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Erleben statt verleben – Lernen den Moment zu genießen

Kennst du das? Du freust dich monate- oder sogar jahrelang auf einen bestimmten Moment. Dann ist endlich dieser Moment gekommen und schwups – ist er vorbei und nur noch Erinnerung. Erst danach, manchmal erst viele Tage danach, wird die schöne Erinnerung wieder in deinen Gedanken lebendig, du erzählst allen mit Stolz davon. Was verloren gegangen ist, ist der Moment selber. Das Blöde: Man kann ihn nicht zurückholen, nicht exakt genauso nochmal erleben. Wie schade, wenn wir den Wert nur vorher und nachher schätzen. Wir haben offenbar verlernt den Moment zu genießen.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Noch als Kind dauerte es Ewigkeiten bis zum nächsten Geburtstag oder bis Weihnachten. Heute verstehen wir nicht, wo die letzten 5, 10 oder 20 Jahre geblieben sind. Warum? Objektiv gesehen kann die Zeit ja nicht schneller vergehen. Es ist also unser subjektives Empfinden. Was beeinflusst das subjektive Empfinden? Was hat sich zum Zeitgefühl als Kind verändert?

Das Leben im Rückspiegel

Im Rückspiegel sehe ich, dass sich das Leben im Laufe der Jahre zunehmend mit Verpflichtungen gefüllt hat. Lass uns all die Verpflichtungen mit einem Rucksack vergleichen. Der Reisende kann mit dieser Metapher vermutlich viel anfangen. Im frühen Kindesalter ist unser Rucksack ein Leichtgewicht. Klar, wir bekommen den ganzen Ballast von unseren Eltern abgenommen, da wir noch gar nicht die Kraft haben, diesen selbst zu tragen. In der Schulzeit kommt etwas mehr Gepäck dazu: Hausaufgaben, Prüfungen, Stundenplan…Ist die Schule erfolgreich abgeschlossen folgt vielleicht ein Studium. Wir müssen vielleicht umziehen, haben erstmals einen eigenen Haushalt, der plötzlich die Anzahl der Verpflichtungen um ein Vielfaches erhöht. Vermutlich müssen wir nebenbei noch arbeiten, um über die Runden zu kommen.
Ausgewachsen heißt wir sind im Vollbesitz unserer Kräfte und sind nun in der Lage unseren Rucksack selbst zu tragen. Der Rucksack wird schwerer und schwerer. Vieles davon ist der normale Lauf des Lebens. Vieles davon lässt sich nicht vermeiden. Interessant ist jedoch an unserem Verhalten, dass wir uns diesen Rucksack mit eigenen oder fremden Anforderungen, Erwartungen und daraus resultierenden ToDo’s im Alltag zusätzlich schwerer machen. Es ist als ob wir uns das Leben im wahrsten Sinne des Wortes selbst schwer machen.
Um unseren Rucksack zu leeren und uns zu entlasten, hetzen wir durch den Tag, die Woche, den Monat das Jahr ohne zu merken, dass er sich währenddessen permanent wieder befüllt. Und wir fangen von vorne an. Demnach kommen wir nie zu Ruhe, machen keine Rast. Dabei werden alle schönen Momente im Rucksack vergraben, weil diese leicht sind. Stattdessen grübeln wir über die Fehler unserer Vergangenheit oder machen uns Sorgen um unsere Zukunft. Beim Versuch schneller zu werden um uns vom Ballast zu erleichtern, bemerken wir eines nicht: Die Zeit wird uns immer einen Schritt voraus sein.

Das Szenario ist auf diverse Bereiche des Lebens übertragbar. Vielleicht kommt dir das alles bekannt vor. Es ist dennoch gut möglich, dass dir die Übertragung auf dein eigenes Leben bzw. einen bestimmten Bereich schwer fällt oder auch gar nicht zutrifft. Das ist nicht schlimm, sondern sogar sehr gut! Trotzdem möchte ich das oben Beschriebene gerne auf die Situation „Urlaub“ anwenden.

