Uruguay - Colonia del Sacramento

Colonia del Sacramento – Unser Abstecher nach Uruguay

Uruguay – das kleinste Land unserer Lateinamerika-Rundreise beherbergt gerade einmal knapp 3,5 Millionen Menschen. Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Berlin. Es gilt als das sicherste und wirtschaftlich stabilste Land Südamerikas. Dabei ist der Tourismus hier sicherlich nicht der Haupttreiber, denn gegenüber zuvor bereister Länder ist hier (noch) kein Hype ausgebrochen. Nur einen Katzensprung von Buenos Aires in Argentinien entfernt, wollten wir uns es nicht nehmen lassen, für einen Tag ein weiteres Land kennenzulernen. Und so fuhren wir mit der Fähre von Buenos Aires nach Colonia del Sacramento – nur dem Namen nach eine Art vorzeitige Heimreise zu unserem Zuhause in Köln.

Reisedaten

Lateinamerika:
Reisezeit: August - Oktober 2017
Reisedauer: 50 Tage

Uruguay:
Reisezeit: September 2017
Reisedauer: 1 Tag
Unterkunftsart: keine Übernachtung

Anreise aus Buenos Aires – How to go?

Zu Beginn ein kurzer Exkurs zum geografischen Verständnis. Colonia del Sacramento liegt am Río de la Plata direkt gegenüber von Buenos Aires. Die beiden Städte trennen nur eine Luftlinie von ca. 50km. Aufgrund der Tatsache, dass der Straßenweg schlappe 500km lang ist, bietet sich hier die Fähre an.

In Buenos Aires gibt es im Grunde genommen drei verschiedene Anbieter für Fährfahrten nach Uruguay. Buquebus, Seacat und Colonia Express. Alle Flotten bieten auch Online-Buchungen an, wobei wir dir eher die Buchung vor Ort in den entsprechenden Büros empfehlen würden. Dies hat zwei Gründe: Erstens hat bei uns die Online-Buchung bei Seacat nicht wirklich funktioniert, der Server ist mitten im Buchungsprozess immer wieder abgestürzt. Zweitens haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Preise in den Büros nochmal etwas günstiger sind. Vermutlich sind vor Ort noch so etwas wie Restposten verfügbar, welche online nicht zur Verfügung stehen.

Die Fährüberfahrten finden mehrmals täglich statt, sowohl hin als auch zurück. Die Dauer beträgt rund 90 Minuten, wobei bei der Einreise und der Grenzkontrolle noch etwas Zeit verstreicht. Schließlich reisen wir in ein anderes Land und bekommen damit verbunden auch einen weiteren Stempel in unseren Reisepass. Die Terminals erinnern tatsächlich auch an einen kleinen Flughafen.

Die Reisebüros der Anbieter befinden sich ebenso in fußläufiger Nähe zum Hafen in Buenos Aires. Allerdings ist der Transfer nicht gerade ein Schnäppchen. Wir haben bei Seacat für uns beide zusammen für Hin- und Rückfahrt umgerechnet 113€ bezahlt. Das war mit Abstand das günstigste, was man an einem Wochentag bekommen konnte. Gebucht haben wir sogar am selben Morgen für 12:30 Uhr.

Küste des Rio de la Plata in Colonia de Sacramento

Colonia del Sacramento – Unsere 4 Highlights

Colonia del Sacramento ist wirklich in keiner Weise mit Buenos Aires zu vergleichen. Die koloniale Kleinstadt ist sehr überschaubar, misst ca. 22.000 Einwohner und ist absolut zu Fuß erkundbar. Um genügend Zeit zu haben solltest du zwischen Ankunft und Abreise mindestens 4 Stunden haben. Wir finden, es ist keine geführte Tour notwendig. Bewaffnet mit einer Karte und gutem Schuhwerk genossen wir die Freiheit. Folgende Spots in Colonia del Sacramento sind uns in Erinnerung geblieben und stellen für uns die Highlights unseres Tagesausfluges dar.

1.) Calle de los Suspiros

Keine andere Straße der Stadt verkörpert so authentisch die Kolonialzeit wie die Calle de los Suspiros („Seufzerstraße“). Grobe Pflastersteine zieren die Straße, bunte Fassaden bilden die Gasse, der Charme versetzt einen irgendwie in vergangene Zeiten. Von oben kommend hat man am Ende der Calle de los Suspiros einen wunderschönen Blick auf den Río de la Plata. Die optische Schönheit der Gasse hat jedoch keine so schöne Geschichte. Man sagt, dass während der Kolonialzeit die Sklaven durch diese Straße geführt wurden, bevor man sie im Wasser des Río de la Plata ertrinken lies. Nichtsdestotrotz lädt die Calle de los Suspiros heutzutage einfach zum Entspannen und Flanieren ein. Übrigens ist Colonia del Sacramento die älteste Stadt Uruguays!

