Elefanten im Tsavo East Nationalpark in Kenia

Tsavo East Nationalpark – Die rote Erde

Karibu Kenya! (Willkommen in Kenia)

Eine Herde Elefanten näherte sich langsam, doch typisch elegant dem großen Wasserloch, dass sich unmittelbar vor den Türen unserer Lodge im Tsavo East Nationalpark befand. Die Finsternis hat bereits lange die Landschaft erobert und zunächst konnte man die beeindruckenden Silhouetten der am Kopf der Herde stampfenden Tiere mit Hilfe der Beleuchtung der Lodge nur erahnen. Man hörte und fühlte jedoch im selben Moment viel mehr. Es bildete sich allmählich eine Versammlung rund um das breite Wasserloch. Die Herde war durstig. Unsere Augen konnten gar nicht anders als gebannt zuzusehen. Das Bild wirkte irgendwie unwirklich, aber doch so natürlich und ausgewogen. Dieser Eindruck der Ausgewogenheit wurde plötzlich unterbrochen.

Unruhe machte sich breit unter den zuvor so harmonisch trinkenden Elefanten. Wir Menschen konnten zunächst keine Ursache für die Stimmungsschwankung erkennen. Doch auch wir spürten, dass etwas vor sich geht. Allmählich wurden die dunklen Umrisse von einer beträchtlichen Anzahl an Wasserbüffeln sichtbar, einer der gefährlichsten Spezies der Savanne. Einige starke Elefantenbullen bildeten einen Halbkreis um das Wasserloch und den Rest der Herde. Bei jedem Annäherungsversuch wurde es lauter, aber durchaus kontrolliert. Ein großer Schritt nach vorne und die Büffel wichen zurück. Man sah den Büffeln den Respekt an, trotz ihrer natürlich gegebenen eher aggressiven Art. Teilen in der Savanne? Tag ein Tag aus ein neuer Überlebenskampf. Das Spektakel nahm kein Ende.

Gebannt beobachten wir weiterhin dieses unfassbare Naturschauspiel, obwohl zwischendrin minutenlang nichts geschah. Doch die Elefanten schienen Mitleid zu haben, denn sie ließen die Wasserbüffel immer weiter in ihre Privatsphäre eindringen, sodass auch diese eine Chance auf das lang ersehnte Wasser bekommen. Teilen funktioniert also auch in der Savanne, trotz teils unerbittlichem Kampf. Wieso nicht auch bei uns Menschen?

Im Bett liegend horchten wir weiterhin den Lauten, die dort draußen in der Wildnis ertönten.

Der erste Stopp unseres 3-tägigen Abenteuers

Um 4:30 Uhr in der Früh klingelte der Wecker in unserem Hotelzimmer am Galu Beach. Der Sonnenaufgang am Strand war es aber wert. Circa 7 Stunden Fahrt für rund 350 km im Safari-Van lagen vor uns, bevor wir im Tsavo East Nationalpark angekommen werden. Eine buckelige Fahrt mit unserem Ranger Sami am Steuer. Außer uns (meiner Mama und mir) war kein Tourist mit „an Bord“. Ein komisches Gefühl zu Beginn wich jedoch im Laufe der Zeit Dankbarkeit für die Freiheit und Einsamkeit.

Willkommen im Tsavo East Nationalpark in Kenia
Safari Van im Tsavo East Nationalpark, Kenia

Als die Erde der Umgebung allmählich roter wurde, wussten wir, dass wir nicht mehr weit von unserem ersten Stopp entfernt sein konnten. Der Tsavo East Nationalpark ist bekannt für seine eisenhaltige und somit rotfarbene Erde. Der Grund weshalb auch die dort lebenden Tiere allesamt einen roten Schimmer haben. Vom Elefant bis zum Zebra. Der erste Game Drive (Pirschfahrt) stand an, das Dach des Vans wurde von uns Dreien mit vereinten Kräften hochgeschoben. Und dann sahen wir ihn, unseren ersten freilebenden wilden Elefanten in weiter Ferne. Voller Staunen wollten wir diesen Moment lange auskosten, nicht wissend, dass dies nicht das letzte Tier sein wird, dass wir zu Augen bekommen werden. Die Landschaft ist wirklich unglaublich. Einfach so wie man sich die afrikanische Wildnis vorstellt. Wir beobachteten Zebras, Pumbas (Warzenschweine), diverse Antilopenarten wie Impalas, ein paar wenige Giraffen und eine Vielzahl an rot gefärbten Elefanten sowie Affen.

Zeit für die erste Pause – es ging für zwei Stunden in unsere Lodge, wo wir die erste Nacht verbrachten, bevor es zum nächsten Game Drive vor der Abenddämmerung ging.

Zeltlager in der Savanne?

Der Anblick der Lodge (Voi Wildlife Lodge) verschlug uns die Sprache. Insgeheim haben wir uns auf mehr oder weniger spartanisches Zelten eingestellt, aber das was uns dort alles empfing haben wir nun wirklich nicht erwartet. Neben zwei großen mit Moskitonetz ausgestatteten Betten, eigenem Badezimmer stand uns ebenso ein Pool und sogar WLAN zur Verfügung. Dazu frisches Essen und kalte Getränke in Buffetform. Das absolut Beste, war die Terrasse und ein Steg, welcher quasi hinaus in die Wildnis führte. Auge in Auge standen wir nur wenige Meter und nur durch einen niedrigen Holzzaun getrennt wilden Elefanten gegenüber. Wir konnten sie so hautnah beim Trinken und Baden beobachten, frühstückten am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang praktisch neben ihnen. Ein einmaliges Erlebnis. WLAN sei Dank konnte ich dies sogar live mit Henrik via WhatsApp Call teilen. Total konträr, aber irgendwie auch genial.

