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Roadtrip an der Algarve – 7 Stopps für einen Tag

Einer der größten Ausflüge und prägendsten Erlebnisse in Portugal war unser Roadtrip an der Algarve. Wir haben uns vor Ort aufgrund der Länge der Strecke und des nur minimalen Preisunterschiedes gegen einen Roller bzw. ein Motorrad und für einen günstigen Kleinwagen, einen Nissan Micra, entschieden. Als Spontanentschlossene landeten wir direkt vor unserem Hotel-Komplex bei einer Europcar-Filiale. Das Angebot schien soweit okay. Erst später stellten wir fest, dass knapp 90€ für den einen Tag doch recht happig waren. Wir hatten einfach keinen Vergleich und wollten uns das in diesem Augenblick einfach mal gönnen. Die zu hinterlegende, enorm hohe Kaution von 1500€ erforderte im ersten Augenblick ein wenig Organisation unsererseits. Doch auch das klappte irgendwie, es war einfach das erste Mal eine Kreditkarte so zu nutzen. Wir waren noch jung und ungeübt…

Reisedaten

Reisezeit: September 2016
Reisedauer: 10 Tage
Unterkunftsart: Appartement

So machten wir uns eines Morgens nach dem Frühstück früh von unserer Basis in Alporchinhos auf, denn wir hatten einiges an Strecke vor uns. Zwar de facto nur mindestens 80km je Strecke bis an unser Ziel Cabo de São Vicente, aber je nach Weg und Stopps konnte das durchaus deutlich mehr werden. Einiges würden wir spontan entscheiden, wann wir wo wie lange bleiben und so weiter. Doch ein wenig hatten wir uns natürlich vorbereitet. Wir wollten unseren schönsten, einzigartigsten, atemberaubendsten Strand der Algarve küren, aber auch andere Punkte kamen auf unsere Liste. Folgende 7 Stopps haben wir uns unter anderem markiert, die wir dabei gezielt ansteuern wollten:

Roadtrip an der Algarve - Karte Route

1. Praia da Marinha

Vormittags hatten wir uns, auch bedingt durch die Reihenfolge der Strecke, einige Strände rausgepickt, die uns lohnenswert erschienen. Der erste Halt auf unserer Strandtour war die nicht weit entfernte Praia da Marinha. Dort hielten wir schon nach 15min Fahrt, etwas mehr als eine Bucht von unserem Heimstrand Praia de Nossa Senhora da Rocha entfernt. Die Praia da Marinha ist circa 5km vom nächsten größeren Ort (Carvoeira) entfernt und inmitten der sogenannten Felsalgarve. So wird der Küstenabschnitt von Faro bis Sagres, also exakt dort, wo wir entlanggefahren sind, nämlich auch genannt. Genau wegen der felsigen Küste mit so schönen Buchten und Stränden, wie die Praia da Marinha. Dieser gehört zwar schon fast zu den etwas größeren Stränden, ist aber wirklich gleich ein ganz besonderer. Die von Erosion zerklüfteten Felsformationen in und um den Strand herum und das sagenhaft grün-türkis-blaue Wasser bilden eine einzigartige Kulisse.

Kurz überlegten wir einfach den Tag hier zu chillen, aber wir hatten ja das Auto gemietet und noch einiges vor uns. Daher machten wir uns nach einem Erkundungsrundgang und einer ausgiebigen Fotosession relativ schnell wieder auf den Weg. Gleich der erste Strand war ein absoluter Volltreffer, welch ein Auftakt!

