Heimat - Von Perspektivwechseln und Emotionen

Was ist Heimat? – Von Perspektivwechseln und Emotionen

„Home is where my heart is”

Diesem Zitat, welches seit einiger Zeit in Form eines Tattoos Hannahs Rippen ziert, möchten wir hiermit auf den Grund gehen. Wir als Reisende, könnte man meinen, wären unserer Heimat nicht sehr verbunden, da wir immerzu Neues entdecken möchten. Und doch ist Heimat für uns deutlich mehr als ein sicherer Hafen, in den wir jederzeit zurückkehren können, um durchzuschnaufen und Kraft zu tanken. Aber lies selbst, was unser Verständnis von Heimat beinhaltet und warum wir sie nicht nur trotzdem, sondern gerade deswegen als wichtigen Beitrag erachten, ein glückliches und erfülltes Leben zu führen.

Was ist Heimat? - Hannah und Henrik Sonnenuntergang
Heimat als Begriff – Sprachliche Abgrenzung

Der deutsche Begriff Heimat ist so umfassend und einzigartig in anderen Sprachen oftmals gar nicht adäquat zu finden. Auch der englische Begriff „Home“ beschreibt doch eher dein Zuhause, welches wir hier im Folgenden klar abgrenzen wollen. Also Heimat – was ist das? Heimat ist sich wohl, vertraut und geborgen fühlen. Das ist wo man verwurzelt ist, wo man herkommt. Man ist unter Gleichen, empfindet Sicherheit, in dem was man tut, wo man es tut. Hier hat man nichts zu befürchten, hier kennt man sich, hier ist man Zuhause. Heimat ist oft auch Familie. Doch der Begriff Heimat geht weit über diese typischen, direkten Assoziationen hinaus. Heimat beschreibt nicht nur dein Zuhause. Heimat ist emotional, ein persönliches Gefühl der Zugehörigkeit, der Vertrautheit, der Sicherheit und nicht zuletzt der Stärke. Dieses Heimatgefühl ist nicht unbedingt regional oder familiär konkret fixiert. Es ist nicht nur dein Herkunftsland, dein Geburtsort, deine Familie, wo man einfach hineingeboren wird ohne individuellen Beitrag. Im Positiven können die genannten Aspekte Heimat erschaffen, dies ist jedoch nicht zwingend logische Konsequenz. Je nach Art der Reize kann dieses Gefühl ausbleiben.

Heimat als Gefühl

Das Heimatgefühl ist nicht zwingend konstant. Die Stärke dieser Emotion kann zu- oder abnehmen. Wie eine persönliche Beziehung zwischen Mensch und Raum, geprägt von sich wandelnden Eindrücken, flaut Heimat auf und ab. Menschen, Bilder, Gerüche, Töne, jegliche Reize können es auslösen. Die Verarbeitung dieser Reize lösen Emotionen aus, negativ wie positiv. So kann mir eine Kleinigkeit, ein einzelner Reiz ausreichen, Heimat zu empfinden und mich dadurch situativ stärken. Genauso kann er Wehmut auslösen und aufzeigen wie sehr mir (m)eine Heimat fehlt und mich völlig aus der Bahn werfen.  Dieses schöne, wärmende Gefühl gleicht einem sicheren Hafen, aus dem Heraus man in einer starken Handlungsposition ist. Doch für Entwicklung müssen wir uns auch rauswagen in Fremdes, unbekanntes Territorium, wie auf unseren Reisen. Denn wie sagt man so schön, wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Was ist Heimat? Henrik am Strand
Heimatgefühle auf Reisen

Auf unseren Reisen in fremden Ländern sind wir oftmals überwältigt, ja sogar überfordert. So viele unbekannte Eindrücke prasseln auf dich ein. Anfangs fragst du dich, warum gibst du deine Heimat dafür auf?  Wir geben klare Antworten. Um weiterzukommen. Um zu finden, was für dich wirklich Heimat ist. Um neue Heimaten zu finden. Was löst Heimatgefühle in dir aus? Welche spezifischen Reize sprechen dabei dich individuell an? Dir dessen bewusst zu werden, kann ein Schlüssel sein. Nehmen wir als Beispiel, das Treffen eines Menschen in der Fremde, der dich direkt mit dem typischen Akzent, mit dem du aufgewachsen bist, anspricht. Sofort löst es etwas in dir aus, du fühlst dich ihm zugehörig. Durch diesen Faktor, in dem Fall die gleiche sprachliche Artikulation, seid ihr verbunden. So eine Verbindung, eine Beziehung zum Raum, nicht unbedingt zur Person, kann überall entstehen.

