Ausblick von der Insel Santorini - Thumbnail

Insel Santorini – Lohnt sich der Kykladen Klassiker?

Wenn man an eine typische griechische Insel denkt, fällt oft der Name Santorin. Wobei es eigentlich Santorini heißen müsste…Und noch eigentlicher Alt-Thera. So heißt nämlich die große, bewohnte, touristische Hauptinsel. Nach den ruhigeren Tagen auf Milos wollten wir uns diese trotzdem nicht entgehen lassen und die besonderen Umstände der Reise nutzen. Wann würden wir die Insel Santorini einmal so leer erleben können? Oder würde es trotzdem voll werden? Was steckt hinter dem Hype dieser Kykladeninsel? Wir waren gespannt auf unsere dritte und letzte Station unserer kleinen Griechenlandreise, dem Kykladen Klassiker Santorini und haben hier für euch wertvolle Reisetipps zusammengestellt.

Reisedaten

Reisezeit: September 2020
Reisedauer: 3 Tage
Unterkunftsart: Apartment Hotel

Allgemeines über die Insel Santorini

Die Inselgruppe Santorini, die wir heutzutage im Deutschen meist unter dem Namen Santorin kennen, besteht aus 5 Inseln. Neben der Hauptinsel Alt-Thera aus den Vulkanbruchteilen Nea Kameni, Palea Kameni und Thirasia sowie der kleinen, unbewohnten Insel Aspronisi. Der Name Santorini stammt von den Venezianern und bezieht sich auf Santa Irene, die heilige Irene. Ihre Basilika aus frühchristlichen Zeiten finden man noch heute in Perissa. Doch vor allen Dingen ist Santorini eine Vulkaninsel. Landschaftlich geprägt von einer Vielzahl von Eruptionen, alleine drei im 20. Jahrhundert, ist der Kameni Vulkan der aktivste im östlichen Mittelmeer. Was die Insel Santorini dem Touristenherz noch so alles bietet und was du in 3-4 Tagen alles erleben kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Ausblick auf Oia auf der Insel Santorini

Ankunft mit der Fähre – Abflug vom Flughafen

Die Fährfahrt von der Insel Milos auf die Insel Santorini war schnell und wild. Der Seajet flog nur so über das Wasser und nicht nur Hannah war etwas unwohl in der Magengegend. Angekommen im Hafen von Santorini atmen wir erstmal durch. Allerdings keine angenehme Luft, denn dieser Hafen gleicht vielmehr einem Industrieloch. Mehr als eine Herberge für ankommende Boote, Fabriken und Dreck zu sein, kann dieser Ort jedenfalls nicht. Also schnell weg hier!

Dazu muss mit etwas Verhandlungsgeschick ein günstiger Transfershuttle zum Hostel akquiriert werden, da es wohl weder Linienverkehr noch offizielle Taxis gibt. Für unseren Transfer zur Unterkunft im 5km entfernten Megalochori handelten wir zusammen 15€ aus (anfangs 30€). Selbst ein vorab gebuchter Transfer über unser Hostel hätte 30€ gekostet. Trotzdem ließen wir uns für mögliche weitere Transfers eine Visitenkarte vom Fahrer geben. Hartnäckig sein lohnt sich hier definitiv, denn die Fahrer haben nur eine Alternative: Leere Plätze.

Für diesen stattlichen Preis erwarten dich dann luxuriöse, klimatisierte Kleinbusse, die dich erstmal die Serpentinen herauf bugsieren. Ähnlich war es auch drei Tage später bei unserer frühmorgendlichen Abfahrt zum Flughafen, wo wir um 6:30 Uhr für eine ähnliche Distanz 20€ zahlten.

Megalochori – Die ruhige Seite der Insel Santorini

Dorf Megalochori auf der Insel Santorini

Megalochori liegt ziemlich in der Mitte von Alt-Thera, der Hauptinsel Santorinis, zwischen dem Hafen im Westen und dem Flughafen im Osten, hoch oben nahe der Caldera. Caldera ist übrigens das spanische Wort für Kessel. Gemeint ist hier der Kessel des Vulkans, denn wie anfangs erwähnt sind die Inseln Santorinis letztendlich eine Kraterlandschaft. Die schroffe Felsküste der Calderawand auf Alt-Thera zieht sich über 11km von Norden nach Süden und ist teilweise 150 bis 350m hoch. Von oben herab offenbart sich ein Wahnsinnsausblick!
Wir hatten uns bewusst für einen kleinen, ruhigen Ort und dafür eine etwas komfortablere Unterkunft entschieden. Unter kamen wir ein paar hundert Meter abseits des Dorfzentrums im Abelonas Village. 