Hannah auf Terrasse im Tsavo East Nationalpark, Kenia
Löwen im Tsavo East Nationalpark, Kenia

In jener Nacht ereignete sich das eingangs beschriebene Naturschauspiel, dass wir unser Leben lang in Erinnerung behalten werden. Spätestens nach diesem Tag haben wir uns voll und ganz in Kenia bzw. in Afrika im Allgemeinen verliebt.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns mit einer letzten Pirschfahrt, bei welcher wir noch ein Rudel Löwen in der Ferne entdeckten. Das Besondere an Löwen im Tsavo East Nationalpark ist nicht unbedingt das rot gefärbte Fell, sondern dass auch die Männchen keine Mähne haben.

Unsere Reise ging weiter Richtung Amboseli, dem zweiten Nationalpark unserer Safari.
Du willst wissen wie es weiterging? Bald erscheint der Beitrag „Amboseli Nationalpark – Am Fuße des Kilis“.

Herrlich! Ehrlich?

Wie bereits angedeutet wurden wir von der Ausstattung in der Lodge ziemlich überrascht. Ein Pool, WLAN, frisches Essen und fließendes Wasser inmitten der Wildnis? Natürlich waren wir auf der einen Seite begeistert und freuten uns über unerwarteten Luxus. Auf der anderen Seite stellten wir uns einige Fragen. Wie kommen all die frischen Lebensmittel tagtäglich hierher? Wie kann so eine Anlage genau hier gebaut werden ohne dass zig Bauarbeiter von wilden Tieren angegriffen werden? Wieso ist der Preis für all das was hier geboten wird nicht viel höher? Fragen auf die wir nicht wirklich Antworten haben, sondern nur Vermutungen anstellen können.

Ein unfassbar schlechtes Gewissen machte sich breit: Wir sind in einem Land, indem so viele Menschen unter Armut leiden und wir nächtigen mitten auf dem Land wie die Könige. Zwangsläufig kommen außerdem Zweifel an der Nachhaltigkeit und dem Wohl der wilden Tiere auf. Die meisten Arten sind doch ohnehin schon vom Aussterben bedroht. Oder unter anderem genau deshalb.  Wir waren nur für einen Tag da, können es uns aus diesem Grund nicht anmaßen, Verurteilungen auszusprechen. Es mag sein, dass Lodges in dieser Art trotz allem nachhaltig arbeiten und den Tierschutz unterstützen. Schließlich entsteht dadurch auch die Chance, Menschen aus aller Welt den immensen Wert unseres Planeten nahezubringen und vielleicht auch zu sensibilisieren.

Es ist sehr schwierig für uns zu diesem Thema klar Stellung zu beziehen. Fest steht, dass wir unheimlich dankbar für diese tolle Erfahrung und das einmalige Erlebnis sind. Fest steht aber auch, dass man die Dinge hier äußerst kritisch hinterfragen sollte. Wir möchten nicht auf Kosten anderer Lebewesen leben. Sei es Mensch oder Tier. Was jeder von uns tun kann ist, fremde Zonen mit allergrößtem Respekt zu behandeln, indem wir beispielsweise keinen Müll liegen lassen oder weniger reichen Menschen als uns einen Teil abgeben. Schließlich lassen die Elefanten auch die Wasserbüffel vom selben Wasserloch trinken ;).

Fazit

Der Tsavo East Nationalpark ist ein absolutes Muss, wenn du in Kenia auf Safari gehst! Eisenhaltige Erde und extreme Trockenheit münden in einer einzigartigen Natur. Sowohl die rote Landschaft als auch die beeindruckende Lebensweise und Anpassungsfähigkeit der dort lebenden Tiere machen das Gebiet zu etwas ganz Besonderem. Es ist einer der ältesten und größten geschützten Gebiete Kenias und das aus gutem Grund. Die Chance hier einige der „Big Five“ zu sehen ist recht hoch, zumindest in der Reisezeit, als wir dort waren. Wenn du an der Ostküste zum indischen Ozean im Hotel unterkommst, ist der Tsavo East Nationalpark immerhin 381 km entfernt (gerechnet von Galu Beach). Du wirst demnach mindestens eine Nacht einplanen müssen, wenn du nicht sogar noch weiter ins Landesinnere reisen möchtest.

Wenn jetzt auch in dir der Löwe geweckt wurde und du unbedingt eine Safari in Kenia machen willst oder du bereits eine planst, solltest du unbedingt unseren Beitrag Into the Wild – Unsere 7 Tipps für deine Kenia-Reise lesen.

Reisedaten

Sieh dir hier ein paar Eckdaten zu dieser Reise an

Kenia
Reisezeit: September/Oktober 2018
Reisedauer: 12 Tage
Unterkunftsart: 4*-Hotel Galu Beach

Tsavo East
Reisezeit: September 2018
Reisedauer: 1 Tag
Unterkunftsart: Lodge

geschrieben von Hannah

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