Roadtrip an der Algarve - Praia da Marinha
Roadtrip an der Algarve - Praia da Marinha2

2. Benagil

Benagil ist eines dieser typischen kleinen verschlafenen Fischerdörfchen, wie man sie in Portugal häufiger findet. Hier hat mittlerweile der Tourismus die Fischerei als Haupteinnahmequelle abgelöst und der Strand ist die berühmte Hauptattraktion des Dorfes. So war auch bei uns klar, es wurde nicht viel weiter gefahren, denn als nächstes war die Praia de Benagil an der Reihe. Hier erwartete uns ein absolutes Highlight, die sogenannte Benagil Cave. Unweit der Praia de Benagil legt die Ebbe eine Art Höhle, Grotte frei, mit einem kleinen Sandstrand zum Meer ohne sonstigen Zugang. Die Benagil Cave ist also nur über das Meer oder mit Abseilen von den Felsen zu erreichen. Mittlerweile ist sie ein bekanntes Ziel zahlreicher Algarve-Touristen sowie der Instagram Hotspot der Region. Heutzutage würden wir wahrscheinlich einfach alles in unseren wasserdichten Beutel packen und rüber schwimmen, aber damals gab es sowas noch nicht oder wir waren einfach noch nicht richtig vorbereitet für solche Aktionen. Auch ein Kanu zu mieten wäre eine Option gewesen, aber der Zeitfaktor hat auch mitgespielt. Einige Tage später würden wir diesen Spot auf einer Bootstour durch die Höhlen und Grotten der anliegenden Strände nachholen.

Ansonsten lädt die Praia de Benagil absolut auch zum längeren Entspannen und Sonnenbaden ein. Hier waren wir kurz im Wasser, immer mit einem Auge auf unsere Sachen die herrenlos am Ufer lagen. Doch für den Moment blieb es ein kurzer Zwischenstopp und schon machten wir uns wieder auf zum nächsten Strand.

Roadtrip an der Algarve - Benagil

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3. Praia da Rocha

An der Praia da Rocha erlebten wir dann ein kleines Abenteuer. Die Praia da Rocha steht schon dem Namen (rocha = Felsen) nach für die in der gesamten Region charakteristischen Felsen, welche die kleine Bucht mit ihrem feinen Sandstrand umschließen. Auf der rechten Seite entdeckten wir direkt am Felsen einen kleinen Pfad, kaum einen Meter breit, auf dem sich einige Mutige hinaus auf die Klippe wagten. Unten schlugen teils heftig die Wellen dagegen, doch je weiter man ging, schlängelte sich der Weg höher und höher an der Klippe entlang. Wirklich nicht ohne…Aufgrund des durchaus rutschigen Gesteins auch absolut nicht mit Flipflops zu empfehlen! Ein falscher Tritt, ein Abrutschen und es ginge 6-7m in die Tiefe – mit Glück ins Wasser, mit Pech auf Felsen. Dazu machte Hannah in so einer heiklen Situation auch ihre Höhenangst zu schaffen, weswegen der Spaßfaktor dann doch schnell kippte und wir uns sehr vorsichtig auf den Rückweg machten. Nach diesem Nervenkitzel legten wir uns in die mittlerweile pralle Mittagssonne, relaxten und ließen diese wirklich phänomenale Kulisse auf uns wirken. Der große Vorteil dieser kleinen Buchten, so von den felsigen Klippen umschlossen, ist nämlich auch, dass sie sehr windgeschützt sind. Das ist einerseits angenehm, aber andererseits ist dadurch Sonnenbaden hier schnell spürbar intensiver. Die Praia da Rocha ist absolut mehr als nur ein weiterer wunderbarer Strand. Hier sieht man die Felsalgarve wie aus dem Bilderbuch!

Roadtrip an der Algarve - Praia da Rocha2
Roadtrip an der Algarve - Praia da Rocha

4. Alvor

Der Roadtrip ging weiter…
Alvor bietete uns nach den ganzen Stränden einen etwas anderen Flair. Hier spazierten wir durch das Städtchen, machten entspannt Mittagspause und gönnten uns in einem Café an der gepflasterten Flusspromenade kühle Erfrischungsgetränke. In Alvor mündet der gleichnamige Fluss ins Meer und so kann man wunderschön an einem der zahlreichen Cafés oder Restaurants am Flussufer speisen. Die Auswahl derer ist, durch den Tourismus bedingt, wirklich groß. Früher war Alvor ebenfalls ein Fischerdorf, aber heutzutage lebt dieses kleine dezente Städtchen mit lediglich 6000 Einwohnern hauptsächlich vom Tourismus. Nichtsdestotrotz sieht man noch die Überbleibsel aus anderen Zeiten und kann durch die typischen Gässchen mit Kopfsteinpflaster an den weiß getünchten Häuserfassaden vorbeischlendern.

