!

    Reisetipps für Kenia - Finde deine Balance

    Tipp #1 – Finde deine Balance!

    Eine Kombination lebt stets vom richtigen Verhältnis. Und das richtige Verhältnis kannst nur du für dich selbst finden.

    Um aus deiner Kenia-Reise das Beste herauszuholen, solltest du deinen Weg zwischen Individual- und Pauschalreise finden. Infrastrukturell ist Kenia für Backpacker bei Weitem kein Eldorado. Wir empfehlen an dieser Stelle ein Mindestmaß an „pauschaler“ Organisation. Für unsere Unterkunft an der Küste haben wir auf eine Pauschalreise gesetzt und die für uns passende 3-tägige Safari in einem lokal ansässigen kleinen Lädchen gebucht. In die meisten Nationalparks in Kenia kommt man ohne Ranger nämlich gar nicht rein.

    Ebenso gilt es deine Balance zwischen entspanntem Strandurlaub und abenteuerlicher Safari zu finden. An einem Tag kannst du zwar schon Einiges entdecken, aber wenn du wirklich einen intensiven Eindruck von der afrikanischen Wildnis haben möchtest, solltest du mindestens eine Übernachtung einplanen. Im krassen Gegensatz dazu, kannst du natürlich auch deine ganze Reise mit Safaris füllen – genug Parks und Orte gibt es. Welche Möglichkeiten es dazwischen gibt, erfährst du im nächsten Schritt.

    Reisetipps für Kenia - Wie viel Safari geht bei dir

    Tipp #2 – Wie viel Safari geht bei dir?!

    Kenia beheimatet robuste Populationen diverser afrikanischer Tierarten und bietet mit gut organisierten und geschützten Nationalparks perfekte Voraussetzungen für eine Safari. Dein Erlebnis ist abhängig von Zeit, Budget und deinem Bedürfnis für die Big Five*. Wir möchten dir hier kurz und knapp 3 exemplarische Optionen vorstellen:

    • Jeep Safari über 2 Tage (Tsavo East und Tsavo West)
    • Jeep Safari über 3 Tage (Tsavo East und Amboseli)
    • Jeep Safari über 4 Tage per Flug (Masai Mara)

    Alle genannten Safari-Touren starten in dieser Länge von den Urlaubsorten an der Küste ober- oder unterhalb von Mombasa. Die Preise sind logischerweise aufsteigend, die Spannung vermutlich auch. Denn die Masai Mara gilt als Teil der Seregenti und der jährlichen Gnu-Wanderung als das Non-Plus-Ultra. Allerdings ist diese nur per Flug von der Küste aus zu erreichen. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden, was unsere perfekte Balance war. Für die nächste Reise steht definitiv die Masai Mara auf dem Programm – Safari für Fortgeschrittene!

    * Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard
    Reisetipps für Kenia - Passende Base

    Tipp #3 – Entscheide dich für eine passende Base!

    Für einen Strandurlaub mit Safari wird die quirlige Stadt Mombasa dein Tor nach Ostafrika sein. Kenia liegt am indischen Ozean und hat wirklich überraschend traumhafte Sandstrände. Deine Vorstellung von Strandurlaub und Entspannung solltest du bei der Wahl der Küste unbedingt in Erwägung ziehen.

    Am Küstenabschnitt nördlich von Mombasa sind die Gezeiten von Ebbe und Flut stärker. Gut für Spaziergänger, weniger gut für Badenixen. Partymäuse kommen hier auch auf ihre Kosten. Die Orte der Nordküste, wie z.B. Bamburi Beach und Watamu, sind wesentlich belebter als die im Süden.

    Gen Süden solltest du dich orientieren, wenn du, wie wir, eher die Ruhe bevorzugst. Auch hier bewegt sich das Wasser zwischen Ebbe und Flut, aber offenbar nicht ganz so ausgeprägt. An der Südküste liegen beispielsweise Diani Beach, Galu Beach und Tiwi Beach.

    Reisetipps für Kenia - Buche vor Ort

    Tipp #4 – Sei spontan und buche vor Ort!

    Wenn du dich für eine ähnliche Kombinationsreise wie wir entscheidest, es dir zeitlich möglich ist und du Geld sparen möchtest, raten wir dir zur spontanen Safari-Buchung vor Ort. Verfügbare Online-Angebote von Reisebüros mit Individualreisen finden sich zumeist im hochklassigen Tourismusbereich wieder. Für eine ausführliche und längere Safari kann eine Vorabbuchung über das Internet wiederum die bessere Variante sein. Es gibt in den Badeorten an der Küste Kenias einige lokale Reisebüros, die 1-Tages- bis 4-Tages-Safaris anbieten. Für eine 3-Tages-Safari haben wir gut verhandelt pro Person rund 250€ bezahlt. Dafür sind während dieser Zeit keine weiteren Kosten für uns entstanden, außer für besondere Getränke wie Bier oder Wein. Und natürlich Souvenirs.

    Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Es lief alles reibungslos und zuverlässig ab. Allerdings möchten wir hier nicht pauschalisieren und davon ausgehen, dass dies immer so ist. Informiere dich vorher über die lokale Agentur, beispielsweise auf Tripadvisor. Für den Fall, dass du dir unsicher bist und auf eine deutsche Reiseleitung Wert legst, kannst du auch auf die Angebote deines Reiseveranstalters im Hotel zurückgreifen oder dich hier bei GetYourGuide für deine perfekte Safari entscheiden.

    Reisetipps für Kenia - Lass dich drauf ein

    Tipp #5 – Bleib geduldig und lass dich drauf ein!

    Erwarte nicht, dass dir direkt eine Löwenfamilie in Fotopose begegnet, wenn du das Hotel verlässt. Die afrikanischen Tiere gehen, ebenso wie wir Menschen, ihren alltäglichen Aufgaben nach. Dazu gehört naturgemäß nicht das Modeln für Touristen. Einige der dort lebenden Tierarten sind zudem gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

    Warte ab, halte die Augen auf, schärfe deine Sinne. Gerade dies macht eine Safari doch so spannend! Sei nicht enttäuscht, wenn du nicht das Motiv bekommst, was du dir vorher monatelang ausgemalt hast. Konzentriere dich auf das Gefühl, schätze wert, was du gerade erlebst. Und freue dich umso mehr, falls du dann doch das Foto deines Lebens schießen kannst! Die ersten von dir gesichteten Tiere sind etwas ganz Besonderes. Diesen Moment kann dir keiner nehmen. Du realisierst, dass es Löwen, Elefanten, Giraffen, Zebras und Warzenschweine nicht nur im Zoo oder bei König der Löwen gibt. Leg auch mal die Kamera zur Seite, beobachte still und sauge auf. Für uns definitiv eines der intensivsten Lebensgefühle!

    Reisetipps für Kenia - Diese Dinge solltest du dabeihaben

    Tipp #6 – Diese Dinge solltest du dabeihaben!

    Sonnencreme, Kamera und Händedesinfektion kannst du dir wahrscheinlich denken. Wir möchten dir abschließend ein paar wertvolle Packutensilien mit auf den Weg geben, die vielleicht nicht direkt und spontan in den Rucksack wandern.

    Dünnes Multifunktionstuch

    In den Parks und auf den Straßen Kenias ist es häufig sehr sehr staubig. Bei offenem Fenster oder Dach des Safari-Vans bist du ganz schnell eingepudert wie ein Kuchen. Schütze deine Atemwege.

    Kleingeld und Süßigkeiten

    Auf dem Weg wirst du in einigen Dörfern armen Menschen am Straßenrand begegnen, die sich über eine kleine Aufmerksamkeit freuen. Teilweise hatten wir das beklemmende Gefühl, wir seien Royals, als uns die Kinder fröhlich zuwinkten und die Erwachsenen mit großen Augen musterten. Als ernährungsbewusste Touristen hatten wir lediglich ¼ Packung zuckerfreier Kekse dabei. Als uns der Ranger erzählte, dass die Kinder immer „Sweeets!“ rufen und uns die Gelegenheit gab etwas abzugeben, sind wir in Scham fast versunken. Das kann man besser machen.

    Sweatshirt-Jacke

    Die Dunkelheit bricht recht schnell ein. Schnell wird es verhältnismäßig kühl, wenn du dich noch auf der Außenanlage der Lodge aufhältst oder morgens um 5 Uhr zur ersten Pirschfahrt aufmachst.

    Reisetipps für Kenia - Mombasa Express

    Tipp #7 – Keine Angst vorm Mombasa-Express!

    Eine dicke schwarze Raupe mit feuerroten Füßen kriecht entlang. Dieses ach so wunderschöne Exemplar Insekt wird vermutlich auch dir an Küste über den Weg laufen. Die Einheimischen nennen es liebevoll „Mombasa-Express“. Auch wenn die weniger schnellen Insekten-Züge verdammt eklig aussehen und nachts unterm Moskitonetz für Alpträume sorgen, brauchst du keine Angst haben. Sie sind nicht giftig!

    Also – auf nach Kenia!

    Wenn wir es geschafft haben, dich mit diesen Tipps zu überzeugen, kannst du dich hier von unseren Kenia-Reiseberichten inspirieren lassen. Reise mit uns zurück in den Tsavo East Nationalpark und den Amboseli Nationalpark oder sieh dir unseren Artikel im Shakebox-Magazin an!

    Reisedaten

    Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

    Kenia
    Reisezeit: September/Oktober 2018
    Reisedauer: 12 Tage
    Unterkunftsart: 4*-Hotel Galu Beach

    geschrieben von Hannah

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  • Thumbnail - Amboseli Nationalpark

    Amboseli Nationalpark – Am Fuße des „Kilis“

    Die Zeltwände bebten. Alle 5 Sekunden wurden unsere Einschlafversuche durch einen lauten Knall unterbrochen. Es war sehr windig am Fuße des Kilimanjaros nahe der Grenze zu Tansania. Zumindest hielten wir permanent an dem Gedanken fest, dass es hier nur der Wind war, der durch die Savanne jagte. Ein weiterer Knall gegen den Kopf unseres Bettes ließ uns aufschrecken. Wir griffen unter der Bettdecke unsere Hände. „Meinst du, das ist wirklich ein wildes Tier?“, flüsterte ich rüber zu meiner Mama. Vermutlich nur das Schlagen der Zeltwand gegen das Holz. Wir schliefen ein. Willkommen im Amboseli Nationalpark!