Calle de los Suspiros in Colonia del Sacramento

2.) Weitläufige Strände

Colonia del Sacramento ist unheimlich grün. An den Straßenrändern blühen die Sträucher und Blumen, Bäume umsäumen die Küste auf satten Wiesen. Noch dazu hat die Kleinstadt auch naturbelassene Strände zu bieten. Wir zogen unsere Walking-Runde bis zum Playa Urbana Balneario Municipal, 3,6km vom Hafen entfernt. Dort legten wir eine Pause ein, setzten uns in den Sand und genossen die Aussicht aufs Wasser. Vorbei kamen wir auch am Playa Urbana Las Delicias, ein ebenso weitläufiger und breiter Sandstrand.

Playa Municipal in Colonia del Sacramento

3.) Stadtmauer

Unweit vom Anlegehafen entfernt wird man beim Spaziergang unweigerlich die Stadtmauer samt Festung entdecken. Die Mauern vor der Küste des Río de la Plata laden nicht nur Kinder zum Klettern und Spazieren ein. Schließlich hat man von dort aus einen noch tolleren Blick auf die Umgebung. Die „Bastión de San Miguel“ stellt am gleichen Ort ein ehemaliges Abwehrzentrum zur Kontrolle des Zugangs zum Río de la Plata dar. Kanonen sind dort noch immer vorhanden.

4.) Oldtimer

In der Altstadt von Colonia del Sacramento wirst du zahlreichen verrosteten Oldtimern begegnen. Das Flair erinnert etwas an Kuba. Die alten Wagen passen im historischen Zentrum perfekt ins Bild und harmonieren mit den bereits beschriebenen kleinen kolonialen mit Kopfstein gepflasterten Gassen.

Oldtimer in Colonia del Sacramento

Wissenswertes für deinen Tagestrip – Unsere 4 Tipps

1.) Geldmanagement – Kartenzahlung vor Bargeldzahlung

Bei der Einreise und der Planung deines Tagesausflugs nach Uruguay bzw. Colonia del Sacramento solltest du eine Sache auf jeden Fall wissen. Ein Bargeldtausch am Hafenterminal oder sogar schon in Buenos Aires lohnt sich für einen Tag überhaupt nicht. Zum einen akzeptieren selbst die kleinsten Souvenirläden gängige Kreditkarten wie VISA und Mastercard und verlangen auch keine Gebühren, die du hingegen beim Bargeldtausch fast immer zahlst. Zum anderen ist es in Restaurants mittlerweile Standard, dass es bei Kreditkartenzahlung 22% Rabatt gibt. Dies liegt daran, dass Uruguay auf diese Weise versucht den Tourismus anzukurbeln. Die 22% entsprechen nämlich genau der uruguayischen Mehrwertsteuer. Nicht zuletzt deshalb gilt Uruguay als durchaus teures Reiseland.

2.) Calabaza de Mate – Das Symbol Uruguays

Nahezu jeder Uruguayer ist förmlich mit seinem Mate-Becher („Calabaza de Mate“) verwachsen. Zwar ist der Konsum von Mate-Tee in Argentinien auch schon beachtlich, in Uruguay gehört dies allerdings tatsächlich zur Lebensphilosophie. Dies lässt sich daran erkennen, dass Uruguayos egal welchen Alters oder Geschlechts stets mit einem kleinen Becher aus Holz (Calabaza heißt übersetzt Kürbis) inklusive Metallstrohhalm sowie einer Thermoskanne mit heißem Wasser herumlaufen. Die Mate-Kräuter werden in großen Mengen in den Becher gefüllt und fortlaufend mit heißem Wasser übergossen. Der Metallstrohhalm ist gleichzeitig auch ein Filter, der die Kräuter im Becher hält. Calabazas de Mate findest du in zahlreichen Shops in verschiedensten Ausführungen. Wir haben wirklich sehr ansehnliche entdeckt und konnten nicht widerstehen, das Symbol Uruguays mit nach Hause zu nehmen.

3.) Öffnungszeiten – Nicht lange warten

Wir haben uns, wie erwähnt, für die Nachmittagsvariante entschieden. Demnach planten wir die letzte Fähre um 18:30 Uhr nach Buenos Aires zurück zu nehmen. Uns fiel auf, dass viele schöne kleine Lädchen an der Küste bereits gegen 17 Uhr geschlossen hatten. Sehr zu unserem Ärger, weil wir ins Auge gefasste Andenken so nicht mehr kaufen konnten. Größere Geschäfte hatten noch geöffnet. Den Grund für das frühe Schließen konnten wir nicht herausfinden. Habe das jedoch im Hinterkopf, wenn du zu Beginn deines Aufenthalts etwas Schönes siehst, das du gerne haben möchtest.

