Peru - Rainbow Mountain - Temporäres Naturwunder

Rainbow Mountain – Temporäres Naturwunder in den Anden

Rainbow Mountain, Montaña de Siete Colores oder Apu Vinicunca. Viele Begriffe für einen Ort in den peruanischen Anden, den du ganz sicher schon mal auf Fotos oder im Fernsehen gesehen hast. Bei dem so akkurat bunt gestreiften Berg handelt es sich keineswegs mehr um ein Geheimtipp. Er ist in den letzten Jahren zum absoluten Hotspot mutiert und dies hat triftige Gründe. Auch wir haben uns deshalb dazu entschieden von unserer Home Base Cusco einen Ausflug zum Rainbow Mountain zu unternehmen, um uns selbst ein Bild von diesem Naturphänomen zu machen.

Reisedaten

Lateinamerika:
Reisezeit: August - Oktober 2017
Reisedauer: 50 Tage

Peru:
Reisezeit: August/September 2017
Reisedauer: 11 Tage
Unterkunftsart: Gastfamilien

Was hat es mit den Farben auf sich? Wie schaffe ich es auf 5.200m über dem Meeresspiegel? Wo buche ich den Ausflug? Was kommt auf mich zu? Und wie hat uns der Besuch des Vinicunca gefallen? Fragen, auf die du genau hier Antworten bekommen wirst!

Panorama Rainbow Mountain

Rainbow Mountain – Ein limitiertes Naturschauspiel

Im Endeffekt haben all die verschiedenen Namen ein und dieselbe Bedeutung. Der spanische Begriff „Montaña de Siete Colores” heißt übersetzt ebenso wie das Pendant der indigenen Sprache Quechua „Vinicunca“ so viel wie „Der Berg der sieben Farben“. Während wir alle irgendwann in der Schule gelernt haben, dass ein Regenbogen durch das Aufeinandertreffen von Regen und Licht zustande kommt, liegt hier jedoch eine ganz andere Ursache zugrunde. Durch im Gestein eingelagerte Mineralien, die von Natur aus ebendiese Farben besitzen (z.B. Eisen = rot) kommt die Farbenpracht des Rainbow Mountain zustande. Die akkurate Musterung durch jahrtausendalte tektonische Erdplattenverschiebungen. Bereits in weitläufiger Umgebung erstrahlt die Landschaft in bunter Hülle.

Weg zum Rainbow Mountain

Nun folgt das Besondere am Rainbow Mountain. Erst vor rund 5 Jahren wurden die Regenbogenfarben entdeckt, da der Berg zuvor mit Schnee bedeckt war! Das ist auch der Grund, warum wir im Jahre 2014 noch gar nichts davon wussten. Mit der „Entdeckung“ begann ein zweifelloser Hype um den Apu Vinicunca in sozialen Netzwerken. Unsere Natur verändert sich – das wissen wir alle. Die Zusammensetzungen und damit die Farbe des Berges sind natürlichen Ursprungs, was wiederum bedeutet, dass auch dieser sich verändern wird. Einige ortskundige Guides behaupten, dass der Rainbow Mountain in dieser Form in wenigen Jahren gar nicht mehr bestehen wird. Vor diesem Hintergrund ist der entstandene Hype irgendwie verständlich…

Zur Buchung und Vorbereitung – Tipps zum Beherzigen

1) Cusco als Ausgangspunkt

Mit rund 130km südöstlich von Cusco, liegt der Rainbow Mountain nicht mal eben um die Ecke. Insbesondere vor dem Hintergrund der dortigen Straßenverhältnisse. Auch infrastrukturell ist das Gebiet rund um den berühmten Berg nicht wirklich vergleichbar mit Cusco. Dort herrscht wirklich Dorfleben und jegliche Art von infrastruktureller Modernisierung kam erst mit der „Entdeckung“ der Farbenpracht des Berges, der im Übrigen für die Anwohner schon zuvor heilig war. Der Vinicunca ist im Prinzip ein Ausläufer des Ausangate, dem fünfthöchsten Berg in Peru. Übernachtungsmöglichkeiten in unmittelbarer Umgebung sind rar. Demnach bietet sich Cusco als nächstgelegene Stadt als Ausgangspunkt für deine Reise zum Rainbow Mountain an.

Berglandschaft am Rainbow Mountain

2) Der richtige Touren-Anbieter und die richtige Zeit

In Cusco wimmelt es nur so von Angeboten für Touren zum Rainbow Mountain. Tagestouren bekommst du für rund 30 Euro, wenn du gutes Verhandlungsgeschick mitbringst. Geh auf jeden Fall in mehrere Büros, hol dir Preise ein und frage explizit nach, was alles inklusive ist. Außer für Getränke und Snacks mussten wir nichts mehr zahlen. Spenden und/oder Trinkgelder kannst du selbstverständlich ebenfalls einplanen. Das Essen im Dorf, sämtliche Fahrten und Eintritte waren im Preis bereits enthalten. Wenn du weitere Tagestouren von Cusco aus planst, empfehlen wir dir diese in einem Paket in einer Reiseagentur, bei der du ein gutes Gefühl hast, zu buchen. So kannst du meistens noch etwas mehr sparen.