Abelonas Village

Dies hier ist keine bezahlte Werbung, sondern eine Weiterempfehlung aus tiefstem Herzen. Selten wurden wir auf unseren vielen Reisen von einer Unterkunft derart herzlich aufgekommen.
Im Abelonas Village erwartete uns ein Pool, gähnende Leere und jede Menge Kätzchen. Ein wenige Monate altes Kätzchen mit ganz besonders geschecktem Fell hat Hannah gleich liebgewonnen und am liebsten nicht mehr gehen lassen. Aber auch unabhängig davon waren wir von unserem Apartment, dem Service und vor allen Dingen der Dankbarkeit und Freundlichkeit ehrlich begeistert! Von einer Mutter mit zwei Schwestern geführt, fühlten wir uns gleich wie Zuhause. Uns wurde stets geduldig zugehört und eine Lösung gefunden. Nur ein Beispiel: Am Vorabend unserer Abreise um 06:30 Uhr in der Früh überraschte uns eine der Schwestern mit einer umweltfreundlich verpackten und selbst beschriebenen Frühstückstüte sowie einer hübschen Kette aus original Vulkanstein.

Dorfleben

Schon am ersten Nachmittag erkundeten wir Megalochori per Spaziergang und entspannten in einer Taverne mit Souvlaki, Feta und Hauswein. Ruhig war gar kein Ausdruck. Es war wie ausgestorben in diesem typischen, kleinen, griechischen Dörfchen. Es finden sich weiße Häuschen, blaue Kuppeln, kleine Kirchen und enge Gässchen. Im Vergleich zu Milos oder Athen, sind die Preise auf der Insel Santorini jedoch bereits deutlich teuer, die Auswahl an vielseitigen vegetarischen und veganen Speisen dafür überraschend rar – zumindest in Megalochori.

Santorini besteht aus mehreren Inseln - Hier zu sehen: Thirasia
Santorini besteht aus mehreren Inseln - Hier zu sehen: Thirasia

Griechischer Wein auf der Insel Santorini

Santorinis Wein ist berühmt! Rund um Megalochori sieht man überall auf den Feldern die Weinreben sprießen. Allerdings ganz anders, als wir es kennen und gewöhnt sind. Hier wachsen die Reben bewusst eng am Boden. Sie werden gar in Kreisen geflochten, um eben nicht in die Höhe zu schießen. Diese Technik wurde speziell entwickelt, denn anders wäre ein Weinanbau unter diesen Umständen der Witterung und des Bodens, des Gesteins wohl gar nicht möglich. So werden einerseits Ressourcen gespart, da sonst Unmengen gewässert werden müsste, andererseits sind die Reben vor den starken Winden besser geschützt.

Weinanbau auf der Insel Santorini
Weinanbau auf der Insel Santorini

Auf Santorini sind sie stolz auf ihren heimischen Wein, besonders auf die Weißweinrebe Assyrtiko. Das Prädikat ist geschützt und es darf wirklich nur solch ein Wein nach Santorini benannt werden, der zu 100% aus Weinreben der Insel Santorini besteht und auf diese Weise angebaut wurde. Als Weinliebhaber ließen wir es uns also nicht entgehen eine der kleinen, meist familiären Winzereien für eine Weinprobe aufzusuchen. 

Hierfür gibt es viele Möglichkeiten bis hin zu großen Touren entlang der Wine Road die quer durch Santorini führt. Oftmals sind auch Führungen durch die Produktion inkludiert. Wir entschieden uns für die kleine Weinkellerei Gavalas in einem versteckten Hinterhof in Megalochori, die uns eine feine, hauseigene Weinauswahl darbot. Das Preis-Leistungsverhältnis war hier völlig in Ordnung, für nur 13€ pro Person durfte man sich durch 4 verschiedene Weine probieren. Allesamt Balsam für unsere Gaumen, außer der abschließende letzte, extrem süße Vinsanto. Dieser rötliche Wein, der allerdings zu 95% aus weißen Trauben besteht und seine Farbgebung durch die Karamellisierung erhält, ähnelt fast schon einem Likör und traf damit eher nicht unseren Geschmack.