    Amboseli Nationalpark - Sonnenuntergang
    Die Reise geht weiter – Ankunft im Amboseli Nationalpark

    Die rote Erde des Tsavo East Nationalparks haben wir am Morgen des zweiten Safari-Tages hinter uns gelassen. Vor uns lag eine lange Fahrt von rund 380km. Dank der gutausgebauten Straßen in Richtung der kenianischen Hauptstadt Nairobi, wurden wir diesmal nicht wie ein Cocktail durchgeschüttelt. Bis in den Nachmittag hinein brauchten wir trotzdem. „Look – Tanzania is right over there!“, rief uns unser Ranger vom Steuer aus nach hinten. Wir befanden uns lediglich 11km von der Grenze entfernt. Unsere Verschlafenheit von der kurzen vergangenen Nacht hatten wir spätestens im Griff, als ein gewaltiges Bergmassiv im Vorbeifahren hinter der Fensterscheibe zum Vorschein kam – der Kilimanjaro! Wir sind da…

    Amboseli Nationalpark - Kili
    Von der Lodge ins Zelt

    WHAT!? Das ist das Zelt?

    Wie du in unserem letzten Beitrag Tsavo East Nationalpark – Die rote Erde erfahren hast, waren wir vom Standard der dortigen Lodge erstaunt. Erfreut über den unerwarteten Luxus, gespalten bezüglich der gesellschaftlichen Hintergründe. Mit der Fahrt zum Amboseli Nationalpark wussten wir, dass wir die kommende Nacht in einem Zelt übernachten werden. Die leidenschaftlichen Camper sind wir beide nun wirklich nicht. Der Mann im lokalen Reisebüro versicherte uns mehrfach, obwohl wir mehr als bereit waren für dieses Erlebnis einen geringen Standard in Kauf zu nehmen, dass es sich dort um komfortable Zelte handeln würde.

    Und das Adjektiv komfortabel traf in diesem Zusammenhang für uns mal so was von zu. Unser Zelt im Kilima Safari Camp hatte sogar ein größeres Badezimmer als ich es von Zuhause gewohnt war. Man würde nicht meinen, dass man sich tatsächlich in einem Zelt befindet. Zwei große Betten inkl. Moskitonetzen gehörten ebenso zur Ausstattung. Aber doch, allerspätestens in der Nacht als der Wind sein Unheil trieb, wurde einem der Begriff Zelt wieder in den Sinn gerufen.

    Amboseli Nationalpark - Zelt
    Der Kilimanjaro und die Vegetation

    Die staubtrockene rote Steppe hatten wir nicht nur geografisch hinter uns gelassen. Trotz der Tatsache, dass sich der höchste Berg Afrikas auf tansanischem Gebiet befindet, hat der Kilimanjaro doch einen enormen Einfluss auf das Wetter in der ganzen weiteren Umgebung. Auch wenn es auf 1.200m über dem Meeresspiegel tagsüber sehr heiß und trocken werden kann, so sorgt der Amboseli-See und der schneebedeckte Kibo (5.895m), der höchste Gipfel des Kilimanjaros, für eine saftig grüne Vegetation. Dies steht natürlich in Abhängigkeit von der Reisezeit und der Region innerhalb des Parks.

    Amboseli Nationalpark - Elefant

    Im Laufe eines Game Drives (Pirschfahrt) kann sich das saftige Grün lokal nämlich auch in trockenere Szenerie verwandeln. Zwischendurch passiert man Sümpfe und Akazien. Im Vergleich zum Tsavo East Nationalpark wirkt der Amboseli Nationalpark weitläufiger, freier und offener. Und dies, obwohl der Amboseli Nationalpark flächenmäßig wesentlich kleiner ist.

    Die Tierwelt im Amboseli Nationalpark

    Unser erster Game Drive stand an. Im Gegensatz zum Vortag mussten wir diesmal nicht lange auf die ersten wilden Tiere warten. Schnell liefen uns die ersten grauen Riesen über den Weg. Auch beim Erscheinungsbild der Elefanten könnte sich der Amboseli Nationalpark nicht stärker vom Tsavo East Nationalpark unterscheiden. Während die trockene, rote Erde im Tsavo East für einen rötlichen Schimmer sorgt, warten die Elefanten im Amboseli Nationalpark im „klassischen“ edlen Grau auf dich. Es leben dort über 900 Elefanten, was für einen Park dieser Größe eine enorme Zahl ist.

    Amboseli Nationalpark - Elefant 2

    Warum? Der Amboseli Nationalpark liegt (noch) komplett in den Händen der Massai. Die kenianische Volksgruppe der Massai schützt ihre Gebiete vehement gegen Wilderer, wodurch der Erhalt und die Fortpflanzung der afrikanischen Riesen gesichert ist.

    Amboseli Nationalpark - Zebra

    Auf unseren insgesamt zwei Game Drives haben wir eine Vielzahl verschiedenster wilder Tiere beobachten können. Neben dem interessanten Sozialverhalten der beeindruckenden Elefanten, hat uns auch das Miteinander der zahlreichen Zebras gefesselt. Bleibt ein Zebra ruckartig stehen, so tut es ihm die gesamte Herde gleich. Ist ein Zebra in Aufruhr, überträgt sich dies auf die gesamte Gruppe.

    Amboseli Nationalpark - Gnus
    Amboseli Nationalpark - Giraffe

    Auch die Freunde der Zebras, die Giraffen und die Gnus, durften wir in beachtlicher Präsenz kennenlernen. Insbesondere in oder um die Sümpfe hast du ebenso eine sehr gute Chance auf grasende oder badende Hippos zu treffen. Rar, aber da waren darüber hinaus Hyänen und Löwen. Schwer zu beobachten, aber jeweils ein Tier konnten wir, wenn auch gut getarnt und weit entfernt, vor die Linse bekommen. Die Vielfalt im Amboseli Nationalpark ist wirklich enorm. Vom Vogelstrauß, über Impalas und diverse Gazellenarten bis hin zu Massen an Affen. Wir konnten uns über mangelnde Beobachtungsziele wirklich nicht beklagen. Sogar Flamingos konnten wir am See bestaunen.

    Amboseli Nationalpark - Hippo
    Amboseli Nationalpark - Flamingos
    Asante sana, Kenya!

    Für uns hieß es nun Rückfahrt. Und die ging lange. Nach unserer Nacht im Zelt und erneutem sehr frühen Aufstehen traten wir bereits jetzt den Rückweg Richtung Küste an. Knapp 8 Stunden sollte die Fahrt dauern. Vorbei an kleinen Dörfern, rennenden und strahlenden Kindern in Schuluniform und Herden von kreuzenden Rindern, bekamen wir nochmals einen intensiven Eindruck des afrikanischen Lebens. Wir waren erschöpft. Erschöpft von der diesmal unfassbar holprigen Fahrt, verstaubter Haut, wenig Schlaf und den unvergesslichen Eindrücken.

    Asante sana – DANKE Kenia für die tollen Erinnerungen, die du uns geschenkt hast!

    Amboseli Nationalpark - Löwin
    Amboseli Nationalpark - Hyäne
    Herrlich! Ehrlich?

    Trotz aller Dankbarkeit, mischten sich in unserem Unterbewusstsein auch andere, negativere Gefühle bei. Wie bereits im letzten Artikel beschrieben, zerriss uns der Gedanke ein wenig, dass wir einem sehr armen Land auf gewisse Art und Weise wertvolle Ressourcen rauben. So luxuriös, wie die „Zeltlager“ oder Lodges in den Nationalparks sind, sind teils nicht mal unsere ausgewählten Hotels. Wieso haben wir das Privileg für eine Übernachtung, die für uns eigentlich nur zweckmäßig sein sollte, einen Pool zur Verfügung zu haben, wenn die Einheimischen nicht einmal sauberes und fließendes Wasser haben? Es war irgendwie ein Gefühl von Scham, dass wir dies alles geboten bekamen, obwohl wir nicht einmal danach fragten.

    Da wir nur für eine kurze Zeit dort waren, können wir es uns nicht anmaßen, Verurteilungen auszusprechen. Es mag sein, dass Betriebe in dieser Art trotz allem nachhaltig arbeiten und den Tierschutz auch mit unterstützen. Und schließlich entsteht dadurch auch die Chance, Menschen aus aller Welt den immensen Wert unseres Planeten nahezubringen und vielleicht auch zu sensibilisieren.

    Auf den Besuch in einem Massai-Dorf verzichteten wir unter anderem aus den genannten Gründen. Im eigentlichen Sinne möchten wir keine Touristen sein, die Einheimische dafür bezahlen, damit sie sich uns zur Schau stellen müssen. Kommerz hin oder her. Wir möchten ehrlich, auf andere Weise helfen und wollen, dass die Massai so sein können, wie sie sind.

    Amboseli Nationalpark - Affe
    Fazit

    Der Amboseli Nationalpark ist nicht umsonst einer beliebtesten Safari-Ziele in Kenia. Man hat dort quasi eine Garantie viele verschiedene afrikanische Tiere in ihrem natürlichen und wilden Habitat zu beobachten. Für uns war die Kombination aus den beiden Nationalparks, dem Tsavo East und dem Amboseli, perfekt und absolut eindrucksvoll. Kontrastreicher können die Erfahrungen auf der ersten Safari, unserer Meinung nach, kaum sein.

    Wenn jetzt auch in dir der Löwe geweckt wurde und du unbedingt eine Safari in Kenia machen willst oder du bereits eine planst, solltest du unbedingt unseren Beitrag Into the Wild – Unsere 7 Tipps für deine Kenia-Reise lesen.

