Hannah auf der Plaza de Armas in Cusco, Volunteering in Peru

Volunteering in Peru – Mein soziales Projekt und 3 Erkenntnisse fürs Leben

Volunteering in Peru…hier schreibe ich all meine Eindrücke von der Seele und teile sie mit dir.

Ich war 19 als ich das erste Mal in meinem Leben alleine in ein Flugzeug stieg, als ich das erste Mal länger als eine oder zwei Wochen von zuhause weg gewesen bin. Mein Herz pochte mir wirklich bis zum Hals. So gut kann ich mich noch an meine chaotische Gefühlswelt an diesem Tag erinnern. Ich erfüllte mir in diesem Moment einen langersehnten Traum, der mich seit meinem 10. Lebensjahr nicht mehr losgelassen hat. Es mischte sich jedoch auch große Angst hinzu. Ich wusste schließlich absolut nicht, was mich in ein paar Stunden erwarten wird. Hinzu kam, dass mir meine Gesundheit einen Streich spielen wollte. Pünktlich zum Abflug hatte ich eine Grippe mit Fieber bekommen. Nichtfliegen kam aber nicht in die Tüte. Und so stellte ich mich allen Herausforderungen. In unbedingtem Willen, all die tollen Erfahrungen zu sammeln und die unvergesslichen Erlebnisse zu leben, die ich mir seit Jahren erträumte.

Reisedaten

Reisezeit: Juli/August 2014
Reisedauer: 5 Wochen
Unterkunftsart: Gastfamilie

Einblicke in meinen Alltag in Cusco, Peru

Das genaue Ziel der Reise hieß (viele von euch ahnen es vielleicht) Cusco. Eine immer bekannter werdende Stadt in den Anden von Peru.

Die Berühmtheit erlangte Cusco insbesondere durch den naheliegenden Touristenmagnet und UNESCO-Weltkulturerbe, den Machu Picchu. Im Jahre 2014 galt dieser Ort zwar schon lange nicht mehr als Geheimtipp, dennoch war der Hype bei Weitem noch nicht so groß wie in diesen Tagen. Zum Thema Machu Picchu ist allerdings ein separater Beitrag geplant, um hier nicht vom eigentlichen Kern abzuweichen.

Leben in einer Gastfamilie

Etwas außerhalb des belebten Stadtzentrums von Cusco lebte ich in einer Gastfamilie, die mich am Ankunftstag direkt mit einer Hochzeit in Empfang nahm. Das war eine Überraschung und ein großes Spektakel zugleich. Direkte Konfrontation mit Kultur und Leuten waren gar nicht so schlecht. Zumal ich nicht der einzige ausländische Gast mit Reiseabsichten und/oder dem Auftrag sozialer Arbeit war. Lula, meine Gastmama, heiratete einen Holländer. Außerdem wohnhaft waren im Haus ihr Sohn und ihre Mama. Lula hat mich direkt in ihr Herz geschlossen – und ich sie. Als es mir mit meiner Grippe tagelang wirklich schlecht ging, saß sie an meinem Bett und hat mich getröstet. Wenn ich mit meiner „richtigen“ Mama in Deutschland geskypt habe, hat sie immer in die Kamera gelächelt und „Hola“ gesagt.

Ich muss dazu sagen, dass mir die Integration, insbesondere in die Gastfamilie, sehr leicht gefallen ist, da ich fließend Spanisch spreche und zu dieser Zeit sogar frisch aus dem Spanisch-Leistungskurs und damit verbundenem Abitur kam. Noch heute halten Lula und ich den Kontakt, schreiben regelmäßig über Facebook. Ich kann jederzeit zurückkehren. Das fühlt sich wie Heimat an. Das fühlt sich wie Familie an.

Volunteering in Peru: After-School-Programm

An zwei bis drei Tagen die Woche engagierte ich mich für ein ganz spezielles Projekt, eine Art Nachmittagsschule für benachteiligte und bedürftige Kinder im Alter von ca. 4-14 Jahren. Gemeinsam mit anderen Volunteers, größtenteils aus Spanien, fuhr ich mit dem Bus in ein entlegeneres Gebiet. Angekommen folgte ein zwanzigminütiger Marsch auf einen steilen Berg – und das auf 3500m Höhe. Ebendiesen Ort nennen die Kinder ihr zuhause. Es wirkte wie ein eigenes Dorf, eine Art Community. Ziel des Programmes war und ist es, den Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, sie am Leben außerhalb der Straße teilhaben zu lassen oder wertvolle Dinge für ihre Zukunft näherzubringen. Aufgaben, denen die Eltern häufig nicht selbst gewachsen sind. Sei es aus finanziellen, gesundheitlichen oder sozialen Gründen.