Alternativ gibt es noch den 6-tägigen Ausangate-Trek, bei welchem du selbstverständlich Halt am Vinicunca machst. Da wir diesen Ausflug nicht gemacht haben, können wir hier keine persönlichen Erfahrungen teilen.

Prinzipiell ist es von Juni bis September trockener als im Rest des Jahres. Dies bedeutet jedoch nicht, dass in dieser Zeit kein Regen fällt oder von Oktober bis Mai nicht gutes Wetter ist.

3) Kleidung & Equipment

Festes und gemütliches Schuhwerk ist ein absolutes Muss! Am besten eignen sich Trekking-Schuhe. Zwar sind die Wege größtenteils fest, aber bei der Anstrengung der ca. 6km langen Wanderung, will man sich nicht auch noch Gedanken, um die Stabilität der Füße machen. Es geht sehr sehr früh raus. Dementsprechend ist es noch dunkel und verdammt kalt. Zieh dir zu Beginn also einen Wollpulli und eine Multifunktionsjacke an. Handschuhe und Mütze solltest du ebenso nicht vergessen. Uns ist es wichtig, gemütlich angezogen zu sein, damit kein Unwohlsein aufkommt. Hab aber auch unbedingt ein T-Shirt drunter, wenn tagsüber die Sonne rauskommt. Dann kann es beim Wandern ordentlich warm werden. Auch eine Sonnenbrille und Sonnencreme können nicht schaden. Wir befinden uns auf über 5.000m Höhe! Zu guter Letzt sollte die Kamera natürlich mit am Start sein.

4) Höhe

Zugegeben: Wir haben kein schwerwiegendes Problem mit der Höhe, wobei beim Aufstieg zum Vinicunca auch wir definitiv die dünne Luft gespürt haben. Jetzt denkst du vielleicht: „Klar – die sind ja auch total jung!“. Falsch gedacht – der Umgang mit der Höhe hat sehr wenig mit dem Alter zu tun.

Hannah und Henrik auf 5.000m - Rainbow Mountain

Viel ausschlaggebender ist die Zeit, die man seinem Körper zur Gewöhnung gibt. Wir waren nicht zum ersten Mal in den Anden Perus, haben zuvor einige Tage in Cusco auf 3.400m verbracht. Deshalb lautet unser Rat: Plane deine Rainbow-Mountain-Tour niemals zu Beginn deiner Peru-Reise! Iss und trinke ausreichend an den Tagen zuvor und am Reisetag selber und geh nur das Tempo, das sich für dich gut anfühlt. Es ist genügend Zeit und der Großteil der Touristen schafft den Aufstieg mehr oder weniger ohne Probleme. Mach dir keine Sorgen – für den Notfall haben die Guides Sauerstoff-Shots dabei. Deshalb solltest du dich nie zu weit vom Guide deiner Gruppe entfernen, eben für den Fall eines Notfalls.

Bezüglich dieser Thematik möchten wir uns an dieser Stelle noch kurz über Coca äußern. Coca ist allgegenwärtig in Peru und hat erst einmal nichts mit dem Rauschgift Kokain zu tun. Man kann die Blätter kauen oder sie in Form eines Tees zu sich nehmen. Die Wirkung soll zur Linderung der Höhenkrankheit beitragen. Wir haben beim Aufstieg zum Vinicunca erstmals Coca-Blätter gekaut, hatten jedoch nicht den Eindruck, dass dadurch leistungsmäßige Wunder geschehen sind. Ein Tee während der Pausen in den Dörfern ist jedoch unabhängig davon sehr wohltuend.

5) Verhalten vor Ort

Bitte bitte bitte achte auf die Entsorgung deines Mülls! Ja, es ist ein langer anstrengender Weg, der Versorgung in Form von Essen und Trinken verlangt. Trotzdem gehen viel zu viele Touristen ohne Nachsicht damit um. Wir möchten doch, dass dieser schöne Ort auch schön bleibt!
Respektiere das Leben der lokalen und einheimischen Bevölkerung, die vor einigen Jahren überhaupt nicht mit dem sich entwickelten Touristenansturm gerechnet haben. Der Vinicunca ist für die Bewohner heilig – unsittliches Verhalten sollte vermieden werden.

Der Ablauf – Vorbei an Dörfern und Lagunen

Folgender Ablaufplan ist grob aus unserem Gedächtnis zusammengefasst. Uhrzeiten und Einzelheiten können je nach Tour variieren.

03:00 Uhr – Wecker klingelt
03:15 Uhr – Abholung von Mini-Van (ca. 10 Personen)
> Wenn du außerhalb des Zentrums bist, bestehe auf eine Abholung. Dann hast du Zeit für die Anreise zur Plaza de Armas gespart
06:30 Uhr – Stopp in einem Dorf zum Frühstück mit Brot und Coca-Tee
07:15 Uhr – Sicherheitseinweisungen und Besprechung
08:00 Uhr – Ankunft am Startpunkt – Beginn der Wanderung

Beginn des Tracks zum Rainbow Mountain
Anstieg zum Rainbow Mountain

10:00-11:00 Uhr – Aufstieg geschafft – Ausblick genießen und Pause!