    Reisedaten

    Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

    Kenia
    Reisezeit: September/Oktober 2018
    Reisedauer: 12 Tage
    Unterkunftsart: 4*-Hotel Galu Beach
    Amboseli
    Reisezeit: Oktober 2018
    Reisedauer: 1 Tag
    Unterkunftsart: Camp

    geschrieben von Hannah

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  • Brasilien - Favela in Rio de Janeiro - Thumbnail

    Favela in Rio de Janeiro – Ein ehrlicher Erfahrungsbericht

    „Mit dem Bus fuhren wir zurück nach Santa Teresa, zur Verwunderung der Cariocas, die uns davor warnten, dass wir erschossen werden würden. Wurden wir nicht, aber dafür erlebten wir eine andere böse Überraschung. Es erwarteten uns ungeheuer große Kakerlaken in unserem Bad. Erstmal abdichten, Tür zu – Feierabend!“

    (Tagebuchausschnitt, Hannah)

    Das Konstrukt Favela in Rio de Janeiro polarisiert, medial und sozial. So unterschiedlich die Vorstellungen der außenstehenden Bevölkerung, sowohl der sozial reicheren Einwohner Rios als auch in Europa und dem Rest der Welt, über das Leben in den Favelas ist, so kontrovers sind die Meinungen zu dieser Thematik. Dies hier wird ein etwas anderer Beitrag, kein informativer Reisebericht zu einer bestimmten Sehenswürdigkeit oder einem Land. Bewusst haben wir uns für unseren einwöchigen Aufenthalt in Rio de Janeiro eine ebenso etwas andere Unterkunft gewählt: eine Favela! Ist das nicht gefährlich? Oder gar sozial verwerflich? Wir möchten mit dir ganz offen und ehrlich unsere Erfahrungen teilen, zwischen Licht- und Schattenseiten abwägen, um dir ein möglichst authentisches sowie transparentes Bild einer Favela in Rio de Janeiro zu vermitteln. Sei gespannt!

    Wichtige Hinweise

    Unabhängig von allem, was wir dir in diesem Artikel über das Leben als Tourist in einer Favela berichten werden, wird dringend vom Fotografieren innerhalb der Favela abgeraten. Deshalb beinhaltet dieser Beitrag höchstens Aufnahmen mit Blick aus der Favela heraus oder teils komplett unabhängige Aufnahmen.
    Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass unsere Erfahrungen lediglich auf einer einzigen bestimmten Favela beruhen und demnach nicht pauschalisiert werden können.

    Vila Pereira da Silva – Unser “Zuhause”

    Zunächst ein paar allgemeine Informationen zu den Gegebenheiten. Die Pousada Favelinha liegt in der Favela Vila Pereira da Silva im Stadtteil Laranjeiras. Das Hostel existiert seit 2004 und ist damit das allererste, das innerhalb einer Favela Gäste aus aller Welt empfängt. Alleine daran kann man die Entwicklung der gesellschaftlichen Stellung der Favelas bereits erahnen.

    Laut offizieller Quelle des Favela-Hostels Pousada Favelinha selbst, ist die Vila Pereira da Silva mittlerweile die friedlichste Favela der Innenstadt und bietet aufgrund der Lage oberhalb von Santa Teresa die wohl schönste Aussicht. Das können wir nur bestätigen! Als wir unsere Balkontür erstmals öffneten und in der Ferne den besten Blick auf den Zuckerhut hatten, waren wir wirklich überwältigt. Sieh selbst!

    Ausblick aus Favela in Rio de Janeiro
    Sicherheit – Fakten und Gefühle
    Von Drogenbanden und Anarchie

    Angesiedelt an den steilen Bergen und Hängen Rio de Janeiros, dienen die praktisch anarchisch regierten Siedlungen, ähnlich wie Slums, als Zuhause für die Armen bzw. ursprünglich für Sklaven. Dies führte unvermeidbar zu sehr starker Kriminalität, die unter anderem in sozialer Ausgrenzung und Ungleichheit begründet liegt. Des Weiteren sind und waren Favelas der ideale Rückzugsort für Drogenbanden, die dort ihre Macht ausüben. Es herrschen keine Gesetze, die Straßen sind nicht befahrbar, die Polizei zählt diese Bereiche teils gar nicht zum Einsatzgebiet. Im Zuge der Fußball WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016 wurde ein großer Teil der existierenden Favelas durch staatliche Kontrolle befriedet. Leider kommt die Gewaltherrschaft wieder. Durch wechselnde Machtposten in der Regierung verliert das Projekt an Substanz und die Anzahl der Morde nimmt wieder zu.

    Die Sicherheit in der Unsicherheit

    Wie haben wir uns persönlich gefühlt? Zur Sicherheit haben wir uns ausnahmsweise für einen vom Hostel organisierten Flughafentransfer entschieden. Die Sicherheit lag für uns jedoch zunächst eher darin, unsere Unterkunft überhaupt zu finden, wussten wir doch, dass diese eher schwer zugänglich und nicht gerade offensichtlich gelegen sein musste. Als der Fahrer uns am Fuße eines steilen Berges mit einem serpentinenartigen Weg an der Rua Almirante Alexandrino rausließ und kurzum das Hostel kontaktierte, waren wir zugebenermaßen doch etwas irritiert. Okay, da müssen wir mit unserem Gepäck wohl irgendwie hoch. Wir verstanden dann, dass uns der junge blonde Brasilianer (Namen nennen wir bewusst nicht) mit dem Tragen behilflich sein und uns für den nicht ausgeschilderten Weg begleiten wollte.

    Ein wenig später realisierten wir den zweiten Grund. Der persönliche Begleitschutz sollte ebenso dazu dienen, uns den Favela-Einwohnern „vorzustellen“, damit diese wissen, dass wir ein Teil von ihnen sind. Und genau dieses Gefühl trat spätestens am zweiten Tag auch ein. Den skeptischen Blicken wichen freundliche Gesichter, als wir durch die Favela liefen. Lebensfrohes Grinsen von der kochenden Mutter am Straßenrand und mutmachendes Zulächeln von den nur mit Hose bekleideten kleinen Fußballstars verschaffte uns ein unheimliches Sicherheitsgefühl. Von den Mitarbeitern der Pousada Favelinha erfuhren wir im Gespräch außerdem, dass man als Hostelgast hier am sichersten sei. Diebstahl? Niemand würde hier klauen, man wird als Teil der „Familie“ betrachtet und vor Eindringlingen sogar beschützt. Schließlich dient das Hostel gleichzeitig als soziales Projekt zur finanziellen Unterstützung.

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    Gespaltene Gesellschaft

    Offenbar scheint sich der Spalt zwischen den Menschen in den Favelas und den, nennen wir es privilegierten Cariocas (Einwohner Rios), trotz aller Bemühungen, nicht so schnell zu schließen. Dies wurde uns auf wirklich krasse Weise auf einer Busfahrt bewusst, als wir von einem Tagesausflug bei Dunkelheit mit dem Bus zurückfahren wollten. Es war zu Beginn unseres Aufenthaltes und wir waren bezüglich der richtigen Haltestelle aufgrund der gleich ausschauenden Straßen noch nicht wirklich routiniert. So fragten wir bei einer Mitfahrerin nach dem Namen der Haltestelle und wann diese kommt. Ihr Blick verwunderte uns. Sie schien wirklich geschockt, als habe sie gerade etwas ganz Schreckliches erfahren. Mit sehr bestimmtem Ton ermahnte sie uns sinngemäß: „Da könnt ihr auf keinen Fall hin! Dort werdet ihr erschossen!“. Prompt gesellten sich andere Fahrgäste dazu und stimmten ihr bei. Wir versuchten die Situation zu erläutern und ließen uns nicht verunsichern.

    Die Plakate an Straßenlaternen und Masten vor Beginn einer Favela könnten einen jedoch durchaus sehr verunsichern. Auf diesen ist mit Großbuchstaben „Achtung – Überfälle in dieser Gegend“ geschrieben und Strichmännchen als Bewaffneter und Opfer dargestellt.

    Tief im Inneren ist diese Begegnung aber in unseren Köpfen geblieben. Wir möchten das Leben und Treiben in den Favelas keinesfalls verharmlosen. Mit Sicherheit herrscht dort immer noch extreme Gewalt und es spielen sich Szenen ab, die wir uns als Touristen nicht ausmalen möchten. Nichtsdestotrotz hat uns diese Szene auch etwas anderes gezeigt: Unwissenheit schürt Skepsis und Vorurteile. Dies trifft in Rio de Janeiro in dieser Konstellation im Kleinen zu, kann aber auch exakt so auf unser Zusammenleben in der ganzen Welt übertragen werden.

    Das authentische Rio de Janeiro – Leben wie das Volk
    Favelas als attraktive „Sehenswürdigkeit“

    Im Zuge der Befriedung seitens des Staates gewannen die Favelas in Rio de Janeiro ebenso an Attraktivität für Touristen. Aus Touristensicht gehören sie doch zum Stadtbild, wie der Zuckerhut, die Copacabana oder die Christusstatue. Viele Anbieter nehmen Touristen im Rahmen einer „Tour“ mit in diese andere Welt. Anders wird von einem Zugang im Übrigen auch strengstens abgeraten. Am berühmtesten dafür ist sicherlich die Favela Santa Marta. So viel vorab: Ja, natürlich gehören die Favelas zum Stadtbild Rio de Janeiros – und wie! Immerhin gibt es sage und schreibe 750 Favelas, in denen schätzungsweise die Hälfte der Einwohner Rios leben. Unglaublich, oder? Demnach spiegelt sich die Hälfte des Lebens dort ab, in den Favelas. Symbolisch gesprochen, hat man also nur die Hälfte von Rio erlebt ohne Einblick und Kontakt zu diesen Menschen.

    Aber wie kommt es an, wenn man sich als reicher, privilegierter und weißer Tourist die armen Lebensumstände anderer Menschen ansieht oder sich gar an ihnen ergötzt? Manche Kritiker ziehen den Vergleich mit einem Zoo heran. In mancher Hinsicht hat diese Perspektive sicherlich ihre Daseinsberechtigung. Psychologisch betrachtet können sich die Bewohner minderwertig vorkommen, Neid und sozialer Hass verstärkt oder Überlegenheitsgefühle der Besucher gefüttert werden.

    Unserer Meinung nach darf und sollte diese Ansichtsweise jedoch keineswegs pauschalisiert werden. Stellen wir uns die Situation mal anders vor: Was ist, wenn wir als Tourist, oder sei es als Einheimischer einer weniger reichen Schicht, durch ein Bankenviertel oder eine Villenallee laufen? Ungeachtet der Frage, wer hier wem überlegen sein mag, findet auch hier ein Betrachten anderer Umstände statt. Ob die Favelas als Sehenswürdigkeit oder gar Zoo betrachtet werden, liegt doch nicht in der Sache als solche begründet, sondern vielmehr an der Einstellung der Favela-Bewohner, an der Einstellung von uns als Tourist sowie dem Umgang der Mediatoren (Tourenanbieter oder Hostel wie in unserem Fall).