Weinkeller Gavalas auf der Insel Santorini
Weinauswahl bei unserer Verkostung in der Gavalas Winery

Ganz nah am Vulkan – Der Ursprung der Insel Santorini

Um mehr zu erleben, entschieden wir uns für die eintägige Caldera-Tour, die uns in unserer Pension offeriert wurde. Obwohl diese Touren mit dem Boot der Verkaufsschlager Nummer 1 sind, wollten wir diese prominenten Highlights nicht verpassen und auch der Preis war für dortige Verhältnisse überaus günstig. Die Masse macht’s…?
Für Essen und Trinken musste allerdings selbst gesorgt werden und teilweise kamen auf den Inseln auch noch Eintritte dazu. Folgende 3 Stopps warten auf dieser augenscheinlich standardmäßigen Touristentour auf dich:

Nea Kameni – Die Vulkaninsel

Nea Kameni, die große Insel westlich von Alt-Thera, war das Hauptziel und Aufhänger dieses Trips. Ihr griechischer Name bedeutet soviel wie „Neue Verbrannte“ und offenbart ihr Sein als Vulkaninsel. Unten in der Bucht ankern die Boote, man bezahlt noch einen kleinen Eintritt von 2€ zusätzlich für diese geschützte Insel und begibt sich auf eine nicht zu unterschätzende Wanderung die Krater hinauf. Die Aussicht lohnt, der Blick auf die Caldera von Alt-Thera: Wunderbar. Die Insel selber bot sich uns eher unspektakulär. Vulkanische Krater ließen sich nur aufgrund der Form erahnen. Es war alles ruhig, begrünt und bestenfalls konnte man mal etwas heißen Schwefeldampf erahnen.

Ausblick über Santorini von Nea Kameni

Palea Kameni – Heiße Quellen

Für den zweiten Stopp ging es in die heißen Quellen von Palea Kameni. Angepriesen als Highlight, mischt sich hier in der Bucht das bis zu 45° warme Wasser aus vulkanischen Geysiren mit dem Frischen des Meeres. Also ankern hier die Boote und die Touristenschwärme springen hinein ins anfangs kühle Nass, welches sich dann je weiter man in die Bucht eindringt zunehmend in eine rostbraune Suppe verwandelt und zudem recht unangenehm nach Schwefel stinkt. Wir ließen es uns trotzdem nicht nehmen und erwarteten wenigstens einen Wohlfühl-Effekt durch die Wärme…der jedoch ausblieb. Die gefühlte Temperatur lag nicht mal über 30°C, aber dafür hatten Badeshorts und Bikini im Anschluss eine Wäsche in der Waschmaschine nötig. Schnell versuchten wir uns wieder im normalen Meereswasser zu säubern und zu erfrischen.  Denn dies gefiel uns um Längen besser als dieser überbewerte Stopp.

Heiße Quellen von Palea Kameni auf der Insel Santorini

Thirasia

Die Insel Thirasia hat uns von allen drei Stopps mit Abstand am besten gefallen. Hier findet man kristallklares Wasser in der Hafenbucht, wo es sich, abgesehen von spitzen Steinen, auch schön baden lässt. Wir ließen es uns eine kurze Erfrischung nicht nehmen und traten auf engen, steilen Serpentinen die Wanderung hinauf ins eigentliche Dorf an. Immer wieder stoppten wir, um herab zu schauen und die wunderbare Aussicht zu genießen. Der kleine Hafen mit seinen alten und neuen Schiffen, Cafés, Restaurants und dem von oben noch stärker türkisblauschimmerndem Wasser boten wahrlich ein wunderschönes Panorama. Oben angekommen erwartete uns lediglich ein geöffnetes Restaurant am Hang. Einerseits pure Authenzität, keine touristische Showwelt, aber andererseits auch keine Menschenseele. Eventuell haben sogar die eigentlich gut 300 Einwohner, die sonst vornehmlich von den täglichen Tourismusströmen unten im Hafen leben, die Insel zum großen Teil verlassen. Zumindest wirkte es so…Wir wanderten umher, durch alte verfallene Hausbaracken und vergessene Baustellen, um am Ende wieder zum Hafen zurückzukehren und uns auf die Rückfahrt zu machen.

Alles in allem war diese Tour zwar recht günstig, aber nach unserem Empfinden unspektakulär. Zudem kann sich auf lange Wartezeiten auf der Fähre einstellen, gerade wenn man nicht von Fira aus startet. So wird der ganze Trip unnötig in die Länge gezogen, wobei trotzdem an den Stopps genügend Zeit blieb.

Schöne Insel Thirasia bei Insel Santorini
Ausblick von Wanderpfad auf Thirasia

Von Stränden und Städtchen – Rollertour auf der Insel Santorini   

Auf eigene Faust erkundeten wir mit einem in unserer Pension gemieteten Roller die wohl besten Strände und schönsten Orte.

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Red Beach

Unser erster Halt war der wohl optisch außergewöhnlichste und spektakulärste Strand auf der Insel Santorini. Der Red Beach, etwas versteckt und nur über die benachbarte Bucht Akrotiri im Südwesten der Insel zu erreichen, ist dieser Ort in seiner Farbenpracht wirklich besonders anzuschauen. Sein Name rührt von der hohen, rötlichen Felswand an der dieser schmale, kleine Strand liegt. Vom Parkplatz aus ist er nur über einen kleinen, hügeligen Weg zu erreichen, geht es durchaus ein wenig über Stock und Stein. Zum Niederlassen und Baden ist der Red Beach eher ungemütlich, einerseits steinig und andererseits sehr schmal. Fast hätte uns eine Welle samt Hab und Gut abgeräumt. Nein, das schönste an diesem Strand war für uns die Aussicht vom obigen Felsen.  