4.) Zeitmanagement – Wochenenden meiden

Beim Preisvergleich für die Fährüberfahrt unseres Tagesausflugs ist uns bereits aufgefallen, dass die Preise vom einen auf den anderen Tag enorm explodieren. Dieser Wandel fand exakt zum Wochenende statt. Teilweise steigen die Preise bis zu 50%, was offenbar die wirtschaftlichen Gesetze von Angebot und Nachfrage verursachen. Denn am Wochenende nutzen auch Argentinier diese Möglichkeit für einen Tagesausflug sehr gerne. Wenn du also zeitlich flexibel bist, solltest du unbedingt einen Wochentag wählen. Nicht nur wegen des Preises. Colonia del Sacramento scheint an Wochenenden laut Berichten tatsächlich aus allen Nähten zu platzen. Dies können wir aus unserem Eindruck nicht behaupten, da wir wochentags dort waren.

Segelboot am Rio de la Plata in Colonia del Sacramento

Tagebuchausschnitt (Hannah), Uruguay 22.09.2017:

„[…] Nachdem uns am Vortag die Online-Buchung kurzzeitig in den Wahnsinn getrieben hatte, weil sie ständig abgebrochen wurde, dachten wir schon unsere spontane Idee mit Uruguay klappt nicht mehr. Es war Freitag und zum Wochenende hin explodierten die Preise nahezu. So gingen wir bereits recht früh los um bei der Öffnung des „Seacat“ Büros direkt auf der Matte zu stehen und ergatterten doch noch Fährentickets für 12:30 Uhr. Sogar leicht günstiger als online!

Nach einer ruhigen Fahrt kamen wir in Colonia del Sacramento an. Dem Namen nach zu urteilen also fast schon wieder Zuhause. Allerdings bekommen wir in unserem Köln definitiv nicht einfach unsere Empanadas bei der Einreise abgenommen. Na ja, weiter geht‘s, wir finden schon was zu essen hier. Mit einer Karte machten wir uns los Richtung Centro Histórico. Wir liefen vorbei an grünen Küsten, einer alten Stadtmauer und wunderschönen, kolonialen alten Gässchen. Mir gefällt es hier – und die Sonne scheint!

In der berühmten Calle de los Suspiros fanden wir einen kleinen Souvenirladen mit den omnipräsenten Matebechern. Jeder Uruquayo rennt gefühlt mit so einem Becher, gefüllt mit Matekräutern herum. Allerdings beschlossen wir erst unsere Runde zu drehen, um am Ende dann diese schönen Andenken zu kaufen. Ein Fehler! Denn später hatte der Laden einfach unerwartet schon zu und wir mussten auf eines der letzten geöffneten Lädchen zurückgreifen. Dort gab es bei weitem nicht die Auswahl…

Das war aber auch das wirklich Einzige was heute nicht lief. Das Städtchen ist wirklich einen Ausflug wert und wir genossen die Zeit, die Ruhe, die Sonne an der uruguayischen Küste. Dabei verbrachten wir auch einige Zeit am Strand, bevor wir uns was Gutes, aber auch Erschwingliches zu Essen suchten. Ja, Argentinien und Uruguay machen einem das Leben echt nicht billig. Aber so langsam müssen wir uns auch mal wieder an deutsche Verhältnisse gewöhnen. Schließlich müssen wir bald wieder nach Hause. Aber soweit ist es noch nicht. Glücklich und mit einem weiteren neuen Stempel mehr im Reisepass kehrten wir zurück nach Buenos Aires und fielen erstmal ins Bett…“

Herrlich! Ehrlich?

Eigentlich können wir an dieser Stelle kaum Negatives anmerken. Einzig über die in Uruguay herrschenden Preise sollte man sich bewusst sein. Zwar ist das Leben in Argentinien schon nicht gerade billig, in Uruguay solltest du für ein Restaurantessen jedoch noch etwas mehr einberechnen. Allerdings geht es in diesem Beitrag auch nur um einen Tagesausflug, was dein Portemonnaie vermutlich nicht vollends sprengen wird.

Die Fähre gleicht tatsächlich einem Kreuzfahrtschiff – nicht nur größentechnisch. Da man sich zwischen zwei Grenzen bewegt, bieten zahlreiche Shops an Deck ihre Produkte steuer- und zollfrei an, was Menschenmassen in die kleinen Läden zieht. Wie auch am Flughafen sind die Preise trotzdem horrend. Naja – auch dies ist nicht unbedingt negativ aus unserer Sicht. Wenn man nicht will, kann man sich ja fern halten.

Ansonsten kann man bei einem Tagesausflug nach Colonia del Sacramento, egal ob aus Uruguay oder Argentinien kommend, überhaupt nichts falsch machen. Du wirst wirklich wunderschöne Ecken zum Spazieren und Ausruhen finden.

geschrieben von Hannah

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