    Favelas als gesellschaftliche Lehrstunde

    Wir betrachten den Besuch in einer Favela nämlich ebenso aus einer anderen Perspektive und begreifen das Zusammenführen als Chance. Als Chance für beidseitiges Verstehen und als Chance für wachsende Akzeptanz.

    Die Menschen in der Favela leben quasi auf der Straße, die gesamte Favela ist ihr Zuhause. Nun stell dir vor, ein Fremder kommt ungebeten in deine Wohnung oder dein Haus. Wärst du diesem Fremden im ersten Moment vielleicht auch nicht direkt wohlgesonnen? Lernst du ihn kennen, merkst du womöglich: Hey, das ist ja auch ein Mensch und nett ist er auch noch. Und nein, er will mir auch wahrscheinlich gar nichts Böses, er ist hier um mich kennenzulernen. Jemanden kennenlernen zu wollen ist ein Zeichen von Respekt und den sollten wir vor den Favela-Bewohnern gleichermaßen haben wie vor unserem Chef auf der Arbeit, unseren Kollegen, unseren Eltern oder einem Fremden mit mehr Geld in der Tasche. Denn was ist das Resultat? Wir können Vorurteile aus dem Weg räumen, die zuvor eine zwischenmenschliche Hürde darstellten. Und darauf aufbauend, können wir uns verstehen – ja vielleicht sogar zusammenarbeiten. Gehen alle Beteiligten mit dieser Einstellung an die Sache heran, ist ein Besuch in einer Favela doch nicht verwerflich, oder?

    Wir erinnern uns zurück an die Frau im Bus. Hätte sie eine positive Erfahrung oder ein nettes Gespräch mit einem der Bewohner gehabt, wäre ihr Bild einer Favela vielleicht ein anderes. Wir möchten dennoch nochmals betonen: Favelas sind in keinem Fall per se sichere Orte! Die Kriminalität ist erneut steigend auf einem hohen Niveau und alleine ohne einen Ortskundigen bzw. Experten solltest du dich wirklich nicht dort hineinbegeben. Es ist zudem ziemlich sicher, dass die Umstände von Favela zu Favela stark variieren. Wie eingangs erwähnt beruhen unsere Erfahrungen nur auf den Umständen in der Vila Pereira da Silva.

    Die Chance, die uns die Vila Pereira da Silva gegeben hat, haben wir angenommen. Wir durften bei ihnen übernachten, als Fremde. Sie akzeptierten uns, wir akzeptierten sie. Sie verstanden uns, wir verstanden sie. Sie waren uns dankbar, wir waren ihnen dankbar.

    Reisedaten

    Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

    Lateinamerika:
    Reisezeit: August - Oktober 2017
    Reisedauer: 50 Tage
    Brasilien:
    Reisezeit: September - Oktober 2017
    Reisedauer: 8 Tage
    Unterkunftsart: Hostel in Favela

  • Rio de Janeiro Umgebung - Prainha & Tijuca Nationalpar - Thumbnail

    Rio de Janeiro und Umgebung – Prainha & Tijuca Nationalpark

    Copacabana, Zuckerhut und die Stufen von Selarón – Orte, die in der Assoziation zu Rio de Janeiro gehören wie die Limette in den Caipirinha. Diese weltberühmten Orte haben wir dir in unserem letzten Beitrag bereits nähergebracht. Doch die Metropole an der Atlantikküste Brasiliens hat noch so viel mehr zu bieten. Rio de Janeiro ist riesig und erstreckt sich über eine Fläche von über 1.200km². Fahr doch also einfach mal aus dem Stadtkern raus und überzeuge dich selbst von der unheimlichen Vielfalt Brasiliens, die sich in dieser wunderbaren Stadt spiegelt. Wir möchten dir im Folgenden zwei Ausflugsziele in der Umgebung von Rio de Janeiro vorstellen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Den Strand Prainha als Kontrast zur Copacabana sowie den Tijuca Nationalpark für ein kleines Regenwald-Abenteuer.

    Prainha – Der Geheimtipp für Ruhe, Natur und Wassersport

    Stell dir einen Strand vor, an dem weißgelber Sand die Grenze zwischen den tosenden Wellen und endlos wirkend grüner Natur bildet. Zwischen steilen Felsen und Klippen lebt das blaue Wasser – ein Paradies für Surfer. Im Hintergrund der Szenerie beginnt der brasilianische Regenwald und erzeugt den Eindruck, es beginne eine andere Welt. Nicht nur aufgrund der sich ändernden Vegetation und Farbe, sondern auch wegen der sich plötzlich steil erhebenden Berge. Das soll es in Rio de Janeiro geben?

    Ausblick auf Prainha nahe Rio de Janeiro
    Lage

    Naja fast. Rund 40km westlich der Copacabana lässt sich so ein Strand tatsächlich finden. Prainha Beach ist wirklich ruhig und unheimlich sauber. Der Massentourismus ist noch nicht bis hier hin vorgedrungen. Unter Cariocas, so nennt man die Einwohner von Rio de Janeiro, jedoch ein absolut beliebtes Ausflugsziel, nicht nur zum Surfen. Einige Promis scheinen hier auch eine Art Ferienresidenz zu haben.

    Blick von Prainha auf den Atlanktik nahe Rio de Janeiro
    Anfahrt

    Ein Grund für die noch herrschende Idylle ist vermutlich auch die nicht ganz schnelle und einfache Anfahrt. In diversen Quellen findet man die Aussage, Prainha sei nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, lediglich mit dem Auto oder mit dem Surfer Bus. Auf Nachfrage bei unserem einheimischen Hostelbesitzer kamen wir an andere Informationen. Mit einem Umstieg führt dich auch die Metrô Rio und der Bus ans Ziel. Nimm die gelbe Linie 4 bis Jardim Oceânico und steige dann in den Bus Richtung Recreo dos Bandeirantes. Nun trennen dich nur noch 6km vom Ziel, die du entweder mit dem Taxi oder zu Fuß (oder teils teils) zurücklegen kannst. Der Weg führt vorbei an schönen Uferpromenaden und kleinen Strandbuchten. Der Surfer Bus bietet, wie der Name schon vermuten lässt, Platz zum Transport von Surfbrettern und verkehrt regelmäßig von Copacabana und Ipanema bis Prainha. Vermutlich die einfachere Methode, allerdings haben wir uns sagen lassen, dass die Regelmäßigkeit in der Nebensaison wohl nachlässt.

    Buchten in Prainha nahe Rio de Janeiro
    Aktivitäten

    Wenn du surfen kannst, müssen wir dir wahrscheinlich keine Tipps geben, was du vor Ort unternehmen kannst. Wenn du es nicht kannst, können wir dir nur empfehlen, ein Handtuch und Badekleidung einzupacken und den Profis beim Werk entspannt zuzusehen. Lass dich von der Sonne verwöhnen, genieße die wundervolle Natur Brasiliens und mach dich frei von der Hektik Rios. Gutes Schuhwerk ist ebenso zu empfehlen, da die Uferstraßen zum Spazieren einladen und die Wege für An- und Abfahrt nicht gerade kurz sind. Nimm doch ein paar Snacks und Getränke mit und mach ein kleines Picknick am Strand – wenn es nicht zu windig ist. Leider war bei uns das Wetter nicht perfekt, wie auf den Fotos zu erkennen, aber lohnenswert ist Prainha auf jeden Fall! Aufgrund der längeren Anfahrt, solltest du für diesen Strandausflug einen ganzen Tag einplanen.

    Panorama Prainha Beach nahe Rio de Janeiro

    So geheim Prainha noch sein mag, so stärker gewinnt ein anderer Ort in rund 10km Entfernung an Berühmtheit. Der Pedra Do Telégrafo – ein Felsvorsprung, an dem durch optische Täuschung und Bildbearbeitung der Eindruck entsteht, man würde durch waghalsige Experimente sein Leben riskieren. Zahlreiche kreative Fotos sind an diesem Ort auf sozialen Netzwerken viral gegangen. Wenn du Lust hast, kannst du deinen Ausflug nach Prainha damit verbinden.

    Tijuca Nationalpark – Grüne Oase mitten in der Großstadt

    Regenwald und Wasserfälle in Rio de Janeiro? Ja, auch das gibt es tatsächlich. Der Tijuca Nationalpark ist nicht nur Herberge des Berg Corcovado mit der Christusstatue, sondern auch des größten städtischen Waldes der Welt, der Floresta da Tijuca! Der Atlantische Regenwald hat auch hier schon einiges zu bieten und gibt einem das Gefühl weit weg von Großstadt und Zivilisation zu sein. Wildnis und Urwald bilden die perfekte Abwechslung zu Strand, Meer und Stadt. Tropische Vegetation auf den Bergen um Rio de Janeiro – ein absolutes Erlebnis!

    Cascatinha Taunay im Tijuca Nationalpark in Rio de Janeiro
    Cascatinha Taunay
    Lage

    Im Gegensatz zu Prainha liegt der Tijuca Nationalpark wesentlich zentraler und schützt neben dem Corcovado unter anderem auch die botanischen Gärten. Auf 33 Quadratkilometern leben diverse Vogelarten, Insekten und Reptilien. Häufig bekommt man auch Kapuzineräffchen zu Gesicht. Keine Angst, es wartet keine Gefahr auf dich!

    Anfahrt

    Wie es sich für einen Urwald gehört, unkompliziert ist der Weg dorthin nicht. Unser erster Anlauf mit dem Bus ging ordentlich in die Hose. Klare Informationen zu Zeiten und Stationen sind absolute Mangelware. Die beste Option ist wohl das Taxi. Dafür gilt es jedoch zwei Dinge zu beachten.

    1. Begebe dich so nah wie möglich an den Tijuca Nationalpark!
      Am botanischen Garten sowie am Fuße des Corcovado gibt es weitläufigere Haltestellen. Das hat zum Vorteil, dass die Strecke kürzer ist, du Kosten sparst und mit Sicherheit auf ein Taxi treffen wirst.
    2. Suche dir einen konkreten Ort heraus, an dem du herausgelassen werden möchtest!
      Der Tijuca Nationalpark ist wie gesagt ziemlich groß und unter Umständen wird der Taxifahrer endlos lange durch den Park gurken, bis du sagst, dass du aussteigen möchtest. Als Ziel bietet sich die Vista Chinesa Von dort aus offenbart sich dir bereits ein atemberaubender Blick über Rio de Janeiro und du musst nur noch den Berg weiter hinauflaufen, um zum „richtigen“ Wald zu gelangen.
    Holzweg im Tijuca Nationalpark in Rio de Janeiro

    Für Backpack Stories TV* haben wir einen Reisevortrag zum Thema „Argentinien & Brasilien – Von der Großstadt in den Dschungel“ gedreht. Schau doch mal vorbei!