Alte Fischerboote liegen auch heute noch im Hafen, wenngleich sie kaum noch im großen Stile kommerziell genutzt werden. Auf einer Anhöhe können architektonisch oder historisch Interessierte hier auch die Pfarrkirche Igreja Martiz de Alvor aus dem 16. Jahrhundert begutachten. Wegen dieser Attraktionen und im Speziellen der zentralen Lage in der Mitte der Algarve ist Alvor eine beliebte Basis von der viele Touren und Ausflüge starten. Alvor ist mindestens ein Zwischenstopp wert, kann aber auch ideal als Basis und Haupturlaubsstätte deines Algarve-Urlaubs ausgewählt werden.

Roadtrip an der Algarve - Alvor
Roadtrip an der Algarve - Alvor2

5. Ponta da Piedade

Die „Spitze des Erbarmens“ oder der „Punkt der Frömmigkeit“ der steilen Landzunge unweit von Lagos bietet die wohl faszinierendsten Felsformationen der Algarve. Auf dem Plateau angekommen wirkt die Landschaft erstmal karg und öde, doch von hoch oben kann man hier herrlich umherwandern und hinunterblicken in die tiefen, zerklüfteten Schluchten. Rund 20m hoch bzw. aus unserer Perspektive eher tief, türmt sich diese Felsklippenlandschaft auf. Sie ist komplett natürlich über die Jahrhunderte gewachsen, ohne jegliche Baumaßnahmen durch Menschenhand entstanden. Wirklich verblüffend welch kunstvolle, teilweise sehr akkurate und doch fragil wirkende Felsgebilde von Mutter Erde hier kreiert wurden. Beeindruckend waren auch die verschiedenen Farben der Gesteinsschichten, umspielt von den Wellen des herrlich türkisblauen Wassers. Abermals konnten wir uns nicht satt sehen auf unserer kleinen Runde, die wir drehten.

Wachsam solltest du trotzdem bleiben! Touristen, so sagt man hier, seien oftmals so fasziniert und vertieft in ihre Fotoaufnahmen, dass sie unachtsam werden und hinabstürzen. Einigen soll dies wohl schon das Leben gekostet haben. Auch gefährliche Felsrutsche kommen hier immer mal wieder vor. Bei uns in Deutschland wäre solch ein Ort definitiv ganz anders gesichert und nicht so frei zu erleben. So ist bei aller Vorsicht die Ponta da Piedade ein absolutes Muss und Highlight unseres Algarve-Urlaubs gewesen.

Roadtrip an der Algarve - Ponta da Piedade

6. Sagres

Kurz vor dem Ziel unseres Roadtrips angekommen, stellt Sagres nicht nur das damals von uns liebgewonnene populärste Bier Portugals, sondern auch eine ansehnliche alte See-Festung aus dem 15. Jahrhundert auf einer steilen Klippe. Von hier aus hat man eine grandiose Aussicht und kann bereits herüber blicken auf den Cabo de São Vicente und seinen Leuchtturm. Auch die Festung an sich hat ihren Charme. Sie besteht aus einer massiven Festungsmauer und einigen mehr oder weniger gut erhaltenen Gebäuden im Inneren. Eine kleine Kirche, Ingreja de Nossa Senhora de Graca, ist noch mit am besten erhalten und auch begehbar. Generell kostet der Eintritt in die gesamte Festung, die ein Nationaldenkmal Portugals darstellt, überschaubare 5€. Innerhalb der Mauern erwartet dich auch ein Mysterium. Ein Steinkreis mit 43m Durchmesser, 1928 entdeckt, sorgt bis heute für Rätselraten unter den Historikern. Vielleicht eine Art Sonnenuhr? Für uns war es hier nach auf jeden Fall mal an der Zeit im Ort Sagres noch verspätet zu essen, bevor wir uns aufmachten zum letzten Abschnitt und Ziel unseres Roadtrips, dem Cabo de São Vicente.