Hannah und Henrik an der Spitze des Rainbow Mountain

12:00-13:00 Uhr – Abstieg

Umgebung des Rainbow Mountain

13:30 Uhr – Mittagessen
14:00 Uhr – Rückfahrt nach Cusco
15:00 Uhr – Halt an Lagunen mit Flamingos

Lagune auf dem Rückweg des Rainbow Mountain

18:00 Uhr – Ankunft in Cusco

Tagebuchausschnitt (Hannah), Peru 08.09.:

„Diesmal ging der Wecker sogar schon um 03:00 Uhr. Wir waren wirklich gespannt, ob der Berg so bunt aussieht, wie auf den bekannten Fotos und wie anstrengend es werden würde. Laut den Erfahrungsberichten scheiden sich die Geister. Trotz vieler Touristen bekam man auch auf diesem Ausflug einen guten Einblick in das Leben der einheimischen Bevölkerung. Wir aßen in einem Dorf. Dort bestanden die verfügbaren Toiletten lediglich aus Erdlöchern. Man fragt sich, wie der Alltag hier wohl so aussieht. Sind die Menschen in ihren Möglichkeiten nicht eingeschränkt oder sind wir es, die eingeschränkt sind? Schwierige Fragen, über die man grübeln konnte auf dem harten Weg, der uns bevorstand. Unsere Guides hatten schließlich nicht umsonst Oxi-Shots dabei, wenn einem im wahrsten Sinne des Wortes mal der Atem stockt.

Schließlich werden wir heute die 5000m Marke knacken – Personal Record für uns. Und so begann der Weg. Ach, halb so schlimm dachte man nach den ersten Schritten. Aber der Anstieg zog sich und hatte es dadurch in sich. Die Luft wurde schon knapp. Tief durchatmen, weiter geht’s! Wir schafften es ohne größere Probleme bis zum Ziel. Geschafft – Juhu! Vielleicht haben die Coca-Blätter, die wir fleißig kauten, ja wirklich geholfen. Am Gipfel stellten wir fest, dass wir leider nicht die Einzigen waren, die es geschafft haben. Aber bis auf die Menschenmassen war der Ausblick wirklich atemberaubend. Die verschiedenen Farben, die durch besondere Mineralien zustande kommen, bildeten eine Art Regenbogen auf dem Massiv. Wirklich gut, dass wir das gemacht haben.

Auf dem Rückweg hielten wir noch an ein paar Lagunen an und sahen Flamingos. Und obwohl wir total am Ende waren gingen wir sogar noch zur Salsa Stunde ins Inka Team, wo wir uns damals das erste Mal trafen, um alte Erinnerungen aufleben zu lassen. Im Anschluss ließen wir den Abend mit Cocktails ausklingen. Erst einen Mojito und dann einen Té Piteado. Hmm, in dieses Heißgetränk mit Pisco, Zitrone und Honig habe ich mich verliebt. Anschließend schliefen wir gut und lange aus…“

Herrlich! Ehrlich?

Wir sehen die touristische und damit wirtschaftliche Entwicklung des Rainbow Mountains zweigeteilt. Einerseits führte der Boom dazu, dass auch die dort ansässigen Dorfbewohner einen Teil vom Kuchen der Tourismuseinnahmen in Peru abbekommen. Einige können sich als authentische Guides einbringen und werden so ins Wirtschaftssystem integriert. Nicht zuletzt kann hier noch kultureller Austausch stattfinden. Andererseits birgt der Ansturm natürlich auch einige Schattenseiten. Die Dörfer waren schlichtweg nicht darauf vorbereitet. Der anfallende Müll ist nur eine vieler Konsequenzen. Damit es auch mit Sicherheit jeder Tourist nach oben schafft, werden Pferde angeboten. Selbst die Tiere, die sonst zur Landwirtschaft genutzt werden, müssen für das Geld hier Schwerstarbeit verrichten.

Alpaka nahe Rainbow Mountain

Jetzt mal ehrlich! Was nachträgliche Bildbearbeitung in Form von Kontrasterhöhung vermittelt ist für uns fast Blasphemie. Noch bunter, noch stärker, noch beeindruckender. Die übertriebene Darstellung der Farben des Rainbow Mountains für soziale Netzwerke ist schlichtweg nicht notwendig. Es reicht ja schon, wenn wir Menschen unsere Natürlichkeit hinter uns lassen wollen, um perfekt zu wirken. Die Fotos, die du in diesem Beitrag siehst, sind nicht nachträglich bearbeitet und spiegeln die Realität wieder. Sei nicht enttäuscht, wenn du angekommen bist und der Berg nicht aussieht, als hätte man ihn mit Neon-Farben angemalt, sondern erfreu dich an diesem Naturwunder. Außerdem ist der Kontrast und damit die Wirkung der Farben stark wetterabhängig.

geschrieben von Hannah

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