Wöchentlich überlegten wir Volunteers gemeinsam, welche Projekte wir in der Folgewoche mit den Kindern gemeinsam angehen wollten. Dazu gehörte beispielsweise der menschliche Körper oder Mülltrennung. Außerdem kochten wir mit den Kindern, unterstützten sie bei den Hausaufgaben, spielten und trieben Sport. Zum Abschluss wurde stets getanzt. Das hat nicht nur den Kindern die größte Freude bereitet, sondern auch mir. Ein Ausdruck von Gemeinschaft, Zusammenhalt, Spaß und Lebensfreude. Schnell hatte ich einige von ihnen in mein Herz geschlossen und war überrascht über ihre Offenheit, auch offensichtlich anders aussehenden Menschen wie mir gegenüber. Ihre Liebe drückten sie auf eine unheimlich tolle und ehrliche Art aus. Hier ist ein Abschiedsgeschenk für mich an meinem letzten Tag.

Ein einprägsames Erlebnis war der Kontakt zu einem kleinen Jungen mit Behinderung, für den wir unter anderem Benefizparty’s veranstalteten, um Geld für Medikamente zu sammeln. Ich hatte anfangs großen Scham und Versagensängste, wenn es darum ging, diesem Jungen spezielle Aufmerksamkeit zu schenken. Keinesfalls weil ich davor keinen Respekt gehabt hätte, sondern vielmehr weil ich mich der Aufgabe nicht gewachsen fühlte.

Zusammenfassend und im Rückblick kann ich sagen, dass diese Art von Arbeit für mich nicht leicht war. Schließlich hatte ich keine Erfahrung mit dem Umgang von Kindern in diesem Alter und in dieser Situation. Doch die Kinder haben es mir die Integration leicht gemacht. Mein recht gutes Spanisch hat dabei sicherlich auch einige Türen geöffnet.

Hannah mit Kindern im Volunteering Projekt in Cusco, Peru
Hannah mit Kindern im Volunteering Projekt in Cusco, Peru

Den Rest der Zeit verbrachte ich mit Mitreisenden, von denen manche zu Freunden geworden sind. Wir erkundeten die Umgebung, machten gemeinsam Ausflüge zum Machu Picchu oder zum Titicacasee. Einer davon ist nicht nur zum Freund, sondern zum Seelenverwandten und Lebenspartner geworden. Wer es noch nicht weiß: Während dieser Reise habe ich Henrik kennengelernt :).

Erkenntnisse für Persönlichkeit und Leben

„Die Lebenserfahrung, die ich hier sammeln kann, ist einfach einzigartig und das ist genau der richtige Zeitpunkt. Die Dinge, die man falsch gemacht hat, bereut man nicht so sehr wie die, die man erst gar nicht versucht hat. Es ist einfach unglaublich wichtig, gerade für mich persönlich, eine andere Lebensweise kennenzulernen, was es heißt auf europäischen Standard verzichten zu müssen, mit anderen Menschen und Kulturen in Kontakt zu treten, auf sie zuzugehen und sich den Gegebenheiten anpassen zu müssen“

Diesen Abschnitt fand ich meinem Tagebuch. Geschrieben habe ich dies nicht etwa während meines Aufenthaltes, sondern im Vorhinein. Als Motivation. Im Nachhinein kann ich sagen: Alles davon ist eingetreten. Ich bin in dieser Zeit so viel gewachsen. Nach meiner Rückkehr habe ich mich tatsächlich wie ein anderer Mensch gefühlt. Habe Verhaltensweisen, die typisch für eine Leistungsgesellschaft wie bei uns in Deutschland aber auch typisch für mich waren, plötzlich verurteilt. Es war ein riesengroßer Wandel.

Heute habe ich dieses Gefühl nach einer längeren Reise nicht mehr in dem Umfang. Ich vermute, dass ich mir nun über all die Dinge bewusst bin und sie nicht mehr neu erfahren muss. Ich war damals sehr jung, meine Persönlichkeit konnte noch nicht an diesem Punkt sein wo sie heute ist. Und obwohl ich in Sachen Persönlichkeitsentwicklung und Lebenserfahrung niemals aufhören werde zu lernen, so weiß ich doch, dass mich diese Reise zu dem gemacht hat was ich heute bin und wie ich heute denke.