7. Cabo de São Vicente

Und da war es, das Ende der Welt! Der Endpunkt unserer Tour war der südwestlichste Punkt Europas mit Ausblick auf Amerika. Gleichzeitig endet hier auch die Südküste Portugals und damit die Felsalgarve. Schroffe Klippen und karge Vegetation stellen sich an dieser steilen Küste den oftmals heranstürmenden Wassermassen des Atlantiks. Auch an Land stürmt es oft stark, aber dies unterstreicht nur das prägende Erlebnis, wenn man den weiten Horizont entlang schaut, an die Entdecker vergangener Tage und die geschlagenen Seeschlachten denkt. Ein Ort zum Wegträumen, Fernweh garantiert!

In der Anlage vor Ort mit ihrem 24m hohen Leuchtturm, der das stärkste Leuchtfeuer Europas haben soll, gibt es unserer Meinung nach nicht so viel zu sehen. Zumindest nichts was unsere Aufmerksamkeit von diesem Ausblick hat ablenken können. Wir beobachteten noch einige Zeit die unendliche Weite und das Treiben der Wassermassen, bis es spät wurde und wir uns auf den langen Rückweg machen mussten. Anfangs quatschten wir und erzählten uns von den vielen Eindrücken des Tages, aber schnell übermannte uns auch die Erschöpfung und es wurde stiller. Nur ich am Steuer blieb natürlich aufmerksam, um uns sicher zurück zu bringen.

Roadtrip an der Algarve - Cabo Sao Vicente2

Und wieder zurück…

Die etwas längere Rückfahrt ohne weitere Stopps verlief problemlos. Am Ende kamen wir zwar erschöpft, von den vielen Eindrücken des Tages, aber auch glücklich und zufrieden wieder in unserem Appartement an. Nicht ohne den Mietwagen, wie vereinbart, vorher wieder vollgetankt zu haben.

Ein wohltuendes Gefühl von Stolz kam auf, was wir beide alleine zusammen auf die Beine gestellt hatten, ohne dass etwas schieflief. Und so ging ein einmaliger Tag bei einer Flasche Wein auf unserem Balkon zu Ende. Wir hatten echt viel gesehen, insbesondere die vielen schönen kleinen Buchten und feinen Strände umzäunt von harten, kantigen Felsen und schroffen Klippen, haben sich in unser Gedächtnis gebrannt. Auch die unendliche Weite des Atlantiks am Horizonts des Cabo de São Vicente, dem Ende der Welt, war sehr beeindruckend. Selbst geschossene, traumhafte Postkartenmotive in unserem Fotoalbum, die passenden Erinnerungen und das Gefühl eingebrannt in Herz und Hirn.

Ach ja, zu unserem absoluten Lieblingsstrand der Felsalgarve wurde nach einhergehender Rekapitulation des Tages übrigens die PRAIA DA MARINHA gekürt.

Roadtrip an der Algarve - Praia da Marinha4

Unser Roadtrip entlang der Algarve war ein wirklich besonderes Erlebnis und ist bis heute in bester Erinnerung.  Und jetzt bist du dran, lerne aus unseren Fehlern und trau dich! Eine Tagestour mit dem Mietwagen ist ein guter erster Schritt um sich heranzutasten. Es muss nicht gleich die komplette Reise als Tour von Standort zu Standort zurückgelegt werden, auch wenn wir es heute vielleicht eher so machen würden…

geschrieben von Henrik

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