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    Aktivitäten

    Es ist vollkommen unbedenklich den Floresta da Tijuca auf eigene Faust zu Fuß zu erkunden. Schilder aus Holz oder Zeichen auf Steinen und Bäumen weisen dir den Weg auf verschieden langen und anspruchsvollen Pfaden. Während deiner Wandertour musst du nicht nur kleine Holzbrücken überqueren, sondern kannst dich an mehreren Orten vom Plätschern kleinerer und größerer Wasserfälle überraschen lassen. Insgesamt gibt es im Tijuca Nationalpark ganze 30 Wasserfälle! Unser Ziel war der Wasserfall Cachoeira das Almas (Wasserfall der Seelen), welcher somit ebenfalls unsere Marschroute vorgegeben hat. Moskitospray solltest du auf jeden Fall dabeihaben!

    Wenn du mehr über die Natur und deren Hintergründe erfahren willst oder dich alleine im Urwald nicht sicher fühlst, gibt es zig Möglichkeiten für geführte Touren in Kleingruppen oder privat. Alternativ werden auch Jeep-Touren angeboten.

    Eine Wandertour durch den tropischen Regenwald im Tijuca Nationalpark eignet sich somit perfekt für einen Halbtages- oder Tagesausflug, je nach dem wie weit und intensiv du eintauchen möchtest. Wer bereits einmal im tiefen Dschungel in Südamerika war, sollte seine Erwartungen nichtsdestotrotz entsprechend anpassen. Klar, die Zivilisation ist nah. Der Tijuca Forest ist immer noch ein Stadtpark. Es ist absolut nicht überlaufen, aber unberührt und einsam nicht.

    Schild Cachoeira das Almas im Tijuca Forest in Rio de Janeiro
    Cachoeira das Almas im Tijuca Nationalpark in Rio de Janeiro
    Tagebuchausschnitt (Hannah), Brasilien 27.09.2017:

    „[…] Der nächste Tag sollte dann ein Strandtag werden. Da ich Copacabana und Ipanema schon genügend kannte, schaute ich nach Geheimtipps und fand den etwas außerhalb gelegenen Prainha. Die Anfahrt sollte wohl etwas mühsam sein, aber nach Durchfragen und circa 1,5h hatten wir es geschafft. Leider war das Wetter nicht so schön sonnig, aber es blieb wenigstens trocken. Der Strand war wirklich außergewöhnlich schön. Wir entspannten uns ein wenig. Die Wellen waren durch den Wind sehr hoch. Für die Surfer ein Traum – für Henrik eher nicht. Er kämpfte mit den Wassermassen. Bevor es zu kalt wurde, machten wir uns langsam auf den langen Rückweg. Vorher aßen wir noch ein paar Pommes und tranken ein Bier zum Abschluss. Abends beim Buffetrestaurant in Lapa, wo die Portion gewogen und pro 100gr abgerechnet wird, schafften wir es tatsächlich fast bis auf den Punkt, dass ich und meine Mama zusammen 1kg hatten. Genauso viel wie Henrik alleine!“

    Hannah auf Felsen am Prainha nahe Rio de Janeiro
    Buchten in Prainha nahe Rio de Janeiro
    Tagebuchausschnitt (Henrik), Brasilien 04.10.2017:

    „[…] Sonntag stand unser Ausflug zum Tijuca Forest, dem größten Stadtwald der Welt, auf dem Programm. Obwohl eigentlich touristisch bekannt als städtischer Regenwald mit endlosen Wandermöglichkeiten, erwies sich der Hinweg als wahre Herausforderung. Vielleicht hing es mit unserer Reisemüdigkeit aufgrund der vielen Eindrücke und Strapazen zusammen, aber irgendwie taten wir uns schwer. Im Glauben wir wären langsam erfahren genug, wählten wir eine Busverbindung mit Umsteigen im Central, einem riesigen, komplett unübersichtlichen Busbahnhof, gefühlt ohne jegliche offiziellen Pläne. Dort meinte jeder unser Bus würde doch ganz bestimmt an einer anderen Ecke oder Straßenseite abfahren. Total verwirrt gaben wir nach einer knappen Stunde verzweifeltem Umherirren auf und nahmen ein Taxi.

    Dies manövrierte uns leider direkt vom Regen in die Traufe, da sich der Taxifahrer noch weniger auskannte als wir (oder zumindest so tat). Er wusste auf jeden Fall nicht, wie man am besten zum richtigen Eingang des Waldes kam. So fuhren wir einen riesigen Umweg, bevor er nach mehrmaligen Fragen am Straßenrand über endlose Serpentinen den Berg hinauffuhr. Alles in allem hat er die eh schon längere Strecke mal Minimum verdreifacht und als wir das Ganze dann an einem Wasserfall 2km vor dem Eingang abbrachen, konnten wir von Glück sagen, dass wir mit Hannahs Mutter zu dritt unterwegs waren und jeder umgerechnet so nur circa 7€ zahlen musste. Trotzdem sehr ärgerlich, weil die Fahrt auch eine Ewigkeit dauerte…

    Anschließend begann dann der schöne Teil. Wir guckten uns eine Route aus und starteten bei herrlichem Sonnenschein unsere kleine Wanderrunde quer durch den Tijuca Forest. Es waren wirklich kleine Wanderwege und oft ging es quasi querfeldein durch den Regenwald, immer den roten Pfeilen nach, die als Wegweiser auf die Bäume gemalt wurden. Bis auf die erwarteten Mosquitos um uns herum waren wir ziemlich alleine unterwegs, nur selten trafen wir jemanden. Als Ziel für unsere Runde hatten wir einen kleinen Wasserfall ausgemacht, welcher sich bei der Ankunft allerdings als recht unscheinbar zeigte. Aber wir waren nach Iguazú wohl auch echt anderes gewöhnt.

    Trotzdem war es letztendlich ein schönes, kleines Dschungelabenteuer. Auf dem Rückweg beeilten wir uns dann ein wenig, denn wir wollten unbedingt noch ein paar Minuten in Ipanema am Strand liegen, was aufgrund der Tatsache, dass diesmal direkt Busse kamen auch super klappte. Wir standen wohl wirklich einfach an der falschen Ecke…“

    Herrlich! Ehrlich?

    Beim Planen von Ausflügen in das Umland von Rio de Janeiro ist Durchfragen bei den Einwohnern nahezu unumgänglich. Obwohl das Bus- und Bahnnetz infrastrukturell sehr gut ausgebaut ist und die Fahrzeuge in super modernem und einwandfreiem Zustand sind, so verliert man schnell den Überblick in den unendlichen Möglichkeiten dieser großen Stadt. Ohne unser Hostel hätten wir vermutlich keine Ahnung gehabt, wie wir nach Prainha gelangen.

    Spricht man kein Portugiesisch wird es außerhalb von Hotels und Hostels zugegeben wirklich schwer, barrierefrei zu kommunizieren. Teilweise kamen wir mit Spanisch und ein paar Brocken Portugiesisch einigermaßen durch, aber du brauchst Geduld und Kreativität. Die Brasilianer sprechen nicht sehr gerne andere Sprachen und wenn sie es tun, überwiegt manchmal eher der Akzent. Manchmal erlauben sie sich offenbar aber auch einfach einen Spaß, indem sie so tun als ob sie einen nicht verstehen. Zum Vorschein tritt dies insbesondere bei Taxifahrern, wie du anhand unserer Erfahrungen im Tijuca Forest sehen konntest. Einfach mal Treibenlassen wird in Rio de Janeiro meist nicht zum Ziel führen. Vorbereitung und Recherche ist bei dieser komplexen Stadt wirklich das A und O. Unwissenheit wird von Taxifahrern auch gerne ausgenutzt. Außerdem sind die Wege lang, können Nerven und wertvolle Zeit kosten.

    Reisedaten

    Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

    Lateinamerika:
    Reisezeit: August - Oktober 2017
    Reisedauer: 50 Tage
    Brasilien:
    Reisezeit: September - Oktober 2017
    Reisedauer: 8 Tage
    Unterkunftsart: Hostel in Favela

    geschrieben von Hannah

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  • Brasilien - Rio de Janeiro City - Thumbnail

    Rio de Janeiro – Unsere 6 Highlights in der City

    Rio de Janeiro – der allerletzte Stopp auf unserer Reise war in vielerlei Hinsicht der Höhepunkt, der Gipfel unserer Reise, aber auch leider schon das Ende. Über die Highlights dieser Stadt alleine sind Bücher gefüllt worden und auch wir können einige Seiten füllen. Dabei versuchen wir nicht nur unsere persönlichen Highlights vorzustellen, sondern stets auch interessante Fakten zu bringen, die vielleicht noch nicht jeder auf dem Schirm hat. Den Anfang unserer „(T)riologie“ macht dieser Beitrag mit unseren Lieblingsplätzen und Ausflugsmöglichkeiten zentral in Rio de Janeiro. Enjoy!

    Cristo Redentor – Der Wächter der Stadt

    Die berühmte, riesige Statue von Jesus Christus thront über Rio de Janeiro und breitet schützend ihre Arme über die Stadt. Jeder kennt das Wahrzeichen von Rio de Janeiro und möchte oben auf dem Corcovado ein Foto schießen. Unser Tipp, der frühe Vogel fängt den Wurm! Fahre möglichst früh morgens als Allererstes rauf, dann ist das Gedränge mit etwas Glück vielleicht noch nicht so dicht. Angefertigt in den frühen 30ern dient der Cristo Redentor als Vorlage für eine Vielzahl anderer, gleichartiger Statuen in vielen anderen christlichen Städten weltweit. Doch mit ihrer Höhe von gut 30m ist sie zwar das Original und unserer Meinung aufgrund ihrer Lage auch die mit Abstand beeindruckendste, jedoch seit 2010 nicht mehr die größte ihrer Art. In Schwiebus im Westen Polens ließ der örtliche Gemeindepfarrer doch glatt eine 6m höhere Christusstatue errichten. Na, wer hätte das gewusst?