Im Folgenden drei einschneidende Erkenntnisse von dieser Reise

Glück und Freude hängt nicht vom Besitz ab
Noch nie zuvor in meinem Leben habe ich so viel Glückseligkeit in Kinderaugen gesehen. Oft habe ich mich gefragt, wieso die Kinder denn so freudig sind. Schließlich haben sie fast nichts. Mir als in „normalen“ Verhältnissen wohlbehütet aufgewachsenes Kind fehlte es an nichts. Ich bekam ein unfassbar schlechtes Gewissen und merkte, dass es andere Werte sind, die glücklich machen. Offenbar ist dieser Teil in der Kindererziehung in Ländern wie Deutschland nur nicht (mehr) so ausgeprägt.

Es kommt nicht immer alles wie geplant und das ist auch gut so
Manchmal wird man zu Spontanität gezwungen oder man muss Hürden überwinden, die man bis kurz vor Schluss nicht gesehen hat. Meistens wird alles aber halb so wild, man meistert auch diese Aufgaben mit Bravour und alle Sorgen waren unberechtigt.

Über Kleinigkeiten aufregen und Unfreundlichkeit gegenüber Mitmenschen raubt jeglichen Frieden
Auf einer Taxifahrt in Cusco erlebte ich einen Auffahrunfall mit. Beim Fahrverhalten der Peruaner wunderte mich das nicht. Was mich jedoch wunderte: Niemand regte sich auf und schob dem anderen die Schuld in die Schuhe. Man fuhr einfach weiter. Diese Situation kann vielleicht nicht 1:1 übertragen werden, jedoch als Sinnbild für unsere Verschwendung von Energie in unserem Alltag verstanden werden.

Proyecto Perú – Eine Empfehlung für alle Neugierigen

Logo Proyecto Peru

Vielleicht fragst du dich, wie man all diese Dinge organisiert und unter einen Hut bekommt. Oder hast du auch gerade Abi gemacht und bist bereit für ein Abenteuer, das dir sicherlich mehr fürs Leben bringt, als die eine oder andere Unterrichtsstunde. Vielleicht stehst du auch aber schon mehr im Leben, willst aber trotzdem anderen Menschen helfen und dies mit dem Reisen kombinieren. Das ist gar nicht so schwer wie du denkst.

Nein, die folgende Empfehlung ist in keinem Fall kommerzielle Werbung, sondern vielmehr eine Herzensangelegenheit. Beiderseits. Die Organisation Proyecto Perú hat es sich auf die Fahne geschrieben, Menschen aus aller Welt interkulturellen Austausch zu ermöglichen und dich dabei mit deinen Erfahrungen persönlich wachsen zu lassen sowie dir neue Perspektiven auf die Welt um dich herum zu offenbaren. Die Mission finden wir nach wie vor klasse und vielleicht siehst du nun wieso es für uns persönlich eine Herzensangelegenheit ist, dir diese Option näher zu bringen.

Proyecto Perú vermittelt Voluntärprojekte sowie Praktika und bietet darüber hinaus Spanisch- und Quechuakurse an. Außerdem vermittelt Proyecto Perú ebenfalls die Gastfamilien und bietet organisierte Touren im Umland von Cusco oder darüber hinaus an. Als ich dort war, gab es jede Woche ein Event, wo alle zusammenkamen. Dort konnte man Freundschaften schließen und sich austauschen.

Interesse? Schau doch hier mal vorbei:

Was ist Proyecto Perú: https://proyectoperucentre.org/about-us.html

Volunteering in Peru – Angebote: https://proyectoperucentre.org/volunteer/index.html

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Hannah

Hey, ich bin Hannah - Gründerin von Generation World, meinem Herzensprojekt. Meine Idee von Generation World entstand intuitiv und ist mittlerweile zu einem Teil meiner Berufung geworden. Das Schreiben über unsere Reisen bedeutet für mich Kreativität und Freiheit. Deshalb befinde ich mich zudem aktuell auf dem Weg zu meinem ersten Buch.

Wäre doch viel zu schade, wenn ich all die Erlebnisse nur für mich behalte, oder? Also komm mit uns auf Reisen!

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