Red Beach auf Insel Santorini
Kapelle am Red Beach auf Insel Santorini

Strandpromenade Agios Georgios – Perivolos – Perissa

Weiter ging es zu Santorinis berühmtester Strandpromenade beginnend mit dem unscheinbaren Agios Georgios, dem Strand der Einheimischen, über Perivolos bis hin zum beliebtesten Touristenort mit den meisten Unterkünften der Insel, Perissa.

Unter normalen Umständen ist die Straße, die über mehrere Kilometer an den ineinander übergehenden Stränden entlangführt, wohl recht voll und laut. Uns ermöglichte sie langsam und in aller Ruhe entspannt mit unserem Roller entlang zu gleiten und dabei nach schönen Abschnitten, Cafés, Restaurants oder sonstigen Lädchen Ausschau zu halten. Am Ende landet man in Perissa. Ohne Corona und in der Hauptsaison eine Touristenhochburg, wie man uns sagte.  Unter anderem dort, begrenzt vom Berg Mesa Vouno, ist dann ein weiteres Naturphänomen zu begutachten. Hier findet sich kein feiner Sandstrand, sondern schwarzer Kies. Aufgrund dieses Vulkangesteins wird vielerorts vom sogenannten Black Beach gesprochen. Auch an dieser Stelle eher optisch ein Hingucker, als ein gemütlicher Badestrand. Aber zugegebenermaßen sind wir auch einfach eher Fans von feinem weißen Sand.

Strand von Perissa auf Insel Santorini

Fira & Oia

Die typischen Postkartenmotive von der Insel Santorini mit ihren weißen Häuschen, wie sie sich in das Gestein und die Felsen der Klippen fügen, zeigen zumeist den Ort Fira, den Hauptort Santorinis. Normalerweise halten hier die großen Kreuzfahrtschiffe und Massen an Touristen entern die vielen, teils sehr hochpreisigen Lokale. Auch wir waren überrascht, denn plötzlich war von der Ruhe und Verlassenheit, die uns sonst auf Santorini begegnete, nicht mehr viel übrig.  Wo kamen denn plötzlich die ganzen Leute her? In den kleinen Gässchen der autofreien Altstadt war ein regelrechtes Gedränge, noch nicht unangenehm aber doch wieder spürbar mehr Leben und touristisches Treiben.

Oia ist generell der ruhigere und idyllischere Ort im Vergleich zu Fira. Gelegen am nördlichsten Zipfel der Insel Santorini ist hier allerdings ein unglaubliches Panorama zu begutachten. Oia, insbesondere beim Sonnenuntergang, ist nämlich der Instagram Hotspot überhaupt und das hat sich bekanntlich mittlerweile rumgesprochen. Denn selbst in diesen Zeiten der Pandemie, als der Rest der Insel wirklich teilweise verlassen wirkte, tummelten sich hier Fotografen, Influencer, Reiseblogger, Touris und Co. – im Wettkampf um das beste Foto. Einige harrten wohl schon seit Stunden auf den Felsen oder Stufen aus, um die beste Position zu haben. Auch wir bemühten uns, trotz der Fülle an Konkurrenz, das Beste rauszuholen und fanden diesen Secret Spot auf dem Dach einer kleinen Kathedrale. Kurze Zeit später wurde auch diese von den Massen bevölkert. Schnell weg hier, das wird uns zu bunt. Doch auch auf den Stufen und in den Häuserschluchten gelangen uns einige tolle Aufnahmen und so machten wir uns am Ende des langen Tages in weiser Vorraussicht, sogar bevor die Sonne wirklich unterging, bereits auf den Heimweg. Auch den Hafen von Oia, Amoudi Bay, ließen wir daher aus Zeitgründen links liegen, um auf der Rückfahrt nicht völlig in die Dunkelheit und Kälte zu geraten.

Sonnenuntergang in Oia auf Insel Santorini

Herrlich! Ehrlich?

Um ehrlich zu sein: Die Insel Santorini hat uns alles andere als umgehauen. Speziell die Strände sind, im Vergleich zu Milos, für uns persönlich nicht so einladend und höchstens einen Blick wert. Edle Boutiquen, volle Zentren, überfüllte Strände sind nicht unser Ding. Unter normalen, volleren Umständen hätte sich dieser Eindruck sehr wahrscheinlich verstärkt. Nichtsdestotrotz bereuen wir unsere Reise auf die Insel Santorini keineswegs. Wir