Mit Heimat ist nicht unbedingt ein konkreter Ort gemeint. Eher ein übergeordneter Raum, ein Meta-Raum, in dem sich alle diese Eindrücke der verschiedenen Reizebenen sammeln, zusammenfügen und ein Gefühl entstehen lassen. Auch verbundene Tätigkeiten und Gewohnheiten spielen hierbei oftmals eine große Rolle. Dieses Heimatgefühl kann ganz unabhängig von einem konkreten Ort auftreten, jedoch klar verbunden durch die Stärke und Spezifität des auslösenden Reizes. Doch leider, oder zum Glück, ist es damit wie mit allen anderen Emotionen. Sie sind nicht dauerhaft konstant. Heimat kann sich entwickeln, sich aufbauen über Tage, Wochen, Monate durch entstandene intensivierte Beziehungen. Und Heimat kann genauso auch schwinden, wenn wir es dauerhaft gar nicht mehr fühlen.

Was ist Heimat? - Henrik
Heimat im Wandel

Das Aufrechterhalten erfordert Pflege, aber es kann uns ganz viel Halt, Orientierung und Stabilität liefern, damit wir uns nicht verloren fühlen – auf unseren Reisen wie auch generell im Leben. Letztendlich kann auch Reisen in die Fremde, das Entdecken neuer Länder intensiv zum Aufbau solcher Beziehungen beitragen und das Gefühl von „neuen“ Heimaten schaffen, in denen man sich ähnlich heimisch und wohl fühlen kann, wie in der ursprünglichen beispielsweise durch die Geburt gegebene. Teilweise passiert dies schleichend, du bemerkst es gar nicht und plötzlich ist das Gefühl da und überwältigt dich. Oder du musst hartnäckig daran arbeiten, hast zwischendurch Schwierigkeiten, kommst nicht zurecht in der Beziehung. Heimat gibt es im Plural, aber kann schwinden. Es kann immer kleiner und unscheinbarer werden bis ein altbekannter Reiz das Feuer wieder entfacht und man es wieder stärker fühlt denn je.

Der Sinn von Wahlheimat

Doch es ist nicht einfach, sich eine neue Heimat zu schaffen. Du kannst dir nicht einen Ort auf der Weltkarte herauspicken und in zu deiner neuen Heimat erklären. Zu deinem neuen Wohnort vielleicht, aber ob daraus eine Heimat für dich wird, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Dieses Gefühl ist nicht einfach zu provozieren und wird sich niemals automatisch einstellen, nur weil du es heraufbeschwören willst. Es gehört vieles dazu und es muss letztendlich einfach passen. Die passenden Reize auf allen Ebenen, die passenden Personen mit denen du interagierst und kommunizierst, die passenden Tätigkeiten, die du im Alltag ausübst. All das zusammengefügt, kann im Positiven zu der Entwicklung eines Heimatgefühls beitragen. Es kann aber auch anders laufen. Viel von dieser Reizverarbeitung habe ich in der Hand, wenn ich mir die Abläufe bewusst mache. Doch, um den naheliegenden Vergleich zur Liebesbeziehung zu bemühen, bei Emotionen ist schlichte Rationalisierung definitiv oftmals der total falsche Weg. Wir können sie nicht bewusst provozieren, wir können sie auch nicht verhindern. Daher sollten wir uns auch nicht übermäßig bemühen und schon gar nicht unter Druck setzen lassen. Heimat überkommt uns, ja überwältigt uns.

Was ist Heimat? - Hannah & Henrik Richtung Horizont

So kann ich mit Stolz sagen, nach mehrmaligen monatelangen Aufenthalten bei meiner Gastfamilie in Lima, Peru habe ich dort für mich ein Stück Heimat gefunden. Auch Köln, wo ich studiert habe, wir -Hannah und ich gemeinsam leben und uns etwas aufgebaut haben, ist zur Heimat geworden. Und für mich nicht zuletzt, zählt auch Bonn dazu, als sicherer Hafen, wo ich aufgewachsen bin. Familie, Freunde, Umgebung – diese größtenteils positiven Eindrücke aus meiner Kindheit sind prägend und bleiben in meinem Herzen, bereit wieder aktiviert zu werden. Getreu dem Motto

Home is where my heart is“

Gefällt dir das Thema? Wir haben hier einen weiteren schönen Beitrag für dich gefunden:

https://www.zeitjung.de/unterschied-heimat-zuhause-wohlfuehlen

geschrieben von Henrik

Und jetzt genug philosophiert! Soviel zu unserem Verständnis von Heimat, was ist mit dir? Was ist für dich Heimat? Und wo?

Mehr Inspirationen gefällig? Klick dich durch unsere Bildergallerie!

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