Momente auf Reisen erleben

Also nochmal von vorne: Kennst du das? Du freust dich monate- oder sogar jahrelang auf deinen Urlaub, darauf endlich die blöde Arbeit hinter dir zu lassen, darauf was du dir schon lange verdient hast. Dann ist endlich dieser Moment gekommen. Dein letzter Arbeitstag. Morgen steigst du ins Flugzeug oder ins Auto oder in den Zug. Du wachst auf und findest dich auf der Arbeit wieder. Der Urlaub ist vorbei. Kannst du von dir behaupten, dass du den Urlaub genossen hast, hast du vieles richtig gemacht. Fühlst du dich erholt? Verlief alles nach deinen Vorstellungen? Wenn nicht, solltest du dich zwei Dinge fragen, damit du nicht aus dem Urlaub, mit dem du eigentlich dem Stress entfliehen wolltest, noch gestresster zurückkommst:

  1. Wolltest du zu viele Dinge, Orte und Erlebnisse in zu wenig Zeit pressen, um möglichst viel zu erleben? Dann tust du das gleich wie in deinem Alltag: Deinen Rucksack vollladen.
  2. Hast du vielleicht vergessen deinen „Lebensrucksack“ zuhause zu lassen? Am Strand liegend fällt dir ein, dass du nach deinem Urlaub einen unangenehmen Geschäftstermin hast. Oder du fürchtest dich vor einer sich ankündigenden Rechnung im Briefkasten.

Beantworte beide Fragen mit „Nein“ und du kannst deine Auszeit genießen.

Von Vergänglichkeit und Spaß im Leben

Jetzt wirst du vielleicht entgegenhalten, dass alles Schöne viel zu schnell vorbeigeht. Ja, ich gebe dir Recht. Rein evolutionär konzentriert sich unser Bewusstsein eher auf das Negative, eher auf die Bedrohung. Doch was früher Sinn gemacht hat, macht uns heute mangels akuter Bedrohungen das Leben schwer und wir empfinden mehr Bedrohung als wirklich vorhanden ist.

Das Tun ist das Eine, das Bewusstsein das Andere. Das Essentielle ist: Tust du das Schöne (was auch immer das sein mag) der Tätigkeit halber, weil du es dir vorgenommen hast oder bist du dir im Moment des Tuns darüber bewusst, dass dies gerade etwas Schönes ist? An dieser Stelle ein kleiner Tipp auf den Urlaub bezogen: Schreib dir den Urlaubsbeginn oder eine bestimmte Sache im Urlaub dick und fett auf einen Post-It in deinen Kalender, nimm diesen Post-It mit in den Urlaub, klebe ihn z.B. auf deinen Reisepass. Es kann auch nur ein einzelnes Wort sein, wie z.B. „GENIEßEN“ in Großbuchstaben, damit du dir auch des Moments bewusst bist. Denn nur dann bist du in der Lage diesen zu erleben statt vorbeiziehen zu lassen.

Womit hast du den Großteil deiner Kindheit verbracht? Vermutlich steht Spielen bei den Aktivitäten ganz oben. Was verleitet uns als Kind zum Spielen? Ganz einfach: Es macht Spaß. Nun sind wir zwar keine Kinder mehr, aber wer verbietet es uns nicht trotzdem Spaß zu haben? Lasst uns aus unserem Rucksack die unnötigen schweren Dinge schmeißen und stattdessen leichte schöne Momente einpacken. Fällt es dir schwer, kleb deinen Rucksack doch einfach mit Post-It’s voll.

Einen weiteren schönen Beitrag zu diesem Thema findest du hier:

https://www.einfachganzleben.de/meditation-achtsamkeit/den-gegenwaertigen-moment-geniessen

Wir haben unsere Momente selbst in der Hand

Man kann die Zeit objektiv nicht anhalten oder beschleunigen (oder Wissenschaftler haben es noch nicht herausgefunden). Das Subjektive können wir aber sehr wohl steuern. Lassen wir es zu, dass ein langersehnter besonderer Moment länger andauert, indem wir ihn genießen. Momente machen das Leben lebenswert. Positiv erlebte und gefühlte Momente wiegen leicht in unserem Rucksack und verhelfen uns dazu beschwingt durchs Leben zu gehen. Sammle sie und schmeiß sie nicht weg!

geschrieben von Hannah

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