    Cristo Redentor in Rio de Janeiro
    Zuckerhut – Die atemberaubende Aussicht

    Der zweite berühmte Berg, von dem man einen ebenso herrlichen Ausblick über Rio de Janeiro hat, ist der Zuckerhut. Zuckerhut heißt der Berg aufgrund seiner kegelförmigen Optik, aber wusstest du, dass er eigentlich Zuckerbrot (portugiesisch: Pão de Açúcar) heißt? Wer hoch möchte, sollte die Seilbahn nehmen. Die Fahrt lohnt sich und auch das Aussteigen und Erkunden der verschiedenen Ebenen ist ein besonderes Erlebnis. Aufgrund der hohen Passagierzahlen und diversen Ausbauten ist diese Seilbahn modern, komfortabel und sicher. Der Zuckerhut muss also nicht per anstrengendem Aufstieg erklommen werden. Nichtsdestotrotz kann man auch zumindest bis zur ersten Plattform, dem Morro de Urca, hinauf wandern. Ein wohl etwas teurerer, aber umso extravaganterer Ausflug (im wahrsten Sinne des Wortes) kann von hier unternommen werden. Hier starten Helikopter-Ausflüge, um Rio wie im gleichnamigen Zeichentrickfilm aus Vogelperspektive zu erleben!

    Blick auf den Zuckerhut von Rio de Janeiro
    Santa Teresa – Das hippe Künstlerviertel

    Das Viertel Santa Teresa war unser temporäres Zuhause in Rio de Janeiro. Hier hielten wir uns gerne auf und hier kamen wir immer wieder gerne hin. Santa Teresa ist ein sehr bunter und lebensfroher Teil von Rio de Janeiro. Viele Cafés, Restaurants, Bars und auch kulturelle Einrichtungen, wie Theater und sonstige Bühnen findet man an jeder Ecke. Eine Vielzahl an Ateliers und Galerien machen den Eindruck des Künstlerviertels rund. Die verwinkelten Straßen und Wege auf den Hügeln des Viertels sind meist von Pflastersteinen geprägt und eine alte Trambahn, die „Bonde“, bahnt sich ihren Weg hinauf und hinab. Ein wirklich spezielles Erlebnis ist die Fahrt mit dieser Bahn, die einmal oben angekommen ernsthaft noch händisch aus der Oberleitung gelöst und andersrum wieder eingehängt wird, um exakt denselben Weg zurückzufahren.

    Tram in Santa Teresa, Rio de Janeiro
    Escadaria Selarón – Hotspot der Neuzeit

    Ein ganz besonderes Foto-Objekt bildet den Übergang von Santa Teresa nach Lapa, die sogenannte Escadaria Selarón. Diese mit bunten Fliesen aus aller Welt gekachelten Stufen waren Schauplatz für eine Vielzahl von Werbeclips sowie unter anderem das weltweit bekannte Musikvideo zur Single Beautiful von Pharrell Williams und Snoop Dogg. Benannt sind sie nach Jorge Selarón, einem chilenischen Künstler, der 1990 begann die Stufen vor seinem Haus auf ganz besondere Art und Weise zu renovieren. Er wählte dominierend die Farben gelb, grün und blau, die Farben der brasilianischen Flagge und bezeichnete die Stufen später als seine persönliche Liebeserklärung an das Land. Dort kann man sich heute ein ganz spezielles und besonderes Andenken sichern. Wenn du Lust hast, kannst du dich fotografieren und das Bild auf eine Fliese drucken lassen.

    Hannah und Henrik auf der Escadaria Selarón in Rio de Janeiro

    Für Backpack Stories TV* haben wir einen Reisevortrag zum Thema „Argentinien & Brasilien – Von der Großstadt in den Dschungel“ gedreht. Schau doch mal vorbei!

    *[Affilate Link]

    Ipanema – Caipis, Strand und Sonnenschein

    Stellvertretend für die vielen großen Strände von Rio de Janeiro möchten wir an dieser Stelle insbesondere Ipanema herausstellen und nicht etwa das noch berühmtere Pendant Copacabana. Ipanema ist ein sehr angesagtes Viertel am gleichnamigen Strand, der nicht nur Badende, sondern mit seiner felsigen Halbinsel auch Surfer in seinen Bann zieht. Am Strand liegend den Sonnenuntergang mit dem weltbekannten gleichnamigen (alkoholfreien) Cocktail zu genießen, ist wahrlich Balsam für die Seele. Aber Achtung: Die angrenzenden schicken Boutiquen und auch Bars und Restaurants sind mit das Teuerste was Rio de Janeiro bietet. Hier ist mittlerweile Luxustourismus auf der Agenda und eine Vielzahl von protzigen Hotels säumen die Uferpromenade. Doch am Strand trifft sich Jedermann. Zwischen Sonnenschirmen und Handtüchern wird Fußball, Volleyball oder Footvolley gespielt und mehr oder weniger Durchtrainierte stellen offensiv ihren Körper zur Schau. Ipanema strahlt einfach eine unglaubliche Lässigkeit aus. Das alles mag ebenso zu 100% auf die Copacabana zutreffen, aber alleine schon wegen des Panoramas mit Blick auf die Felsen Dois Irmãos (zwei Brüder) ist Ipanema unserer Meinung nach schöner, besonderer als Copacabana.

    Sonnenuntergang in Ipanema, Rio de Janeriro
    Maracanã – „Wir sind Weltmeister!“

    Das altehrwürdige Maracanã ist definitiv das bekannteste Fußballstadion der Weltmetropole. In diesem Fußballtempel wurden schon einige Schlachten geschlagen. Angefangen in den 1950er Jahren als größtes Fußballstadion weltweit mit bis zu 200.000 Zuschauern bis zum Weltmeistertitel Deutschlands 2014 war das Stadion Ort vieler, (sport-)geschichtsträchtiger Dramen. Nach einer Vielzahl an Umbaumaßnahmen über die Jahre, nicht zuletzt für die WM 2014 und Olympia 2016, fasst das offiziell Estadio Jornalista Mario Filho genannte Stadion heutzutage nur noch 78.800 Plätze. In den letzten Jahren verwahrloste das Maracanã, da es nur noch für wenige ausgewählte Länder- oder Pokalendspiele genutzt wurde. Doch es gibt Planungen das Flamengo den Betrieb der Spielstätte übernimmt, um sich einen kompletten Stadionneubau zu sparen. Dabei soll die Kapazität durch mehr günstige Stehplätze wieder erhöht werden.

    Leeres Maracana Stadion in Rio de Janeiro
    Tagebuchausschnitt (Hannah), Brasilien 30.09.2017:

    „Auch wenn es bereits die letzten Tage unserer Reise sind, besonders sind sie auf jeden Fall. Endlich ist der Countdown abgelaufen, wann ich meine Mama wiedersehe. Nach langem Hin und Her vor der Reise, ob sie das wirklich machen soll, haben wir es tatsächlich geschafft, uns in Rio de Janeiro in Brasilien zu treffen. […]

    Der Fußweg zu unserem Hostel war allerdings ziemlich beschwerlich, da es mitten in einer Favela liegt und nicht befahrbar ist. Aber wir wollten es ja so und Matti, der nette Gastgeber, half uns auch gleich mit den Koffern. Kurz sortiert, machten wir uns direkt auf nach Lapa zu Mama. Da haben wir uns wieder, wie schön 😊. Und ihr Hotel war gefühlter Luxus im Vergleich zu all unseren Hostels. Am Abend gingen wir alle gemeinsam noch was Essen (Mama und ich teilten uns Pizza und Salat, Henrik hatte einen komischen Fleischtopf ganz für sich) und natürlich Caipis trinken. Allerdings nicht allzu lange, denn am nächsten Tag war ja Mamas Geburtstag und wir wollten zum Cristo, zum Zuckerhut und und und … […]

    Nach einem überraschend guten Frühstück fuhren wir wieder nach Lapa und machten erstmal große Bescherung für meine Mama. Sie freute sich sehr über die Andenken, die wir aus jedem Land zu diesem Zweck für sie gesammelt hatten. Auch wir freuten uns und unsere Koffer waren wieder um 1 bis 2kg erleichtert. Mit dem Zug ging es dann rauf zur berühmten Christusstatue. Nachher ist Mama versehentlich fast weggelaufen, ich bin ihr etwas übertrieben panisch hinterhergesprintet. Das war ich nicht gewohnt so aufpassen zu müssen, aber im Nachhinein war es lustig. Oben angekommen war es wie in meiner Erinnerung (ich war vor 3 Jahren ja schon einmal hier): voll und eng an eng. Es ist echt schwierig dort Fotos ohne Menschenmassen zu schießen. Trotzdem genossen wir den Ausblick über ganz Rio und gaben unser bestes die Motive in Szene zu setzen.

    Nachdem wir in Botafogo erst zu früh ausgestiegen sind, schafften wir es trotzdem zum Zuckerhut. Diesmal ging es mit der Seilbahn hoch – puh, dabei war es ganz schön windig geworden. Für mich war es eigentlich nichts Neues, hatte ich es doch 2014 alles schon einmal alleine erlebt, aber es freute mich umso mehr, dass alles mit meinen beiden Liebsten teilen zu können. Nach einem entspannenden Bier und einem ersten Kurzbesuch am Ipanema Beach wurde es frisch und wir machten uns auf die Suche nach einem Restaurant. Der Drang nach Abwechslung führte uns zu einem kleinen Araber, der landestypische Spezialitäten anbot. Sein wirklich leckerer Falafelteller überzeugte uns vollends. Zur Krönung des Feiertages bekam ich am Ende des Abends noch vollkommen unerwartet die Note meiner Bachelorarbeit. Tatsächlich 97/100 Punkten, Wahnsinn! Das war ein guter Tag 😊 Darauf noch ein paar Caipis!

