Gastbeitrag: Social Working – Fluch oder Segen?

Gastbeitrag: Social Working – Fluch oder Segen?

Hallo erstmal. Ich bin Michi, 23 Jahre jung und arbeite seit nunmehr fünf Jahren ehrenamtlich als Tierschützerin für Affen in Afrika. Aktuell gründe ich meine eigene Organisation für Freiwilligenarbeit mit Affen, damit andere Menschen in nachhaltigen Tierschutzprojekten mitanpacken können. Warum das notwendig ist? Weil beinahe die Hälfte der Tierstationen in Südafrika Tiere nicht schützen, sondern zum Abschuss verkaufen!

Ja, auch ich war schockiert, als ich hinter die Fassade blickte. Mein Pech war jedoch, dass ich von diesem grausamen Geschäft erst erfuhr, als ich bereits in solch einer Station gelandet war.

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Im Jahr 2015 reiste ich zum ersten Mal nach Afrika, um als Freiwilligenhelferin im Tierschutz zu arbeiten. Meine Reise buchte ich über eine große Organisation, die eine breite Masse an Möglichkeiten bot: Von Haien, über Affen bis hin zu Großkatzen konnte man sich für alle Tiere „stark machen“. Ich entschied mich zuerst eine Station mit Großkatzen zu besuchen und im Anschluss mit Affen zu arbeiten. Bereits an meinem ersten Tag in Südafrika war alles anders als gedacht. In meiner naiven Vorstellung landete ich inmitten einer unberührten Natur und wurde von einem braungebrannten Ranger abgeholt, der mir bereits auf der Fahrt allerhand über Afrikas wunderschöne Flora und Fauna erzählte. Stattdessen landete ich in Johannesburg – eine Stadt, die so gar kein Afrika-Feeling versprüht – und wurde mit einer sechsstündigen Verspätung von einem unmotivierten Taxifahrer abgeholt, dessen Auto nicht einmal Sicherheitsgurte besaß. Aber egal, immerhin würde ich nun mit jedem Meter meinem Traum näherkommen!

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Meine Güte war ich nervös! Und als ich zum allerersten Mal einen Babylöwen sah, war ich Feuer und Flamme. Diese Flamme erlosch allerdings in jenem Moment, als sich herausstellte, dass diese Farm die Tiere gar nicht auswilderte und schützte, sondern züchtete, krankmachte und an die Großjagd verkaufte! Doch nicht nur diese Erkenntnis machten die ersten beiden Wochen zur Hölle, sondern vor allem die Besitzerin der Farm, die uns immer wieder den Strom abstellte, wenn wir sie mit der Wahrheit konfrontierten. Zu allem Übel ließ uns ihre Wäsche waschen, das Auto putzen und Unkraut jäten. Im Grunde waren wir Haushaltshilfen, die dafür noch eine Menge Geld zahlten! Ich wollte nur noch weg! Nach diesen zwei Wochen überlegte ich tatsächlich, die Reise abzubrechen und nach Hause zu fliegen, anstatt das andere gebuchte Center zu besuchen: Eine Farm zur Auswilderung von Affen. Doch mein Herz sagte mir: Trau Dich!

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Dort angekommen brach ich völlig zusammen, denn ich war nicht nur auf meiner Reise beklaut worden, sondern erlebte einen Kulturschock der besonderen Art! – Vor Ort nächtigten wir in Mehrbettlehmhütten mit vielen andere Helfern und Insekten, die überall krabbelten. Geduscht wurde in Bretterverschlägen draußen und die Toiletten, ebenfalls draußen, spülten nur mäßig. Ventilatoren gab es in den fensterlosen Hütten keine. Ich hatte nicht viel erwartet, aber als ich an jenem Abend auf dem Weg in die Dusche in Affenscheiße trat, heulte ich 30 Minuten ununterbrochen unter dem eiskalten Wasser, weil ich nervlich am Ende war. Für kein Geld der Welt würde ich mir zwei weitere Wochen antun!

Bis hierhin mag Freiwilligenarbeit nun wie der schlimmste aller Flüche klingen und wenn man unvorbereitet in einem Projekt für Jagdtourismus landet, ist es das auch. Wenn man allerdings in einem Tierschutzprojekt landet und dort einmal alles über Board wirft; die Ansprüche, Vorstellungen, Scham und sich mit der Natur verbindet, dann ist es der Himmel auf Erden!

Diesen Himmel fand ich zwischen springenden Pavianen und tobenden Meerkatzen. Mein erster Arbeitstag mit den Affen veränderte alles. Barney war ein kleines Affenbaby, das total traumatisiert war, kein Vertrauen fand und die Helfer ablehnte. Sein Zustand war kritisch! Und genau dieser hilfsbedürftige kleine Knirps entschied sich in jenem Moment, als er mich sah, dass ich es sei, der er sein Herz schenkte! Ab dieser Stunde waren wir unzertrennlich, Barney legte an Gewicht zu und die Zeit verging viel zu schnell. Plötzlich wollte ich den Ort, den ich am Anfang hasste, am liebsten nie wieder verlassen! Mir war egal, dass ich aus dem Koffer lebte, kalt duschte, keine Privatsphäre hatte und hin und wieder unerreichbar blieb. Plötzlich machte es Sinn, zehn Stunden täglich zu arbeiten und morgens um halb sechs aufzustehen. Auf einmal ergab alles einen Sinn! Ich war eine Affenmama durch und durch – alles an diesen Tieren faszinierte mich und ich wollte nur noch eines: ihnen ein Leben in Freiheit schenken!

Seither reise ich jedes Jahr nach Afrika, um verschiedene Stationen bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Aber nicht nur das: Seit drei Jahren mache ich auf genau dieses Problem, die Schattenwelt und die Sonnenseite der Freiwilligenarbeit aufmerksam, und gründe nun meine eigene Organisation, ganz nach dem Klang meines Herzens: Keep the Wild Wild! Denn das ist es, was ich erreichen möchte: Affen, die sicher, frech und frei durch die afrikanische Wildnis streunen

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Solltest Du Dich also für Freiwilligenarbeit mit Tieren interessieren, sei Dir über folgenden Dinge bewusst:

Affis adventures Logo

Michi und die Affen findest du hier!

Schau doch unbedingt mal bei affis.adventures vorbei und lass dich von Afrika und seinen frechen Affen inspirieren!

Mit diesem Beitrag nimmt Michi an unserer Blogparade zum Thema "Social Working im Ausland" teil.

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