    Heute hat es sich dann leider mal richtig eingeregnet und so blieben nicht viele Alternativen außer mal ein bisschen Shoppen zu gehen. Dafür fuhren wir nach Ipanema. Beim Schlendern durch den Regen verging die Zeit und wir hatten langsam Hunger. So kehrten wir wieder bei unserem liebgewonnenen Araber „Baghdad“ ein. Am Ende des Tages kam Mama noch kurz mit hoch nach Santa Teresa. Wir nahmen uns vor, dass auch nochmal bei Tag zu machen!“

    Tagebuchausschnitt (Henrik), Brasilien 04.10.2017:

    „[…] Nach diesem kleinen Dschungel-Abenteuer im Tijuca-Forest beeilten wir uns dann ein wenig, denn wir wollten bei dem überragenden Wetter unbedingt noch ein paar Minuten in Ipanema am Strand liegen. Dort angekommen wussten wir dann auch, wo die ganzen Menschen waren. Ipanema war proppevoll und es herrschte hektisches Treiben. Zig laufende Verkäufer von Maiskolben, Zigaretten, Caipis, ja sogar Bikinis, wollten uns ihre Waren ans Herz legen. Wir haben uns nach einem wunderschönen Sonnenuntergang allerdings eher an den Ständen des angrenzenden Hippie-Markts ausgelassen und eine letzte Fuhre Andenken und Mitbringsel für uns, Familie und Freunde besorgt. Den Abend, den letzten von Hannahs Mutter, ließen wir dann ein weiteres Mal bei Buffetessen und obligatorischen Caipis in aller Ruhe ausklingen.

    Montag ging es dann nochmal bei schönem Wetter an die berühmten Selarón Stufen und es wurde mit der altertümlichen Bimmelbahn über die Berge von Lapa gefahren. Wie die gesamten Tage hier, ja eigentlich die gesamte Reise, ging auch dieser Tag mega schnell um und schwupps – standen wir abends vorm Taxi und mussten uns von Hannahs Mutter verabschieden, die ihren Rückflug antreten musste. Uns blieb noch ein weiterer Tag in Rio, an dem es aber wieder einmal nur regnete. Trotzdem machten wir uns noch auf, denn ich wollte wenigstens noch das Maracanã erleben, wo Deutschland vor gut 3 Jahren Weltmeister wurde. Da es terminlich leider wieder nicht zu einem Spiel reichen sollte, machten wir wenigstens eine Führung. Diese war absolut ihr Geld wert und gewährte unter anderem intime Einblicke in die Kabinen. Den angepeilten Zoo haben wir dann anschließend links liegen gelassen und sind dafür mit dem Express-Bus nochmal quer rüber zur Copacabana. Ach ja, im Stress heute Mittag habe ich mir dann noch ein weiteres Andenken mitgenommen, denn der Schlüssel vom Hostel begleitet uns auf unserem Flug.“

    Herrlich! Ehrlich?

    Rio de Janeiro ist ein bekanntes, beliebtes und belebtes Reiseziel. An den allermeisten Tagen sind die genannten Highlights völlig überlaufen. Daher können wir nur zu Zeiten raten, wo vielleicht nicht Hochsaison ist, früh morgens oder wochentags.  Wir hätten an dieser Stelle noch deutlich mehr nennen können, vielleicht sogar müssen. Doch da wir hiermit unsere persönliche Auswahl darstellen möchten, musste einiges hinten runter fallen. Denn Rio de Janeiro bietet wirklich unglaublich viele Tipps und Möglichkeiten. Wir maßen uns nicht an diese illustre Metropole wirklich intensiv kennengelernt zu haben. Festhalten möchten wir allerdings, wir haben uns ob der Kriminalität zu keinem Zeitpunkt gefährdet oder gar unsicher gefühlt. Natürlich sollte man nicht sorglos agieren und die Realität und Lebensumstände vieler Menschen vor Ort im Hinterkopf behalten, aber wir haben glücklicherweise keinerlei Erfahrungen diesbezüglich machen müssen und das obwohl (oder gerade weil) wir sogar Unterkunft mitten in einer der „gefährlichen“ Favelas bezogen. Aber dazu mehr im nächsten Beitrag!  

    Kontär ist das Bild der Stadt dennoch. Bruchbuden zieren sich vor hochmodernen Bankgebäuden, Obdachlose liegen nachts vor dem Instagram-Hotspot, den Stufen von Selarón. In Brasilien läuft sozialpolitisch einiges mehr als suboptimal. Das spürt man, wenn man auch mal hinter die Fassaden schaut.

    Reisedaten

    Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

    Lateinamerika:
    Reisezeit: August - Oktober 2017
    Reisedauer: 50 Tage
    Brasilien:
    Reisezeit: September - Oktober 2017
    Reisedauer: 8 Tage
    Unterkunftsart: Hostel in Favela

    geschrieben von Henrik

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  • Argentinien - Iguazú Wasserfälle - Thumbnail

    Iguazú National Park – Das Spektakel der größten Wasserfälle der Welt

    Ein Ziel unserer Lateinamerika-Reise, worauf wir uns mit am meisten freuten und auch im Nachhinein eines der absoluten Highlights war, sind die Wasserfälle von Iguazú! Mit einer enormen Wucht, größer als die Niagara-Fälle und die Victoria-Fälle, hat uns Iguazú nachhaltig beeindruckt. Wir gingen den Tag nicht als stille Genießer an. Im Gegenteil! Unsere inneren Adrenalinjunkies erwachten zum Leben und so wurde unser Tag auf der argentinischen Seite der Wasserfälle zum Once-in-a-lifetime-Moment. Wir haben dir in diesem Beitrag die wichtigsten Informationen sowie persönliche Eindrücke zusammengestellt – von der Organisation über die Gestaltung bis hin zu Aktivitäten im und um den Iguazú National Park.

    Ausblick auf die Wasserfälle von Iguazú
    Iguazú National Park – Wissenswertes zum Weltnaturerbe

    Die Wasserfälle von Iguazú liegen am Dreiländereck von Argentinien, Brasilien und Paraguay, wobei diese nur von den ersten beiden genannten Ländern direkt sichtbar sind. Demnach gibt es zwei Seiten, von wo aus die Iguazú Fälle betrachtet werden können. Analog zur Wirkung und Optik der Wasserfälle selbst, unterscheiden sich ebenso die Schreibweisen. Die Cataratas de Iguazú auf Spanisch stehen den portugiesischen Pendant Cataratas do Iguaçu gegenüber. Wir verwenden in diesem Beitrag die spanische Schreibweise, weil wir die argentinische Seite besucht haben. Iguazú kommt aus dem Guaraní und bedeutet so viel wie „Großes Wasser“. Es ist übrigens der Fluss selber, der den tosenden Wasserfällen ihren Namen gibt.

    Ein Großteil des Gebietes ist durch einen Nationalpark geschützt. Dieser ist von UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt worden und erstreckt sich sowohl über Argentinien als auch Brasilien. Im Vergleich zu den ca. 34m hohen Niagarafällen, erreichen die größten Wasserfälle im Iguazú National Park bis zu 82m. Über insgesamt 2,7km existieren 20 große und 255 kleinere Fälle, wovon der sogenannte Teufelsschlund mit Abstand der größte ist (dazu später mehr). Na, jetzt bist du baff oder?! Diese Wassermengen können einen sprichwörtlich erschlagen.

    Puerto Iguazú – Die argentinische Seite der Wasserfälle

    Die Mehrheit der rund 275 Wasserfälle liegen auf der argentinischen Seite des Iguazú National Parks. Dies hat zur Folge, dass man von dieser Seite aus definitiv näher dran ist. Die brasilianische Seite hat ihren Charme wohl daher eher im Panorama aus der Ferne. Wir haben uns für die argentinische Seite entschieden und werden hier deshalb auch nur dafür sprechen können.

    Der nächstgelegene Ort und damit auch Ausgangspunkt ist Puerto Iguazú. Das Örtchen besitzt einen eigenen Flughafen, der von uns aus Buenos Aires aus kommend genutzt wurde. Eine Anreise mit dem Bus ist auch möglich. Puerto Iguazú an sich ist sehr übersichtlich. Ähnlich wie wir es bei anderen typischen „Ausgangsorten“, wie z.B. Uyuni, bereits erfahren haben. Supermärkte, Restaurants, Hostels und Reisebüros bieten alles was man für einen Aufenthalt dort braucht. In den Reisebüros findest du bereits organisierte Touren für einen oder mehrere Tage. Wir entschieden uns für den frühestmöglichen Bus, der direkt vor die Eingangstore des Iguazú National Park fährt. Wenn du Geld sparen willst, solltest du dich definitiv dafür entscheiden. Das klappt alles ganz einfach und reibungslos! Der Eingang erinnerte uns auf den ersten Blick etwas an das Phantasialand©. Aufgrund der Frühe mussten wir kaum anstehen und das Abenteuer konnte losgehen…

    Auf zur brasilianischen Seite der Iguazú Fälle!

    Du willst alles über die brasilianische Seite erfahren? Dann schau doch bei Footprints2Happiness vorbei und lass dich inspirieren.

    Organisation und Ablauf – Was erwartet mich im Park?

    Um die Frage erst einmal ganz episch zu beantworten: Dich erwartet fantastischer Dschungel, eine ohrenbetäubende tosende Geräuschkulisse und ein atemberaubendes gigantisches Panorama, wie du es vermutlich wenn überhaupt sehr selten erlebt hast! Auf deiner Südamerika Bucket-List sollten die Iguazú Wasserfälle definitiv ganz weit oben stehen.

    Preise und Öffnungszeiten

    Nun zu den Fakten. Der Eintritt in den Iguazú National Park beträgt für ausländische Erwachsene 800 argentinische Pesos. Das sind je nach Schwankungen des Wechselkurses rund 12€. Geöffnet ist der Park von 8 Uhr bis 18 Uhr. Wir haben den Bus um 07:15 Uhr genommen und waren kurz vor Öffnung (typisch deutsch) pünktlich vor Ort.

    Der Park und seine Highlights

    Direkt zu Beginn bekommst du einen Übersichtsplan mit eingezeichneten Highlights und Wegen. Auch dies erinnerte uns irgendwie an einen Freizeitpark. Zu Fuß erkundbar sind der Circuito Inferior und der Circuito Superior, quasi der untere und der obere Rundweg. Wie die Namen verraten, können die Wasserfälle vom Circuito Inferior von unten betrachtet werden, während der obere Weg einen Blick vom Kopfe der Fälle ermöglicht. Beides ist absolut beeindruckend!

    Vom Circuito Inferior gibt es ebenso die Möglichkeit mit dem Schlauchboot innerhalb weniger Minuten auf die Insel San Martín überzusetzen. Dort befindet sich sogar ein kleiner Strand mit Blick auf die wunderschönen Wasserfälle. Eine kleine Wanderung bringt dich zu einem Aussichtspunkt, der wirklich ein absolutes Muss ist! Trocken bleibst du da auf jeden Fall nicht ganz.

    Iguazú - Aussichtspunkt von San Martín

    Was du nicht unterschätzen solltest: Der Iguazú National Park auf der argentinischen Seite ist insgesamt fast 68.000 Hektar groß. Vom Circuito Superior bringt dich ein kleiner Zug (im Preis inklusive) zur Hauptattraktion, der Garganta del Diablo („Teufelsschlund“). Nach ca. 1km Fußweg über den Rio Iguazú erreichst du das Ziel, hören wirst du es schon viel früher. Schaut man für mehrere Sekunden auf die herabprasselnden Wassermassen wird man fast hypnotisiert!

    Video abspielen

    Für Backpack Stories TV * haben wir einen Reisevortrag zum Thema „Argentinien & Brasilien – Von der Großstadt in den Dschungel“ gedreht. Schau doch mal vorbei!

    [*Affilate Link]
    Aktivitäten – Adrenalin oder stiller Genuss?

    Spätestens nach dem Eingang des Parks solltest du dich entscheiden, ob du Action willst oder ob dir das ruhige Betrachten dieses Naturwunders ausreicht. Auch die Kleiderauswahl spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle, weshalb eine frühere Entscheidung sogar noch besser wäre. Die Action, auf die wir uns beziehen, trägt den Namen Aventura Náutica („Wasserabenteuer“).

    Im Prinzip hast du 3 Optionen:

    • Paseo Ecológico (700 ARS) – ruhige Schlauchbootfahrt durch das Delta des Flusses Iguazú
    • Gran Aventura (3000 ARS) – wilde Speedboat-Fahrt durch Stromschnellen und direkt zur Dusche unter die „kleineren“ Wasserfälle
    • Keine Wasserabenteuer

    Dreimal darfst du raten, für was wir uns entschieden haben. Ja, natürlich Nummer 2! Der Spaß ist zugegebenermaßen recht schnell vorbei und mit ca. 43 € nicht gerade günstig. Wir waren trotzdem rundum glücklich und können es jedem Adrenalinjunkie nur ans Herz legen. Außerdem beinhaltet das Gran Aventura noch eine Safari-Tour im Jeep durch den Dschungel, bei der einem die Flora und Fauna nähergebracht wird.

    Hier die offizielle Website des Tour-Anbieters:
    http://www.iguazujungle.com/eng/

    Auch alleine das Spazieren durch den Nationalpark ist ein großes Erlebnis. Zwar sind die Wasserfälle selbst vermutlich für jeden das Spektakulärste, aber auch die Flora und Fauna versetzt einen in eine Traumwelt. Tausende von Schmetterlingen in verschiedensten Farben und zwitschernde Vögel untermalen die Dschungel-Atmosphäre. Auf den Wegen kannst du ab und an auch Nasenbären oder Echsen begegnen. Hier ist jedoch etwas Vorsicht geboten, insbesondere bei den erstgenannten Artgenossen. Auf Füttern solltest du unbedingt verzichten!

    Wege durch den Iguazú Nationalpark
    Guïra Oga – Abwechslungsreicher Tagesausklang

    Auf dem Rückweg vom Iguazú National Park nach Puerto Iguazú liegt eine Auffangstation für hilfsbedürftige Tiere des anliegenden Dschungels, die den Namen Guïra Oga trägt. Der Name stammt aus der lokalen Sprache Guaraní und heißt übersetzt so viel wie „Haus der Vögel“. Wenn man es wie wir nicht auf die brasilianische Seite schafft, ist ein Besuch dort eine sehr gute Alternative zum Parque das Aves. Nicht nur Vögel, sondern auch andere hilfsbedürftige Tiere des Dschungels wie z.B. Affen werden hier aufgepäppelt, vor Wilderei gerettet oder deren Bestand stabilisiert. Stets mit dem Ziel, den Tieren wieder Zugang zu ihrem natürlichen Zuhause zu schaffen. Die Pfleger sind wirklich nett und erklären den Besuchern in aller Ruhe die Geschichten der Tiere. Die letzte Kleingruppen-Tour startet gegen 17 Uhr und der Eintritt beträgt eine Spende in Höhe von ca. 6€.

    Tagebuchausschnitt (Henrik), Argentinien 26.09.2017:

    „Wow, was war das für ein Tag! Ja, der heutige Tag an den Wasserfällen von Iguazú war mit Sicherheit der teuerste Tag auf unserer langen Reise, aber auch eines der spektakulärsten und intensivsten Erlebnisse. Schon jetzt fällt es mir schwer jedes einzelne Detail wiederzugeben, so viel haben wir gesehen und so beeindruckt waren wir.

    Los ging es mal wieder in aller Frühe. Wir hatten uns vorher entsprechend informiert und uns daher für die argentinische Seite, die wohl schönere und lohnenswertere Seite entschieden. Allerdings war dadurch der Besuch des großen Vogelparks auf der brasilianischen Seite nicht möglich. Doch selbst dies wurde später noch ersetzt. Beide Seiten an einem Tag unterzubringen ist wirklich ziemlich unmöglich…

    Der Iguazú National Park war groß ausgebaut und komplett touristisch erschlossen. Anfangs hat man sogar eher den Eindruck, es sei eine Art Freizeitpark. Aber hier sind die Wasserfälle, das Wildwasserrafting und der Dschungel echt! So gönnten wir uns zusätzlich das „große Abenteuer“, eine Jeeptour durch den Dschungel und eine Raftingtour durchs Wildwasser, die zum Abschluss einmal quer durch die Wasserfälle fahren würde.

    Obwohl wir an diesem Morgen die allerersten Besucher waren und in der ersten Tour Platz nehmen konnten, knallte die Sonne schon vom Himmel. Wir hatten ausnahmsweise mal Glück mit dem Wetter, da sich die Gegend sonst quasi durch ständige Regenzeit auszeichnet. Und so war dann der einzige Regen den wir erfuhren, die prasselnden Wassermassen der Wasserfälle. Es war eine angenehme Erfrischung, aber auch echt hart und heftig als wir mit dem Speedboat wirklich komplett unter einem Wasserfall verschwanden. Ausnahmslos alle waren klitschnass und das Wasser stand literweise im Boot, aber es war ein Heidenspaß!

    Unsere Beutel waren wasserdicht verpackt worden, so dass wir uns keine Sorgen um unser Equipment machen mussten und auch wir waren etwas später schon wieder gut getrocknet. Nach diesem rasanten Beginn ging es erstmal auf die Insel San Martín, um einen kurzen Abstecher auf den dortigen „Mirador“ zu machen. Von diesem Aussichtspunkt sahen wir die Wasserfälle, die Boote, die Natur und konnten von oben herab wunderschöne Aufnahmen machen. Anschließend ging es auf einen der großen Trails, den vorgegeben Wanderrouten zum Erkunden des Parks und der Wasserfälle aus den verschiedensten Blickwinkeln. Eine circa 15-minütige Fahrt mit einer kleinen Bahn brachte uns dann in Fußnähe zur „Garganta de Diablo“, dem Teufelsschlund. Der so benannte größte Wasserfall bildet einen zu 2/3 geschlossenen Kreis und war ohne Zweifel das Highlight des Parks. Es war wirklich beeindruckend den unglaublichen Wassermassen dabei zuzusehen. Wir hatten sogar noch gelesen, es soll anfangs der Woche montags und dienstags meistens etwas weniger sein, aber noch mehr war nicht vorstellbar.

    Ansonsten wanderten wir über die abgesteckten Rundgänge. Wir erlebten typischen Regenwald mit all seinen Pflanzen, enorm vielen, großen und prächtigen Schmetterlingen und leider auch Moskitos. Dazu sahen wir einige Nasenbären, aber leider keine Äffchen, keine Papageien oder Tukane. Daher beeilten wir uns dann am späten Nachmittag ein wenig, um noch den letzten Rundgang in einer Aufzuchtstation kurz vor Puerto Iguazú, hatten, zu schaffen. Denn dort sollte es die erwähnten Tiere alle geben. Es war eine wirklich gute und interessante Führung. Gerade hier war es eine lohnenswerte Investition, da wir Papageien, Tukane, Falken, Äffchen und unzählige andere aufgefangenen Tiere aus nächster Nähe betrachten durften. In dieser Station sollten diese teilweise ausgesetzten, missbrauchten oder verunglückten Tiere wieder fit für das Leben da draußen gemacht werden oder falls dies nicht mehr möglich ist, so noch Nachkommen produzieren.

    Ein gutes Projekt, welches wir so gerne direkt unterstützten. Es war mal wirklich alles zu unserer Zufriedenheit und es ging frohen Mutes auf den Flug nach Rio!“

    Herrlich! Ehrlich?

    Oft haben wir gelesen, dass ein Tag für die argentinische Seite der Iguazú Wasserfälle nicht ausreichen würde. Unserer Erfahrung nach tut es das schon. Mit Sicherheit hätte es vielleicht entspannter ablaufen können, mehr Zeit kann man sich immer lassen. Unsere Ambition für dieses Reiseziel lag jedoch nicht primär in der Ruhe und Entspannung, sondern in Action. Wir haben alles gesehen und erlebt, was wir wollten. Nein, eigentlich hat unser Besuch unsere Erwartungen sogar übertroffen.

    Dann wäre da noch das „Phantasialand-Gefühl“. Irgendwie passt alles in Bild – der Eingang, die Übersichtspläne und natürlich die „Wildwasserbahn“. Einerseits war der Eindruck für uns negativ behaftet, da es auf den ersten Blick das Gefühl von Authentizität, Freiheit und Natürlichkeit mindert. Andererseits ist es nun mal ein geschützter Nationalpark, der einen logistischen Rahmen erfordert. Nicht nur zum Schutze der Natur, sondern in diesem Falle auch der Besucher. Der Preis für die Speedboot-Tour ist natürlich recht happig, aber definitiv den Spaß und das Erlebnis wert.

    Beim besten Willen ist dies auch das Einzige, was annähernd, je nach Betrachtungsweise, nicht ganz so herrlich ist. Jetzt mal ehrlich! Die Iguazú Wasserfälle sind einfach der absolute Wahnsinn und auf unserer Highlight-Liste ganz weit oben, wenn nicht sogar der Spitzenreiter!

    Reisedaten

    Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

    Lateinamerika:
    Reisezeit: August - Oktober 2017
    Reisedauer: 50 Tage
    Argentinien:
    Reisezeit: September 2017
    Reisedauer: 7 Tage
    Unterkunftsart: Hostel

    geschrieben von Hannah

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